Formel 1 Ferrari und Fisichella al dente


Italienischer Triumph in Spa: Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen hat den Großen Preis von Belgien gewonnen. Giancarlo Fisichella kam auf Rang zwei. Auch ein deutscher Pilot hatte Grund zum Jubeln. Von Elmar Brümmer, Spa-Francorchamps

Das letzte Drittel der Formel-1-Weltmeisterschaft 2009 beginnt mit großen Comebacks: Kimi Räikkönen steht beim Großen Preis von Belgien zum ersten Mal seit Mai 2008 wieder auf der obersten Stufe des Podestes, für seine Scuderia Ferrari ist es der erste Sieg in dieser Saison. Die alte Renn-Weisheit, dass der zweite der erste Verlierer ist, wird in diesem Fall entkräftet: Giancarlo Fisichella, der sich mit seinem Force-India-Mercedes vorzugsweise in der letzten Startreihe und den hinteren Regionen des Feldes bewegt, hatte sich auf die Pole-Position katapultiert, und fuhr 44 Runden auf Ferrari-Niveau. Er hätte gewinnen können, wenn der Ferrari nicht 80 Zusatz-PS durch das Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS gehabt hätte. Aller glücklichen Achterbahn-Fahrer sind drei: Sebastian Vettel hat sich nach zwei Ausfällen in Folge mit dem Red-Bull-Renault als Dritter im Rennen und der Gesamtwertung zurückgemeldet. Als einziger des Spitzenquartetts konnte er richtig punkten.

Für den Kapriolen-Grand-Prix in den ungewöhnlich sonnigen Ardennen gibt es bislang wenig technische Erklärungen, nach dem Qualifikationsergebnis hatte sogar der Toyota erstmals Siegchancen. Die Plätze vier und fünf für Robert Kubica und Nick Heidfeld bescheren dem scheidenden BMW-Werksteam in einem Großen Preis so viele WM-Punkte wie in der ganzen Saison zuvor. "Vielleicht sehen jetzt potenzielle Käufer, dass wir ein richtig gutes Team sind", meint Heidfeld zur ungewissen Zukunft. Zur rechten Zeit entpuppt sich die Formel 1 als Wundertüte, dass WM-Spitzenreiter in der fünften Kurve gleich unsanft aus dem Rennen gerempelt wurde, macht das Titelrennen zusätzlich spannend. Zum sechsten Mal in Folge hat jetzt ein anderer Pilot gewonnen. Button hat bei noch fünf ausstehenden WM-Läufen 16 Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Rubens Barrichello und 19 auf Sebastian Vettel. "Nach zwei Ausfällen in Folge ist es gut, wieder ins Ziel zu kommen. Wir haben bewiesen, dass wir wieder zurück sind", freut sich der Heppenheimer, "ich schau nach vorne, da ist noch alles drin."

Vor allem für Force India kommt die sportliche Sensation, die zum Großteil auf den von Mercedes geleasten Motor und die von McLaren entwickelten aerodynamischen Teile zurückzuführen ist, zur rechten Zeit. Die Gerüchte, das Team des indischen Milliardärs Vijay Mallya sei finanziell klamm, erhielten im Fahrerlager von Spa neue Nahrung. Der mehrstöckige Luxustempel, in dem der Fluglinien- und Brauereibesitzer sonst standesgemäß residiert, reiste nicht an. Stattdessen stand dort ein billig wirkender Flachbau. Offizielle Begründung waren "Logistikprobleme", aber schon am Nürburgring war bei den rasenden Indern gepfändet worden. Der ewig Sonnenbrille tragenden Boss mit Brilli im Ohr will sich den historischen Erfolg nicht kaputtreden lassen: "Es ist ein wunderschöner Moment, besser kann es nicht laufen. Ich hoffe, dass die Erfolgsstory weiter geht. Indien ist stolz auf uns."

Der Sieger quittierte seinen Erfolg mit seiner gewohnt unterkühlten Freude: "Der Champagner schmeckt gleich, ob man Erster oder Zweiter wird." Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hatte mehr mit den Fragen zu tun, wer in zwei Wochen beim Großen Preis von Italien den zweiten roten Rennwagen fährt, als mit Gratulationen.

Massa-Schumi-Ersatz Luca Badoer kam erneut als Letzter ins Ziel. Heißester Kandidat für eine Auswechslung bleibt - jetzt erst Recht - Giancarlo Fisichella, denn ein Italiener sollte es schon sein. Für die Seele. Ferraris Boxenmanager lobt den 36-Jährigen: "Fisichella ist fantastisch gefahren, hat von der ersten bis zur letzten Runde Druck gemacht." Zum möglichen Wechsel zur Scuderia sagt er nur: "Das ist jetzt kein Thema." Aber für einen rasenden Themenwechsel ist diese Saison wie prädestiniert.


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