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Formel 1: Die Erkenntnisse nach dem GP von Ungarn

Mit einem spektakulären Rennen in Ungarn verabschiedete sich die Formel 1 in die Sommerpause. Sieger Jenson Button durfte sich ebenso freuen wie Sebastian Vettel, der seinen WM-Vorsprung vergrößerte. Verlierer war Lewis Hamilton. Wir tragen die letzten Erkenntnisse vor dem Beginn der entscheidenden Wochen zusammen.

Sebastian Vettel hat in Ungarn seine WM-Führung ausgebaut, obwohl er Jenson Button den Vortritt lassen musste. Der hatte bei schwierigen Bedingungen weit mehr Durchblick als sein McLaren-Kollege Lewis Hamilton, der den Sieg verspielte. So kann Vettel trotz der starken McLaren-Konkurrenz gelassen in den Urlaub fahren. Wir fassen die Erkenntnisse vor den Sommerferien zusammen. 

Red Bull hat nicht mehr das beste Auto

Die Dominanz von Red Bull in der ersten Saisonhälfte war erdrückend, sechs der ersten acht Rennen gewann Sebastian Vettel, zweimal wurde er Zweiter, jeweils hinter einem McLaren. Doch das ist vorbei. Die letzten drei Grand Prix' haben gezeigt, dass McLaren nicht nur aufgeholt hat, sondern inzwischen sogar das bessere Paket auf die Straße bringt als Red Bull.

Daran konnte auch die Nachtschicht der Vettel-Mechaniker in Ungarn und die darauf folgende Pole-Position des Titelverteidigers nichts ändern. Die war eher der fahrerischen Klasse Vettels, denn der Überlegenheit seines Autos geschuldet. Nicht umsonst gestand Teamkollege Mark Webber ein, dass Vettels Zeit für ihn außer Reichweite war. Der Australier wurde lediglich Sechster.

Im Rennen wurde das ebenfalls deutlich. Sowohl auf Intermediates als auch mit weichen Reifen konnte Vettel das Tempo der McLaren nicht mitgehen und musste das neidlos anerkennen. "Ein Plus ist, dass wir schneller waren als letztes Wochenende. Aber Ferrari und speziell McLaren haben einen Schritt nach vorn gemacht. Wir haben nicht mehr das schnellste Auto. Das gefällt uns nicht", erklärte der Weltmeister.

Vettel verteidigt trotzdem den Titel

Acht Rennen sind noch zu fahren und bei noch maximal 200 zu erringenden Punkten ist es natürlich voreilig, Sebastian Vettel jetzt schon zum Weltmeister zu küren. Aber wer soll den Titel sonst gewinnen? Auch wenn es zuletzt nicht mehr optimal lief, die Bilanz des Titelverteidigers ist beeindruckend. Sechs Siege, vier zweite Plätze, ein vierter Rang und kein Ausfall - Vettel ist, anders als im letzten Jahr, ein Muster an Konstanz.

2010 gewann Vettel den Titel, obwohl er fatale Fehler machte. Der Crash mit Jenson Button in Spa, die Kollision mit Teamkollege Mark Webber in der Türkei oder die Durchfahrtsstrafe in Ungarn, die er sich in Führung liegend in einer Safety-Car-Phase einhandelte, seien beispielhaft erwähnt. Inzwischen ist aus dem jugendlichen Heißsporn ein abgebrühter Rennfahrer geworden, der nicht mehr um jeden Preis siegen muss, sondern auch mal sichere Punkte mitnimmt.

Auch wenn ihm das nicht immer gefällt, wie Vettel in Ungarn zugab. "Ich bin natürlich zufrieden mit dem zweiten Platz, was die Punktesituation angeht. Aber ich bin nicht ganz glücklich. Es nagt ein bisschen, weil ich das Gefühl hatte, das Rennen gewinnen zu können", erklärte der Red Bull-Pilot. Dabei braucht er den Sieg gar nicht zwingend, denn wer in drei schwächeren Rennen immer noch zweimal Zweiter und einmal Vierter wird, der muss sich um die Titelverteidigung keine Sorgen machen, zumal wenn es in diesen Rennen drei verschiedene Sieger gibt und sich die Verfolger auch in den kommenden Rennen gegenseitig die Punkte abnehmen werden.

