Formel 1 Gestern Mauer, morgen Cockpit


BMW-Pilot Robert Kubica, der den Horrorcrash von Montreal wie durch ein Wunder nahezu unverletzt überstand, will bereits am Sonntag beim GP der USA wieder im Cockpit sitzen. Ärzte warnen allerdings vor einer verfrühten Rückkehr des Piloten auf die Rennpiste.

Grünes Licht für Robert Kubica: BMW hat dem Polen nur drei Tage nach dem Horror-Unfall von Montréal die Fahrerlaubnis für das Formel-1-Rennen am Sonntag in Indianapolis erteilt. "Wir wünschen uns alle, dass er zum Einsatz kommt", erklärte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Mittwoch. "Am liebsten wäre mir, das Unfallerlebnis verblasst für uns alle ganz schnell hinter einem guten Rennen."

Allerdings muss Kubica vor dem Großen Preis der USA noch den Medizin-Check des Weltverbandes Fia an diesem Donnerstag über sich ergehen lassen. Die Ärzte können den 22-Jährigen noch aus dem Verkehr ziehen. Der frühere Formel-1-Arzt Sid Watkins warnt bereits: "Bei so einem Crash bekommen Körper und Kopf immer was ab. Wenn du dann kurz darauf einen weiteren Unfall hast, kann es gefährlich werden." "Falls Robert nicht fahren kann, sind wir gerüstet", sagte Theissen. Sebastian Vettel oder Timo Glock würden dann den zweiten BMW neben Nick Heidfeld fahren.

Keine Nachwirkungen des Unfalls

Der neue Rennwagen für Kubica für den Grand Prix am Sonntag (19.00 Uhr/RTL und Premiere) ist schon fast fertig. BMW hatte vor dem Doppel-Pack in Nordamerika nichts dem Zufall überlassen und neben dem T-Car noch ein weiteres Ersatzchassis dabei. "Dieses Chassis F1.07-03 wird nun das zweite Rennchassis. Wir haben mit dem Fahrzeugaufbau bereits am Sonntag in Kanada begonnen, das Auto wird in Indianapolis fertig gestellt", beschrieb Theissen die Arbeit der letzten Tage. Während Vettel und Glock schon in Indy waren, wurde der verunglückte Kubica in Montréal gepflegt. Ehe er zum US-Grand-Prix flog, bedankte er sich noch einmal im Krankenhaus, verteilte seine Käppis mit Autogramm. "Es ist schön, dass Robert keine Nachwirkungen des Unfalls spürt", sagte Theissen.

Das völlig zerstörte Chassis F1.07-07 des Kubica-Wagens wurde in die Schweiz geflogen und wird nun in der Fabrik in Hinwil untersucht. "Das vorhandene Schadensbild gibt uns Informationen, um unsere Berechnungen weiter zu verfeinern und künftige Monocoque- Konstruktionen weiter zu verbessern", sagte Theissen. Der Alltag in der Formel 1 und im Besonderen bei BMW kehrt langsam wieder ein. Der Münchner Rennstall will die Leistung von Montréal mit dem zweiten Platz von Nick Heidfeld hinter Senkrechtstarter Lewis Hamilton im Silberpfeil beim US-Grand-Prix bestätigen.

Theissen hochzufrieden mit den BMW-Resultaten

"Ich bin wirklich stolz auf diese Mannschaft. Nick hat diesen zweiten Platz ja nicht abgestaubt. Er war einfach schneller als ein McLaren und schneller als beide Ferrari", sagte Theissen. "Unsere Formkurve zeigt nach oben. Nach sechs Rennen haben wir schon zwei Punkte mehr gesammelt als in der gesamten Saison 2006. Wir haben unser Saisonziel in Montréal erstmals erreicht. Es war das bisher beste Einzelresultat für unser Team. Aber es soll nicht der letzte Podiumsplatz bleiben", ergänzte Theissen.

DPA/kbe


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