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Formel-1-Reifenstreit eskaliert: Dunkle Wolken über Rosbergs Triumph

Die geheimen Reifentests von Mercedes überschatten den Triumph von Nico Rosberg in Monaco. Die Konkurrenz tobt - und verlangt Konsequenzen.

Über dem glanzvollen Premierensieg von Nico Rosberg beim Formel-1-Klassiker in Monaco lagen dunkle Wolken. Der Rennstall Mercedes hat durch einen geheimen dreitägigen Reifentest (15. bis 17. Mai) die Fronten im Dauerzoff um die sensiblen Gummis verhärtet und sich selbst zur Zielscheibe gemacht. "Kein Kommentar", sagte Renngewinner Rosberg - das einzige Mal, dass sich seine Miene am Sonntag zum Abschluss eines perfekten Wochenendes verfinsterte. "Das ist eine Farce", wütete Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko - bekannt für deutliche Worte.

Das Weltmeister-Team legte Protest ein, nachdem die Silberpfeile zwischen den WM-Läufen in Spanien und Monaco 1000 Kilometer und damit rund drei Renndistanzen auf dem Grand-Prix-Kurs bei Barcelona absolviert hatten. Und das im aktuellen Rennwagen. "Das ist gegen die Regeln", sagte Teamchef Christian Horner in Monte Carlo. Auch Ferrari reagierte. "Ein Protest ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Das ist nichts Persönliches gegen Mercedes", sagte Teamchef Stefano Domenicali dem Bezahlsender Sky. Unmittelbar nach dem Großen Preis von Monaco wurden Mercedes, Pirelli sowie die Ankläger Red Bull und Ferrari zu den Rennkommissaren bestellt.

Mercedes: Niemand kann uns den Monaco-Sieg nehmen

Die Antwort aus dem Lager der Silbernen kam aber schon vorher. "Einige schreien jetzt laut. Es ist schade, dass man nicht anerkennt, was wir leisten", sagte Marko-Landsmann Toto Wolff. Der neue Mercedes-Motorsportchef legte noch in Richtung Red Bull nach: "Wir müssen hinnehmen, von einem dreifachen Weltmeister angezündet zu werden."

Nach dem Rosberg-Erfolg ärgerte er sich bei einer Presserunde im Motorhome vom Mercedes über das Gerede "um geheime Tests, die keine geheimen Tests waren", und dass der Rosberg-Sieg fast in den Hintergrund trete. "Ich weiß nicht, warum das immer in den Dreck gezogen wird", meinte Wolff, aber "nichts und niemand kann uns diesen Sieg nehmen". Die Bestätigung dafür kam dann auch drei Stunden nach Rennenende, als der Internationale Automobilverband das Ergebnis des 6. WM-Laufs für offiziell erklärte.

Pirellis seit Monaten leidgeprüfter Motorsportchef Paul Hembery und die Silberpfeil-Verantwortlichen erklärten einhellig, dass es sich zu 90 Prozent um Tests der Reifen für 2014 gehandelt habe. Die Initiative für den Test kam vom Reifenhersteller. Dass in der restlichen Zeit die für das nächste Rennen in Kanada vorgesehenen, überarbeiteten Reifen zum Einsatz gekommen sind, soll Mercedes nicht gewusst haben. Gleichwohl liefern 1000 Kilometer, die Rosberg und Teamkollege Lewis Hamilton auf dem äußerst reifenanfälligen F1 W04 des deutschen Autobauers absolvierten, wichtige Daten.

Red Bull soll Testangebot abgelehnt haben

Pirelli habe einen Vertrag, demzufolge man diese 1000 Kilometer pro Team und Jahr testen dürfe, teilte der Hersteller auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Auch Ferrari soll angeblich davon Gebrauch gemacht haben, allerdings in einem älteren Modell. Denn: Neben den offiziellen und vor allem beschränkten Testfahrten mit den aktuellen Autos auf aktuellen Reifen sind derartige Runden eigentlich verboten. Red Bull soll daher dankend abgelehnt haben.

Mercedes soll sich nach Angaben von Teamaufsichtsratschef Niki Lauda bei Rennleiter Charlie Whiting unterdessen rückversichert haben. "Charlie hat sich bei Fia-Anwälten abgesichert und gab uns dann grünes Licht", wurde Lauda von "auto, motor und sport.de"

Jens Marx/DPA / DPA

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