VG-Wort Pixel

Abwesenheit des Rekordweltmeisters Hamiltons Schweigen seit seiner Niederlage ist genau richtig – für ihn und die Formel 1

Lewis Hamilton
Rekordweltmeister Lewis Hamilton mit gesenktem Blick nachdem er beim Grand Prix in Abu Dhabi hinter Max Verstappen auf Platz zwei gelandet war und den WM-Titel verlor
© Kamran Jebreili / Picture Alliance
43 Tage sind mittlerweile vergangen. Knapp 1030 Stunden. Oder etwa 61.800 Minuten, die jener Moment zurückliegt, in dem sich Lewis Hamilton zum letzten Mal öffentlich geäußert hat. Zu tief sitzt der Schmerz über den Final-Wahnsinn von Abu Dhabi.
Alessa-Luisa Naujoks

Dieser Beitrag erschien zuerst auf RTL.de

Was macht eigentlich Max Verstappen gerade so? Dank Instagram wissen Fans, dass er sich mit akribischem Training auf die neue Formel-1-Saison vorbereitet. Rund 270.000 Likes bekam sein letzter Workout-Video-Post vor wenigen Tagen. Nicht schlecht. Nichts jedoch, worüber wir groß reden müssen. Der Weltmeister macht halt das, was er immer zu dieser Zeit tut, seitdem er in der Königsklasse unterwegs ist. Schön.

Aber was macht eigentlich Lewis Hamilton gerade so? Wann hören wir und seine über 26 Millionen (!) Instagram-Follower wieder von ihm? Und: Sitzt er auch 2022 im Mercedes-Cockpit, um seine Karriere fortzusetzen? Das sind die Fragen, die die Formel-1-Welt umtreiben.

Verstappen wurde nach seinem Titelgewinn für eine kurze Phase gefeiert und beobachtet. So, wie sich das für einen Champion gehört. Wie es ein Champion verdient! Aber als die Max-Euphorie rund um den ersten Titel für den fliegenden Holländer nachließ, da stand doch wieder nur einer im Fokus, dessen letzter Post vom Qualifying-Tag in Abu Dhabi stammt: Hamilton. Der Schweigende.

Hamiltons Abschied wäre für die Formel-1 eine Katastrophe

"Das Schweigen ist da, weil ihm auch einfach die Worte fehlen", hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff wenige Tage nach dem WM-Finale erklärt. Er ist einer der Wenigen, die regelmäßig im engen Austausch mit Hamilton stehen. Ein Vertrauter für den Rekordweltmeister. "Es wird eine lange Zeit brauchen, um das zu verdauen, was da passiert ist. Ich denke nicht, dass wir je darüber hinwegkommen. Das ist unmöglich. Ganz besonders nicht für ihn als Fahrer", so Wolff damals weiter.

Ob Hamilton noch immer die Worte fehlen? Unklar. Vielleicht will er auch einfach die F1-Welt im Ungewissen lassen. Im Leben heißt es doch: Erst, wenn man jemanden zu verlieren droht, weiß man, wie sehr derjenige fehlen würde.

Eine Königsklasse ohne einen der besten Fahrer der Geschichte? Ohne das größte Zugpferd der Serie? Ohne den populärsten Fanmagneten und die schillerndste Persönlichkeit im Fahrerlager? Für die F1-Bosse wäre es eine Katastrophe!

Ein Druckmittel des Rekordweltmeisters gegen die Formel-1?

Und die hätten sich die F1-Macher dann selbst eingebrockt. Man könnte fast meinen, dass Hamilton ihnen schweigend zuruft: "Wenn ihr mich unfair behandelt, dann bekommt ihr halt die Quittung dafür." Es wäre nachvollziehbar.

So ist Hamiltons Schweigen also – ob gewollt oder nicht – auch eins: ein hübsches Druckmittel. Damit die FIA ihrem Versprechen nachkommt, die Umstände rund um die WM-entscheidende Safety-Car-Phase zu untersuchen und die Regeln so klar zu ändern, dass so ein Fall nie wieder möglich wird. Aber womöglich auch, damit personelle Konsequenzen folgen. Und Rennleiter Michael Masi (ob zum Saisonstart oder zu einem scheinbar "unauffälligeren" späteren Zeitpunkt) seine F1-Koffer packen muss.

Lewis Hamiltons Schweigen

Wenn also der Zeitpunkt kommt, an dem Hamilton sein Schweigen bricht – und das wird vermutlich auch nicht an diesem 24. Januar sein, an dem sein Start bei Mercedes genau neun Jahre her ist – dann wird alle Aufmerksamkeit bei ihm liegen. Egal, was er sagt.

Und so groß die Sorge der F1 vor einem drohenden Abschied von Hamilton zu sein scheint: Die Königsklasse profitiert auch dadurch. Selten wurde in einer Winterpause so viel über sie gesprochen. Analysen, Spekulationen, Experten-Meinungen – obwohl in diesem Jahr keine großartigen Fahrerwechsel stattfinden und die neuen Autos noch nicht mal fertig sind, ist die F1 immer wieder medial präsent. Hamilton sei Dank. Und solange er nichts sagt, kann er schließlich auch nichts gegen die F1-Obrigen von sich geben. Das Image, es leidet nicht.

Vielleicht könnte man deshalb fast sagen: Hamiltons Schweigen zeigt seine Macht. Ohne irgendetwas zu tun, spürt die F1 um seine wahnsinnige Bedeutung. Und das ist für ihn gar nicht mal so dumm. Vielleicht sogar richtig clever.

RTL.de

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker