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Formel 1-Kolumne: Aufständische sorgen für Zündstoff

Was die Fußball-Bundesliga erst zum Saisonende schafft, gelingt der Formel 1 vom Start weg: Hochspannung pur, nicht nur weil gleich drei Piloten punktgleich an der WM-Spitze liegen. Die Erinnerung an Michael Schumacher verblasst bereits.

Von Elmar Brümmer

Michael Schumacher, wer war das noch gleich? Keiner hätte gedacht, dass der Ruhm des Rekord-Weltmeisters schon verblasst, ehe die Formel-1-Karawane überhaupt Europa erreicht. Aber die frischen Gesichter tun dem Geschehen gut, das ewige Hin-und-Her an der Spitze macht sogar Fernsehübertragungen wieder erträglich. Und einen Großteil der Spannung ist den Aufständischen zuzuschreiben. Denn in allen drei Top-Teams, zu denen man neben Ferrari und McLaren endgültig auch BMW zählen darf, wachsen die Zweitbesetzungen langsam (ein Wort, das dem Tempo nicht ganz gerecht wird), über sich hinaus.

Kimi Räikkönen, immerhin der Drittplatzierte von Bahrain, musste gar nichts sagen, tut er ja sonst auch eher selten. Die Mundwinkel sprachen Bände: Dass er Felipe Massa nach der Pole-Position auch den Sieg überlassen musste, mochte ja noch halbwegs erträglich sein. Dass er aber an Lewis Hamilton nicht dauerhaft vorbeikam, ließ die Contenance des Ice-Mans schmelzen. Räikkönen, als Schumi-Nachfolger geholt und entsprechend bezahlt, sieht den Brasilianer als wichtigsten Konkurrenten. Und Massa brüllte über Funk nicht nur ein "fantastico" an die Ferrari-Box, sondern auch den Kommentar: "Diesen Sieg habe ich gebraucht." Nach dem Pannen-Rennen von Malaysia hat der Brasilianer reichlich Boden um den Kampf der Sympathien im Team gut gemacht.

Hamilton mit cleverer Tanktaktik

Genau das muss Fernando Alonso bei seinem im Mai anstehenden Heim-Grand-Prix in Barcelona auch schaffen. Lewis Hamilton, das Ziehkind von McLaren-Boss Ron Dennis, stiehlt dem amtierenden Weltmeister die Schau und das Image. Dass ihm eher die nicht ganz perfekte Fahrzeugabstimmung als die eigene Fahrweise das Rennen ruinierte, registriert die breite Öffentlichkeit nicht. Sie sieht nur, dass Hamilton mit der clevereren Tanktaktik am Ende doch wieder vor Räikkönen landete, und dass sich Alonso Nick Heidfeld geschlagen geben musste.

Apropos Heidfeld: Der galt im letzten Winter sogar von der BMW-Führung als abgeschrieben, hat sich aber analog zum veränderten Aussehen - Mehrtages-Bart und Paris-Hilton-Sonnenbrille - auch auf der Piste einen völlig neuen Auftritt verschafft. Sein Hattrick mit drei vierten Plätzen in Folge und die jeweils bessere Qualifikations-Position setzen seinem internen Rivalen Robert Kubica mächtig zu. Ein Kampf um die Zukunft im weiß-blauen Rennstall, der unerbittlich geführt wird. Beim letzten Rennen in Malaysia waren die beiden BMW-Fahrer sogar kollidiert. Diesmal spurtete Heidfeld davon. Der Mönchengladbacher vertraut sich, er vertraut dem Auto – so schaffen Rennfahrer die Trend-Wende.

Die Renn-Welt ist auf den Kopf gestellt

Die Renn-Welt ist momentan auf den Kopf gestellt, in diesen Zweikämpfen steckt viel Zündstoff. Sie werden darüber entscheiden, wie sich das erste Jahr nach Schumi weiter entwickelt. Eine Prognose, die nicht besonders gewagt erscheint: Es bleibt spannend, solange sich jeder in den Top-Teams selbst der Nächste ist.

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