Formel 1 Mosley will "Angriff der Dissidenten" trotzen


Der Streit in der Formel 1 wächst sich zur Dauerfehde aus: Hieß es gerade noch, Fia-Präsident Max Mosley denke über einen Rückzug nach, überlegt sich der Brite jetzt doch wieder eine Kandidatur für eine erneute Amtszeit. Mosley will dem Druck der Team-Vereinigung Fota auf keinem Fall weichen.

Die Hoffnung auf einen Formel-1-Frieden in letzter Sekunde hat einen weiteren schweren Dämpfer erhalten: Allein dem Druck der rebellierenden Teams will Max Mosley nicht weichen. In einem Brief an die Fia-Mitglieder hat der umstrittene Präsident unmittelbar vor der Weltratssitzung erklärt, seine vor einem Jahr erklärte Rücktrittsabsicht wegen des Streits mit der Teamvereinigung Fota überdenken zu müssen. "Es liegt einzig und alleine an den Mitgliedern der Fia, ihre Führung auf demokratische Art und Weise zu wählen - und keinesfalls an der Automobilindustrie und noch viel weniger an den Personen, die von der Industrie mit der Leitung der Rennteams beauftragt worden sind", zitiert "autosport.com" am Dienstag aus dem Mosley-Brief.

"In den vergangenen Wochen wurde zunehmend klar, dass eines der Ziele der Dissidenten-Teams ist, dass ich als Präsident zurücktrete", schrieb Mosley. "Ich muss nun überlegen, ob meine ursprüngliche Entscheidung, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen, tatsächlich die Richtige war", erklärte er mit Verweis auf das Mandat, das ihm von den Mitgliedsverbänden übertragen worden war. Eine Vertrauensabstimmung hatte er nach der Sex-Videoaffäre mit deutlicher Mehrheit im Juni 2008 für sich entschieden.

Das Gezerre dauert an

Selbst einen Tag vor der Sitzung des 26-köpfigen Weltrats ging es hin und her. Nach Informationen der "Times" könnte Mosley auf eine erneute Kandidatur verzichten. Voraussetzung dafür: Der seit 1991 "regierende" Mosley fühlt sich von den Rebellen der Teamvereinigung Fota nicht mehr attackiert. Entscheidend dürfte daher die mögliche Rede von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sein - Gegner Nummer eins, und das nicht erst nach Mosleys These, dass die Formel 1 auch ohne die Marke aus Maranello überleben könne.

Bremst sich der heißblütige Italiener, gibt die Scuderia vielleicht doch auch im kommenden Jahr in einer WM der Fia Gas. Sollte der nationale Verbandschef Italiens, Luigi Macaluso, aber sogar die Misstrauensfrage gegen Mosley beantragen, wird der Fia-Chef - in bekannter Manier - mit Trotz reagieren.

Angriffe der Dissidenten

Kein Präsident könne sich erlauben, die Angriffe der "Dissidenten- Teams" unbeantwortet zu lassen, schrieb Mosley in seinem Brief an die insgesamt 222 Fia-Mitglieder. Nachdem der Jurist am Sonntag von den via Fia-Mitteilung zuvor angekündigten rechtlichen Schritten gegen die abtrünnigen acht in der Fota vereinten Teams Ferrari, McLaren- Mercedes, BMW-Sauber, BrawnGP, Renault, Toyota, Red Bull und Toro Rosso wieder Abstand genommen hatte, meinte er nun, dass die Fia diese vorbereite, um ihre Rechte an der WM zu wahren.

"Dies ist ein Angriff auf das Recht der Fia, die Formel-1- Weltmeisterschaft zu regulieren, aber, schlimmer noch, es ist eine vollständig ungerechtfertigte Kritik und eine direkte Herausforderung der Struktur und Zwecke der Fia", befand Mosley in dem Schreiben. Die jetzige Diskussion habe sich an dem Versuch der Fia entzündet, die Kosten einzudämmen.

Auch die Teams wollen sparen

Allerdings: Auch die Teams wollen sparen. Unterschiedlich ist lediglich der Weg. Mosley will, vor allem um neue Teams anzulocken, eine Budgetobergrenze von 45 Millionen Euro. Dass die Fia aber mit der Einführung des Energierückgewinnungssystem Kers und sämtlichen Regelreformen vor der laufenden Saison schon tief in die Tasche greifen ließen, bleibt unerwähnt.

Die Rennställe selbst setzen auf eine schrittweise Reduzierung der Kosten, nicht aber auf einen Radikalkurs á la Mosley. Unzählige Treffen, ob am Londoner Flughafen Heathrow oder an diversen Rennstrecken dieser Welt, blieben ergebnislos. Von Woche zu Woche verhärteten sich die Fronten, ehe der Konflikt mit der Ankündigung einer eigenen Rennserie der Fota-Teams gipfelte.

"Ohne die unabhängigen Teams hinge die WM gänzlich von den Automobilherstellern ab, die, natürlich, schon immer gekommen und gegangen sind, wie es ihnen passte", meinte Mosley in seinem Brief, der wohl auch als klares Werben für ein mögliches Vertrauensvotum verstanden werden kann. Dass aber allen voran Wortführer Ferrari seit Beginn der Formel-1-WM der Fia 1950 mit an Bord ist, unterschlug Mosley. Wie lange sich potenzielle Neueinsteiger USF1, Epsilon Euskadi oder Campos halten können, ist indes offen. So wie der Ausgang des neuerlichen Showdowns an der Seine.

Von Jens Marx/DPA DPA

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