Doping Milram-Teamarzt als Zeuge vernommen


Der von Bernhard Kohl schwer belastete Milram-Teamarzt Mark Schmidt soll vor der Erfurter Polizei aussagen. Schmidt werde im Rahmen eines Verfahrens in Österreich «als Zeuge» vernommen, sagte die Erfurter Oberstaatsanwältin Annette Schmitt der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der von Bernhard Kohl schwer belastete Milram-Teamarzt Mark Schmidt soll vor der Erfurter Polizei aussagen. Schmidt werde im Rahmen eines Verfahrens in Österreich «als Zeuge» vernommen, sagte die Erfurter Oberstaatsanwältin Annette Schmitt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bereits am 13. August, also vor den jüngsten Vorwürfen von Kohl, habe es ein Rechtshilfeersuchen vom Bundeskriminalamt aus Linz gegeben.

Der frühere Gerolsteiner- Radprofi Kohl hatte Schmidt in der österreichischen Zeitung «Kurier» belastet und ihm vorgeworfen, während der Tour de France 2008 in seine «Dopingvorgänge» eingeweiht gewesen zu sein. Schmidt bestreitet alle Vorwürfe.

Mit großem Interesse verfolgt Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer den Fall und behält sich rechtliche Schritte gegen seinen einstigen Teamarzt vor. «Wir sind sehr gespannt, was da rauskommt», sagte Holczer der dpa. Kohls Aussagen bescheinigt der Schwabe einen hohen Wahrheitsgehalt: «Was Kohl in letzter Zeit gesagt hat, hat sich immer wieder bewahrheitet.»

Der in Nachkontrollen zur Tour 2008 positiv auf das EPO-Präparat CERA getestete Kohl schilderte im «Kurier» detailliert, wie die Doping-Praktiken abgelaufen sein sollen. Manchmal habe er sich morgens in Schmidts Hotelzimmer geschlichen, «wo er mir dann mein Blut mit einer Kochsalzlösung verdünnt hat, um meinen Wert zu senken». Er habe zu Schmidt von Beginn an eine «gute Gesprächsbasis» gehabt, sagte Kohl. «Irgendwann kamen wir auf Doping zu sprechen. Er sagte: ’Logisch, dass man es machen muss.’ Er sagte einmal, dass ich nicht der Einzige im Team sei, der Blutdoping fabriziere.» Bereits im Frühjahr hatte Kohl seinen früheren Gerolsteiner- Teamarzt vage belastet. Schmidt hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und Milram-Teamchef Gerry van Gerwen schriftlich versichert, dass er keine Dopingmittel besorgt, weitergeleitet oder verabreicht habe. Auch die neuerlichen Vorwürfe weist die Schmidt-Seite zurück. Es stimme nicht, dass Mark Schmidt in Kohls Dopingvorgänge eingeweiht gewesen sei, teilte sein Vater und Anwalt Ansgar Schmidt am Dienstag mit: «Eine Mitwirkung hat nicht stattgefunden.»

Kohl will sich dagegen ganz genau an Schmidts angebliches Handeln erinnern. Für das Blutdoping am 11. Juli in einem Hotel in Bordeaux habe Mark Schmidt ihm und seinem damaligen Manager Stefan Matschiner sein Zimmer angeboten. «Ich fragte Teamarzt Schmidt, wo wir am besten die Blutzufuhr veranstalten könnten. Mark bot sein Zimmer an», berichtete Kohl. Zudem habe sich der Österreicher, so der «Kurier», alle zwei bis drei Tage seinen Hämatokritwert von Schmidt messen lassen.

DPA DPA

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