HOME

Testfahrten in Barcelona: Formel 1 steht Kopf

Es war der erste Höhepunkt der beginnenden Formel-1-Saison: Der Bolide des neuen Teams Brawn GP hat die rasende Konkurrenz bei den Testfahrten in Barcelona in Grund und Boden gefahren. Dafür rechnet sich das Weltmeisterteam von McLaren-Mercedes in den ersten Rennnen nicht zu den Favoriten.

"Wir haben noch viel Arbeit vor uns und müssen unser technisches Paket deutlich verbessern. Dieser Prozess benötigt Zeit - er kann bis zum Beginn der Europasaison dauern, vielleicht sogar länger", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, "es fehlt insgesamt an Abtrieb, das Auto verhält sich grundsätzlich nicht schlecht, wir sind aber derzeit eindeutig zu langsam."

Hoffnung für die letzten Tests

Nach der mageren Vorstellung beim einzigen Aufeinandertreffen aller Rivalen vor der Saison setzt das Team mit dem Stern nun seine Hoffnungen auf die anstehenden Tests in Jerez. "Dabei wollen wir uns steigern", sagt Haug, der seinen Optimismus noch nicht verloren hat: "Wir haben in der Vergangenheit gemeinsam Probleme gelöst, und das wird uns auch diesmal gelingen." Nichts zu tun habe die aktuelle Schwäche mit dem Abschied von Ron Dennis als McLaren-Teamchef. "Auf keinen Fall", sagt Haug.

Trotz aller Anstregnungen war Titelverteidiger Lewis Hamilton auf seiner schnellsten Runde in 1:20,869 Minuten fast zwei Sekunden langsamer als Rubens Barrichello, der in 1:18,926 als einziger Fahrer unter 1:19 Minuten blieb. Entsprechend europhorisch sagte Michael Schumachers früherer Ferrari-Teamkollege dem Internetportal formula1.com: "Ich glaube, dass wir die Überraschung des Jahres werden.

Massa lobt Brawn

Damit steht Barrichello nicht alleine da. "Vor Barcelona hatten wir eines der schnellsten Autos. Jetzt sind wir immer noch konkurrenzfähig, aber nur hinter Brawn. So eine Zeit hätte niemand hinbekommen. Brawn ist viel schneller als alle anderen", erklärte Ferrari-Pilot Felipe Massa und zog symbolisch seinen Hut vor dem Team, das erst in letzter Sekunde sein Überleben gesichert hatte.

"Superhirn" Ross Brawn, zwischen 1993 und 2004 bei Benetton und Ferrari an allen sieben WM-Titeln von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher beteiligt, kaufte als vorheriger Teamchef "seinen" alten Honda-Renstall. Mercedes erklärte sich bereit, die Motoren an das neue Brawn GP Formula One Team zu liefern. Zweiter Fahrer neben Barrichello ist der Brite Jenson Button, der am Vortag auf dem Circuit de Catalunya ebenfalls rund eine Sekunde vor dem schnellsten Konkurrenten gelegen hatte.

Rubens Barrichello wusste, wem der Dank gebührt. "Das Team hat hier an den vier Tagen einen fantastischen Job gemacht. Unser Auto ist aerodynamisch sehr stark. Es harmoniert gut mit dem Motor, was Leistung und Fahrbarkeit angeht. Es läuft mit viel Benzin gut, mit wenig Benzin - eigentlich mit allen Benzinmengen. Ich bin im Moment wirklich sehr glücklich", sagte der 36-Jährige, der bei der Besetzung der Cockpits wohl nur aufgrund seiner Erfahrung den Vorzug vor seinem jungen Landsmann Bruno Senna erhalten hatte.

Mit den vier Tagen von Barcelona im Kopf will es Barrichello nun wissen. Der neunmalige Grand-Prix-Sieger erklärte nahezu euphorisch: "Ich habe auf so eine Zeit schon ewig gewartet - genau genommen seit meinem Wechsel 2006 zu Honda -, auf ein Auto, mit dem ich so ein gutes Gefühl habe." Das sei zuletzt 2003 bei Ferrari gewesen. "Das war ein Mörderauto", so Barrichello.

Fernando Medialdea/SID / SID

Wissenscommunity