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Autobiografie "Genosse Honecker hat Ihren Brief gelesen": Roland Kaiser legte sich mit der DDR-Führung an

Roland Kaiser singt 2020 in der Metropolis-Halle beim Festakt zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit
Roland Kaiser wird im kommenden Jahr 70 Jahre alt. In dieser Woche ist seine Autobiografie "Sonnenseite" erschienen.
© Soeren Stache / DPA
Er schrieb einst Erich Honecker einen Brief: Roland Kaiser berichtet in seiner Autobiografie von einer Auseinandersetzung mit der DDR-Führung. Es ging um einen Auftritt.

"Sie haben uns viel Ärger bereitet, der Genosse Honecker hat Ihren Brief gelesen". Mit diesem Satz entschied Roland Kaiser eine Auseinandersetzung mit der DDR-Staatsführung einst für sich. 1987 sollte er zusammen mit seiner Band im Friedrichstadtpalast in Ost-Berlin anlässlich der 750-Jahr-Feierlichkeiten auftreten. Doch dazu wäre es beinahe nicht gekommen. Denn Kaiser drohte damit, alles platzen zu lassen.

In seiner am Montag erscheinenden Autobiografie "Sonnenseite" berichtet der Sänger von seinem Briefwechsel mit Erich Honecker. Anlass war ein verhängtes Auftrittsverbot für seinen Keyboarder Franz Bartzsch. Der SED war ein Dorn im Auge, dass der Musiker 1980 aus der DDR geflohen war und wollte ihn deshalb nicht einreisen lassen. Das wollte sich Kaiser jedoch nicht bieten lassen und ließ mitteilen, dann werde er auch nicht auftreten.

Honecker reagierte umgehend auf Kaisers Brief

"Definitiv, das hätte ich durchgezogen", schreibt der 69-Jährige in seinem Buch. Der Leiter des Künstlerdienstes sei aber trotz der Drohung hart geblieben. Daraufhin schrieb Kaiser, der mit bürgerlichem Namen Ronald Keiler heißt, Erich Honecker einen Brief und beschwerte sich. "Mit viel Spannung habe ich ihn abgeschickt. Hoffentlich schreibt er zurück, dachte ich. Zumindest war ich mir fast sicher, dass er den Brief lesen würde." Im Buch sind die Original-Dokumente abgedruckt.

Tatsächlich las Honecker den Brief. Der Staatsrats-Vorsitzende der DDR wollte Kaiser offenbar unbedingt in der DDR willkommen heißen und muss seinen Beamten eine Ansage gemacht haben. Die mit der Angelegenheit befassten Personen bekamen einen Rüffel von oberster Stelle. Über Stasi-Chef Erich Mielke erging der Befehl, dass Franz Bartzsch dann doch einreisen durfte. Allerdings mit einer Einschränkung: Er musste unter Pseudonym auftreten. Aus Bartzsch wurde somit Daniel Matthi.

Roland Kaiser wird in seinem Buch sehr persönlich

Kaiser berichtet in seinem Buch auch erstmals vom tragischen Tod seiner Pflegemutter. Als er 15 Jahre alt war, erlitt sie beim Gardinen aufhängen einen Schlaganfall, fiel von der Leiter. Drei Wochen später starb sie im Krankenhaus. Auch die persönlichen Erfahrungen aus seiner COPD-Erkrankung schildert Kaiser, der die Diagnose und die anschließende Lungentransplantation lange vor der Öffentlichkeit geheim hielt. Kaiser sagte dazu der Deutschen Presse Agentur: "Ich habe meiner Familie zugemutet, nicht über die Krankheit zu sprechen. Aus heutiger Sicht war das falsch. Ich habe die Empathiefähigkeit der Menschen unterschätzt. Meine Frau hatte mir schon viel früher geraten, damit an die Öffentlichkeit zu gehen."

mai

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