Erster Test im Silberpfeil Schumi hängt Rosberg direkt ab


Michael Schumacher ist endgültig zurück in der Formel 1: Mit Bravour meisterte der Rekordweltmeister den ersten Testtag im neuen Silberpfeil. Und wie! Im Eiltempo unterbot Schumi die Bestzeit seines Teamkollegen. Und der Nacken hielt auch.

Michael Schumacher kam, sah und gab Gas wie in alten Zeiten. Lange mussten seine Fans am Montag auf die ersten Runden des Rekordweltmeisters im neuen Silberpfeil warten: Als er dann aber um 15:29 Uhr im Mercedes Grand Prix auf den Kurs in Valencia startete, unterbot der 41-Jährige im Eiltempo die Bestzeit seines Teamkollegen Nico Rosberg. "Ich habe mich gefühlt wie ganz am Anfang meiner Karriere. In der ersten Runde dachte ich: Wow, ist das schnell, ab der zweiten wusste ich aber, dass ich das geregelt bekomme."

Und wie! Nach nur 18 seiner insgesamt 40 Runden und damit Schumachers ersten 72 Kilometern in einem Formel-1-Wagen seit mehr als einem halben Jahr hatte er 45/100 Sekunden Vorsprung auf den Wiesbadener. Und für Sekunden schien es sogar, als habe Schumacher kurz vor Ende sogar die Tagesbestzeit um 4 Sekunden unterboten: Schumacher hatte vier Minuten vor Testende aber abgekürzt. Dennoch: Runde um Runde wurde "Schumi", der seinen letzten richtigen Formel-1- Test am 16. April 2008 bestritten hatte, schneller. Am Ende des ersten Testtags belegte Schumacher den dritten Rang.

Die - allerdings nur äußerst bedingt aussagekräftige - erste Test- Bestzeit erzielte Felipe Massa im Ferrari. Schumacher war nur rund vier Zehntel langsamer als der brasilianische Spitzenreiter, der erstmals seit seinem schweren Unfall im Juli 2009 wieder in einem aktuellen Formel-1-Wagen fuhr. Zweitschnellster war in Valencia der Spanier Pedro de la Rosa im Sauber.

"Das war ein super Tag", meinte erfreut Schumacher, der auch bekräftigte, keinerlei Probleme mit dem Nacken verspürt zu haben. Und schon vor den ersten offiziellen Proberunden hatte er prophezeit: "Später im Verlauf der Testfahrten, wenn ich dann meinen Rhythmus gefunden habe und merke, ich kann eine Runde wie die andere fahren, ich bin absolut am Limit, dann bekomme ich diese Fahr-Geilheit."

Die Freude auf die bevorstehenden Fahrten in dem neuen Dienstwagen sah man ihm auch am Morgen bei der Präsentation des MGP W01 an. Sichtlich vergnügt grinste er in die Kameras und machte den "Daumen hoch", nachdem das mattsilberne Auto mit der geschwungenen Fahrzeugnase inklusive Höcker um kurz vor 9.00 Uhr aus der Box geschoben worden war. Seine Fans begrüßten den Rückkehrer, der sein letztes Rennen am 22. Oktober 2006 bestritt, mit einer Grußbotschaft auf einem Plakat über der Mercedes-Box: "Schumi gibt Gummi. Willkommen zurück", hieß darauf.

Und das machte er, als er das Cockpit von Rosberg übernahm. Mit jeder Runde wurde der siebenmalige Weltmeister schneller. Nach drei Umläufen betrug sein Rückstand auf die Bestzeit des Teamkollegen weniger als zweieinhalb Sekunden, eine weitere machte er in der nächsten Runde gut und so ging es weiter, nach neun Runden ging es erstmal wieder in die Box, der Rückstand auf Rosberg betrug gerade mal sieben Zehntelsekunden.

Dabei hatte Schumachers 17 Jahre jüngerer Rennstallrivale zuvor insgesamt 39 Runden und auch die Jungfernfahrt mit dem eleganten mattsilbernen Mercedes absolviert. Man könne die Zeiten nicht interpretieren und bewerten, hatte Rosberg schon vor Schumachers Auftritt gesagt. Dennoch fordert Schumachers Leistung, auch beäugt von seinem Leibarzt von der Sportklinik in Bad Nauheim, Dr. Johannes Peil, Respekt ab. 2009 war sein Comeback noch gescheitert, weil seine Schädelbasisverletzung von einem Motorradunfall im Februar desselben Jahres nicht komplett ausgeheilt war.

Welcher Hype in diesem Jahr um "Schumi" herrschen wird, wurde auch in Valencia deutlich. Rund 250 Medienvertreter, dazu knapp 2000 Zuschauer an der Strecke. Und im Fokus Schumacher, der siebenmalige Weltmeister und 91fache Grand-Prix-Gewinner. "Es ist schon ein bisschen schwierig", gestand Rosberg in einer kleineren Medienrunde, während die Vielzahl der Journalisten vor dem Mercedes-Zelt auf dessen Teamkollegen wartete. 100 Kameras seien auf Schumacher, eine auf ihn gerichtet, so der 24-Jährige der nach vier Jahren bei Williams nun auf seinen ersten Sieg wartet. "Ich muss lernen, dass das so ist", meinte Rosberg.

Er wird am Dienstag erstmal allein die weiteren Testrunden drehen. Mittwoch kommt dann Schumacher wieder zum Einsatz im neuen Silberpfeil. Neben Mercedes Grand Prix und Ferrari nutzen McLaren- Mercedes, Renault, Williams, Sauber und Toro Rosso die ersten offiziellen Testtage vor der Saison 2010: WM-Auftakt ist am 14. März in Bahrain. Und dann wird "Schumi" nicht minder Gas geben.

DPA/kbe


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