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Formel 1: Unfall-Skandal - Renault droht Totalschaden

Fahrer-Roulette bei Ferrari, Ermittlungen gegen Renault und Bernie Ecclestone in Angst: Die Formel 1 dreht im Titel-Endspurt 2009 mächtig am Rad. Felipe Massa kann hingegen aufatmen. Nach seinem schweren Unfall wird er in der nächsten Saison wieder hinter dem Ferrari-Steuer sitzen.

Im Formel-1-Blickpunkt steht derzeit vor allem der Unfall-Skandal von Singapur 2008. Sollte sich herausstellen, dass das Nachtrennen durch einen absichtlichen Crash manipuliert worden ist, drohen der Königsklasse ein Milliardenverlust und der Ausstieg weiterer Teams. "Das ist nicht gut für den Sport. Das ist nicht gerade die Geschichte, die wir im Augenblick brauchen", sagte Ecclestone der Londoner Times. Der Automobil-Weltverband Fia will die Vorwürfe überprüfen und den Rennverlauf von Singapur 2008 offenbar noch einmal komplett neu aufrollen. Die Fia nannte bisher aber weder das Rennen noch das betroffene Team. Es werde ermittelt, hieß es dazu nur aus der Verbandszentrale in Paris.

Für Ecclestone ist allerdings schon klar, welcher Rennstall am Pranger steht. "Das wird Renault zunächst mal ziemlich verärgern", sagt der 78-Jährige und äußert zugleich große Sorgen um die Zukunft der Formel 1: "Sicher steht die Gefahr im Raum, dass sie den Sport verlassen. Ich kann deshalb nur hoffen, dass es sich nicht so verhält." Ecclestone hat inzwischen Renault-Teamchef Flavio Briatore zur Rede gestellt. "Flavio hat mir gesagt, dass er nichts darüber weiß", sagte der Brite. Doch die Zweifel bleiben. Ecclestone: "Für mich hört sich das alles sehr seltsam an, aber die Wahrheit kenne ich nicht."

Die Angst, dass in der Formel 1 Rennen manipuliert wird, ist groß. Man habe schon von solchen Dingen gehört, die rund um Jockeys und im Fußball passiert sind, meint Ecclestone. Und dies habe immer zu Problemen geführt. "Die Leute scheinen Geld auszugeben, um auf die Formel 1 zu wetten. Sie werden das aber sicherlich nicht tun, wenn sie denken, dass mit dem Ergebnis irgendetwas nicht stimmt", sagt Ecclestone. Deshalb müsse die Fia sich alles ganz genau anschauen. Im Zentrum aller Spekulationen steht der Unfall des inzwischen entlassenen Renault-Piloten Nelson Piquet junior beim Rennen am 28. September 2008 in Singapur. Der Brasilianer krachte mit dem Renault genau in dem Moment in die Mauer, in dem sein Teamkollege Fernando Alonso frisch aufgetankt aus der Boxengasse fuhr. Der Spanier war als einziger Pilot vor der Safety-Car-Phase zum Nachtanken in die Box gefahren. Alonso gewann schließlich das Rennen und war selbst völlig baff: "Ich kann es nicht glauben."

Ferrari pokert: Fisichella, Kubica oder Alonso

Ganz andere Sorgen hat derzeit Ferrari. Nachdem der Rennstall humorvoll auf der eigenen Homepage schon die Namen von 21 möglichen Kandidaten für das Heimrennen am 13. September in Monza gehandelt hat, drehen jetzt die italienischen Medien am Fahrerkarussell. Nach Giancarlo Fisichella (Italien) und Fernando Alonso (Spanien) brachte die "Gazzetta dello Sport" am Dienstag den Polen Robert Kubica ins Spiel. "Nun ist Robert Kubica auf der Pole Position für den Ferrari in Monza", mutmaßte die Sportzeitung. Einen Beleg für diese Spekulation lieferte die "Gazzetta" nicht mit. Kubica steht bis zum Saisonende bei BMW-Sauber unter Vertrag. In München schüttelte man den Kopf über das Gerücht aus Italien. "Alles nur Spekulation, das ist absolut kein Thema", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

Auch das Tauziehen um Fisichella, der noch immer als heißester Kandidat auf das Ferrari-Cockpit gehandelt wird, geht munter weiter. Force-India-Teamchef Vijay Mallya will seinen Piloten aber offenbar nicht wechseln lassen. "Fisico" werde in Monza nicht für Ferrari fahren, sagte der indische Milliardär. Fisichella soll italienischen Medien zufolge den viel zu langsamen Ferrari-Ersatzfahrer Luca Badoer ablösen. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hatte eine Entscheidung in der Fahrerfrage für Mittwoch oder Donnerstag dieser Woche angekündigt. Der 38 Jahre alte Badoer, der bei Ferrari den verletzten Felipe Massa ersetzt, war bei seinen beiden Einsätzen in Valencia und Spa nur als Letzter ins Ziel gekommen.

Fisichellas Chancen sind am Dienstag aber gestiegen, denn Massa wird in dieser Saison kein Rennen mehr fahren. Das teilte Ferrari mit, nachdem der Brasilianer von Spezialisten in einer Klinik in Miami/Florida nochmal gründlich untersucht worden war. "Maranello begrüßt die Ergebnisse dieser Untersuchung auf das Herzlichste", heißt es auf der Homepage des Rennstalls (www.ferrari.com): "Das Team kann darauf zählen, dass Felipe zum Start der neuen Saison wieder zu einhundert Prozent bereit sein wird." Fisichella hatte zuletzt in Spa sensationell hinter dem Finnen Kimi Räikkönen im Ferrari Rang zwei belegt und die ersten Punkte für Force India in der Formel 1 überhaupt eingefahren. Der 36-jährige Italiener steht bis zum Saisonende bei Force India unter Vertrag. Er könnte aber für eine entsprechende Ablösesumme das Team sicher verlassen.

In den kommenden Tagen muss er sich allerdings noch einem Eingriff unterziehen. Danach will er nach weiteren Tagen Erholung mit dem ersten Fitnesstraining beginnen, "was schon ein großer Schritt ist", betonte Massa. Anschließend will der Mann aus Sao Paulo erste Runden im Kart drehen.

Wer in seinem F60 beim Ferrari-Heimrennen am 13. September in Monza Platz nehmen darf, will der Rennstall bis diesen Mittwoch entscheiden. Neben Kubica galt bislang immer Giancarlo Fisichella, sensationeller Zweiter zuletzt beim Großen Preis von Belgien, vom Team Force India als aussichtsreichster Kandidat, nachdem Ferraris Ersatzfahrer Badoer bei seinen beiden Versuchen enttäuscht hatte.

Angesichts der guten Nachrichten von Massa, die man mit "großer Freude und Zufriedenheit" in Maranello aufnahm, könnte es im Kampf um die Cockpits im kommenden Jahr allerdings eng werden. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass der Wechsel von Fernando Alonso von Renault zu den "Roten" bereits beschlossene Sache sei. Kimi Räikkönen hat aber ebenfalls einen gültigen Kontrakt und zuletzt wieder eindrucksvoll zu alter Stärke zurückgefunden. "Räikkönen schien Ferrari verlassen zu müssen, aber nun fährt er wieder stark und erschreckt Alonso", meinte daher der "Corriere dello Sport".

Jens Marx/DPA / DPA

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