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Flotter Dreier (II): Seeschlacht England vs. Spanien

Sticht am Ende die Kumpel-Karte? Beim heißesten Formel-1-Finale aller Zeiten kommt es nicht nur auf die Rundenzeiten an, entscheidend wird auch sein: Wer lässt wen vorbei? Vor allem dann, wenn die großen Drei nicht unter sich bleiben. stern.de klärt auf, wer wen auf der Abschussliste hat.

Von Elmar Brümmer

Das Sprichwort überholt sich beim Finale in Brasilien: Viel Ehr, viel Feind. Die Körpersprache zwischen den großen Drei ist eindeutig, sie reduziert sich auf die Schulter. Vorzugsweise die kalte. Trifft sich das Trio wie so oft in diesem Jahr auf einer Siegerpressekonferenz, dann sind garantiert zwei dabei, die nur schmollen oder schweigen. Lewis wird im Zweifelsfall immer lächeln, aber zu sagen haben sie sich trotzdem nicht viel. Kreuzen sich nicht gerade die Ideallinien, gehen sie ihre eigenen Wege. Sie wollen Rennen gewinnen, nicht an Profil - und schon gar keine Freunde.

Beim Rechenexempel um den Punktestand kann der Kumpelfaktor unter Umständen entscheidend sein. Vor allem wenn sie nicht unter sich bleiben im Rennen. Wer lässt wen vorbei? Felipe Massa, als WM-Vierter chancenlos, kann bei seinem Heimspiel einen Gewissenskonflikt ansteuern. Für seine eigene Stellung bei Ferrari wäre es besser, wenn Kimi Räikkönen nicht Weltmeister wird. Verstößt er aber gegen das Prinzip der Stallorder, hat er ein noch schwereres Leben in der nächsten Saison. Hamilton und Alonso haben es da besser: Sie würden gegenseitig eher Räikkönen als dem jeweils anderen den Titel gönnen. So weit ist es schon mit der Selbstsucht.

Freund und Feind, das wird im Renntempo entschieden

Zwischen den McLaren-Piloten ist die Perspektive klar, die Herzlichkeit ist in etwa so groß wie sie es bei der Seeschlacht zwischen England und Spanien war. Ein bisschen Rücksichtnahme muss sein. Räumen sie sich gegenseitig von der Bahn, hilft das Räikkönen. Jeder der beiden hat ein paar Kumpels im Feld, die beim Überholen und Überrunden Sympathien zeigen könnten.

Zu den Hamilton-Freunden zählen die Aufsteiger Nico Rosberg, Robert Kubica und Adrian Sutil, in der Alonso-Fraktion versammeln sich eher die Etablierten wie Mark Webber oder Jenson Button, Räikkönen stützt sich auf die Neutralen wie Heikki Kovalainen oder Rubens Barrichello. Doch die Zuteilung der Sympathien hängt vor allem von der jeweiligen Vertragssituation ab: Wem würde es helfen, wenn Alonso bei McLaren-Mercedes bleibt (also als Weltmeister), wem schadet ein Wechsel? Ralf Schumacher beispielsweise bekommt eher dann sein Gnadenbrot in der Formel 1, wenn durch eine Alonso-Rückkehr zu Renault das Fahrer-Domino beginnt. Giancarlo Fisichella aber wäre in diesem Fall raus aus dem Spiel. Freund und Feind, das wird im Renntempo entschieden.

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