Hamilton schlägt sich selbst

Lewis Hamilton ist ohne Zweifel ein begnadeter Rennfahrer, aber immer wieder steht sich der Brite selbst im Weg. So auch in Ungarn, wo der McLaren-Pilot die meisten Führungsrunden drehte und eigentlich klar der schnellste Mann im Feld war. Eine Verkettung von Fehlern und falschen Entscheidungen kostete ihn schließlich den Sieg.

Es begann eher harmlos mit der Strategie von vier Boxenstopps, die sich später als ungünstig erweisen sollte. Während Vettel und Button beim dritten Turn harte Gummis bekamen, ließ Hamilton die weiche Mischung aufziehen. Ein weiterer Stopp war damit vorprogrammiert. Rennentscheidend wurde jedoch ein anderer Fauxpas.

Als schließlich ganz leichter Regen einsetzte, drehte sich Hamilton erst, zwang dann Paul di Resta mit einem riskanten Manöver in die Wiese und entschied sich danach mit seinem Team für Intermediates. Nach zwei Runden beendete Hamilton das Experiment und holte sich harte Reifen ab. Es folgte noch die Durchfahrtsstrafe und plötzlich war er nur noch Sechster. Wie viel möglich gewesen wäre, zeigte die Tatsache, dass er in kürzester Zeit noch auf Platz vier vorfuhr.

Ein schwacher Trost, denn Hamilton lässt einfach zu viele Punkte liegen. In Montreal endete ein missglücktes Überholmanöver in einem Crash mit Teamkollege Jenson Button. "Was macht er denn?", schrie Button damals im Funk, als Hamilton neben ihm aufgetaucht war. Hamilton schied aus, Button gewann noch das Rennen. Das schlimmste Wochenende seiner Karriere erlebte Hamilton in Monaco.

Nach insgesamt drei Strafen in Qualifikation und Rennen sowie zwei Unfällen mit Felipe Massa und Pastor Maldonada ging er komplett leer aus. Es folgten verbale Aussetzer und eine Entschuldigung, die ihn vor einer Sperre bewahrte. Würde Hamilton bisweilen ein bisschen cleverer agieren und häufiger die richtige Entscheidung in brenzligen Situationen treffen, dann würde sein Rückstand auf Vettel wohl nicht 92 Punkte betragen und die WM wäre um einiges spannender.

Jenson Button liebt das Chaos

Ginge es nach Jenson Button, dann dürfte es wahrscheinlich bei jedem Formel 1-Rennen regnen. Je schwieriger die Bedingungen und je unübersichtlicher die Rennsituation, desto bester kommt der 31-Jährige zurecht. Er mag nicht den besten Speed haben und auch nicht der spektakulärste Fahrer sein, aber er hat Geduld und behält auch bei chaotischen Rennen den Überblick. Wenn dann die anderen patzen, ist Button zur Stelle.

In Montreal war er bei sintflutartigem Regen nach fünf Stopps und einer Durchfahrtsstrafe zwischenzeitlich Letzter und schnappte schließlich Sebastian Vettel in der letzten Runde noch den Sieg vor der Nase weg. Ganz so dramatisch war das Rennen in Ungarn nicht, doch wieder schlug Button in den richtigen Momenten zu.

Vettel überholte er auf der Strecke und bei Hamilton reichte es, auf den Fehler zu warten. Dazu kamen stets die richtigen Entscheidungen bei der Reifenwahl und schon war der Sieg perfekt. Bei Red Bull wurde das wohlwollend registriert. "Wenn man die Red-Bull-Fahrer auslässt, war Jenson derjenige, den wir uns als Sieger gewünscht hätten", erklärt Christian Horner bei motorsport-total.com. Als WM-Fünfter liegt der Weltmeister von 2009 nun 100 Punkte hinter Vettel und ist eine geringere Gefahr als Hamilton oder Fernando Alonso.

Lars Ahrens

sportal.de / sportal

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