FORMEL 1 Schumi: Titel schon in Ungarn?


Formel 1 kurios: Michael Schumacher konnte die Niederlage von Silverstone wie einen Sieg genießen: Sein letzter Konkurrent David Coulthard ist praktisch aus dem Titelrennen.

Formel-1 kurios: Michael Schumacher konnte die Niederlage von Silverstone eigentlich wie einen Sieg genießen. Sein letzter Konkurrent David Coulthard ist praktisch aus dem Titelrennen; für McLaren-Mercedes stellte Mika Häkkinens erlösender Triumph nach elfmonatiger Durststrecke deshalb nur einen schwachen Trost dar. Nachdem der Ferrari-Star den ersten Frust überwunden hatte, überwog bei ihm die Erkenntnis, dass sein zweiter Platz ein weiterer Riesenschritt zur Titelverteidigung war. »Es lief zu meinen Gunsten. Das waren sechs wichtige Punkte für die WM«, rechnete der dreimalige Formel-1- Weltmeister letztendlich halbwegs zufrieden hoch.

Vorsprung ausgebaut

Ferrari-Teamchef Jean Todt konnte mit dem klar verpassten Sieg bestens leben. »Natürlich wollen wir lieber gewinnen«, sagte der Franzose. »Aber dieses Ergebnis ist wie ein Sieg für uns, weil Michael den Vorsprung auf seinen engsten Rivalen um weitere sechs Punkte ausgebaut hat.«

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Rechenspielchen

37 Punkte Rückstand hat der schottische Silberpfeil Coulthard nun auf Schumacher. Selbst wenn Coulthard alle restlichen sechs Rennen gewinnen sollte, würden dem Rheinländer 24 Punkte zum Titel reichen. Dies wären sechs dritte oder vier zweite Plätze, wobei er sich beim letzten Beispiel sogar zwei Ausfälle leisten könnte. Der Ferrari-Star kann sogar bereits am 19. August in Ungarn Weltmeister werden, wenn er in Hockenheim und Budapest zusammen mindestens drei Zähler mehr als Coulthard holt.

Schumi stapelt tief

»Schumi kann die WM nur noch verlieren, wenn er jetzt in den Angel-Urlaub fährt«, setzte der italienische »Il Messaggero« die Situation um Schumis Titelverteidigung ins rechte Bild. Der britische »The Independent« pflichtete bei: »Titelhoffnungen des Schotten zertrümmert.« Trotz der sonnenklare Lage wiederholt Schumacher gebetsmühlenhaft seine alte Rechnung: »37 Punkte sind ein schönes Polster, aber noch sind 60 zu holen, und die WM ist noch nicht vorbei.«

Doch selbst McLaren-Mercedes lässt sich von diesen mathematischen Spielereien nicht blenden. »Wir haben nur noch sehr theoretische Chancen«, hakte Jürgen Hubbert, das bei DaimlerChrysler für die Formel 1 verantwortliche Vorstandsmitglied, den Titel praktisch ab. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug assistierte: »Wir sind krasse Außenseiter.«

Champagner und Tränen

Das Boulevardblatt »The Sun« brachte die widersprüchliche Stimmung im Silberpfeil-Lager auf den Punkt: »Champagner und Tränen flossen im McLaren-Stall.« Häkkinen genoss nach zahlreichen Nackenschlägen sein Comeback. »Ich bin überglücklich. Es ist schwierig, hundertprozentig zu verstehen, wie wichtig dieser Sieg für mich ist«, sagte der tief bewegt mit den Tränen kämpfende Finne. Nachdem die Spekulationen um seinen Rücktritt vom Tisch sind, stärkt dieser erste Silverstone-Sieg Häkkinens Position in den Verhandlungen mit Mclaren.

Coulthard lud zwar abends zur Fete vor seinem Motorhome, aber Grund zum Feiern hatte der früh Geschlagene wahrlich nicht. »Ich kämpfe bis zum Ende«, kündigte »Braveheart« dennoch tapfer an. »Ich weigere mich, die Niederlage zu akzeptieren, ehe Michael den Titel in der Tasche hat.« Er fühle sich jetzt »down, aber morgen sieht wieder alles anders aus. In Hockenheim will ich aufs Podium.«


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