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Formel 1 Die Erkenntnisse der ersten Formel 1-Testwoche in Jerez


Während sich Lotus den Status des Geheimfavoriten erfuhr, standen bei Red Bull und Ferrari zu oft die Räder still. Es wurde getestet und gemessen, am Ende waren alle zufrieden, aber nicht gleichauf. Wir haben die ersten Erkenntnisse der neuen Saison.

Nach den ersten vier Testtagen des Jahres in der Formel 1 auf dem Circuito de Jerez tragen wir die Ergebnisse zusammen. Während bei Red Bull und Ferrari viel Frust und viel Lernen angesagt war, erlebte Lotus in Jerez de la Frontera eine brillante Woche und stieg zum Geheimfavoriten auf.

Dabei sollte man die Zeiten der Boliden nicht allzu ernst nehmen. Es wurde noch viel geschraubt, abgestimmt, gemessen und getestet. Dennoch gibt es Anzeichen dafür, wie weit die Teams in ihrem Prozess vorgedrungen sind. Hier unsere Wasserstandsmeldungen.

Team Ferrari: F2012

Der technische Direktor Pat Fry war nach den ersten drei Tagen alles andere als zufrieden. Doch am vierten Tag zeigte der neue Ferrari doch noch, dass man auf ein schnelles Auto hoffen darf. Fernando Alonso fuhr insgesamt die zweitbeste Zeit aller 2012-Boliden. Allerdings scheint das Team den F2012 noch lange nicht zu kennen. Die komplette Neuentwicklung ist zum Teil noch ein Mysterium. "Im Moment müssen wir noch daran arbeiten, das Auto zu verstehen. Bisher verstehen wir vielleicht 20 Prozent von dem, was wir verstehen müssen", so Fernando Alonso laut espnf1.com.

Es wurde viel an der Aerodynamik getestet. Letztlich ist das Fahrzeug noch lange nicht so zuverlässig, dass es die guten Rundenzeiten, die Alonso andeuten konnte, zuverlässig bringen kann. Mit nur 39 Runden drehte Alonsos Bolide die wenigsten Runden des letzten Testtages. Insgesamt waren es mit 270 Runden deutlich weniger, als bei der Konkurrenz. Felipe Massa sagte schon am Donnerstag laut bbc.co.uk treffend: "Das Auto braucht noch viel Arbeit.“

Red Bull: RB9

Sebastian Vettels neuer RB8 zeigte sich nicht von seiner besten Seite. Ein Elektrikproblem im Bereich des Motors legte das Dienstfahrzeug des Weltmeisters für fünf Stunden lahm. Schließlich musste der Renault-Motor getauscht werden. Die schnellste Runde des Jerez-Test für Vettel fuhr er allerdings schon am Donnerstag womit er im Gesamtklassement der ersten Testwoche nur auf dem 6. Rang (4. Rang der 2012-Boliden) liegt. "Die Probleme, die wir heute hatten, gehören zu Testfahrten dazu", so äußerte sich Vettel gelassen.

"Man nimmt ein komplexes Auto, stellt es zum ersten Mal auf die Strecke, und oft reicht eine Kleinigkeit, die schiefgeht, um das Programm durcheinander zu bringen. Jetzt verfrachten wir das Auto in einem Stück nach Hause, sehen uns alles genau an, zerlegen es und bauen es für den nächsten Test in Barcelona wieder zusammen. Alles in allem war es jedenfalls eine sehr positive Woche", so der Weltmeister.

McLaren Mercedes: MP4-27

Der MP4-27 scheint die Zuverlässigkeit in Person zu sein. Lewis Hamilton, der das Steuer am Donnerstag übernommen hatte, fuhr am letzten Testtag mit 86 absolvierten Runden doppelt viel, wie Fernando Alonso und Sebastian Vettel zusammen. In Sachen Speed lag man ungefähr auf dem Level von Sebastian Vettels Red Bull. Insgesamt landete Hamilton auf Rang sieben (5. Rang der 2012-Boliden), der schnellsten Autos der Jerez-Woche.

Es wurde viel probiert bei McLaren. Dabei standen verschiedene Punkte auf dem Programm. Es wurden Aerodynamik-Daten gesammelt, Setup-Arbeit betrieben und die Reifenmischungen von Pirelli getestet. "Mein erstes Gefühl ist ziemlich gut“, sagte Hamilton anschließend laut bbc.co.uk. "Es war ein harter Tag, wir mussten eine Menge Tests absolvieren, das lief alles sehr zufriedenstellend ab.“

Die anderen Teams

Die große Überraschung war Lotus-Fahrer Romain Grosjean. Sieht man mal von den 2011er Mercedes-Boliden ab, die die schnellste und drittschnellste Runde in Jerez hinlegten, waren Grosjean und der neue E20 die Superstars. Während der neue Silberpfeil von Michael Schumacher und Nico Rosberg derzeit im englischen Brackley noch fleißig zusammengeschraubt wird. "Wir sind im Aufholprozess und brauchen deshalb jeden Entwicklungstag", erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der dpa.

Den Prozess anführen, kann derzeit der Lotus-Renault E20. Der BBC-Formel 1-Experte Gary Anderson zeigte sich "beeindruckt“. Zugleich relativierte er die beste Rundenzeit unter den neuen Boliden durch den Lotus E20. "Natürlich hat er die Runde recht früh hingelegt und hatte nicht viel Benzin im Tank, aber es zeigt das Vertrauen ins Auto und er hat es richtig gut gemacht.“

"Der E20 war aus dem Stand heraus sofort zuverlässig", lobte Teamchef Eric Boullier laut motorsport-total.com. "Wir sind nicht in Jerez, um schnelle Rundenzeiten zu jagen, aber es ist natürlich immer ein gutes Zeichen, wenn man trotzdem schnell ist. Es ist aber noch früh. Melbourne findet in einem Monat statt - und erst dort werden wir wissen, wo wir stehen. Der E20 macht auf der Strecke einen guten Eindruck und ist sehr schön.“

Nach diesen ersten Lichtblicken wird Lotus schon als Geheimfavorit gehandelt. Grosjeans beschwichtigt: "Ich bin lieber vorne als hinten, das ist klar, aber wir sind vorsichtig, was die Pace angeht." Weitere Erkentnisse und weitere neue Autos werden wir dann vom 21. bis zum 24. Februar in Barcelona sehen, wenn die zweite Testwoche ansteht und der Prozess der Entwicklung und Anpassung der neuen Autos auf die Zielgerade in Richtung 18. März und Melbourne geht.

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