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Formel-1-Star Jenson Button: "Autos und Sex zu dritt"

Jenson Button fährt der Formel-1-Konkurrenz auf und davon - das Rennen in Istanbul kann vorentscheidend sein für die Saison. Dabei sorgte der Brite bislang nur beim Feiern und im Umgang mit schönen Frauen für Schlagzeilen. Für den Erfolg hat er einen (kleinen) Lebenswandel vorgenommen. Von Juha Päätalo, Istanbul

Er ist mit seinen 29 Jahren kein Neuling in der Formel 1. Seit der Saison 2000 fährt Jenson Button im Kreis, aber prägend war der Brite für den Rennsportzirkus bislang nicht. Von 153 Rennen hatte er, bevor die jetzige Saison begann, nur eines gewonnen. In der Szene war bekannt, dass Button sich für schöne Yachten interessiert und mehr noch für schöne Frauen.

Er ist mit seinen 29 Jahren kein Neuling in der Formel 1. Seit der Saison 2000 fährt Jenson Button im Kreis, aber prägend war der Brite für den Rennsportzirkus bislang nicht. Von 153 Rennen hatte er, bevor die jetzige Saison begann, nur eines gewonnen. In der Szene war bekannt, dass Button sich für schöne Yachten interessiert und mehr noch für schöne Frauen.

Pilot der alten Schule

Ein Formel-1-Pilot der alten Schule also und damit ein angenehmer Gegenpart zu den viel erfolgreicheren, aber auch viel unauffälligeren Topfahrern wie dem fleißigen Michael Schumacher, dem verschlossenen Kimi Räikkönen oder dem braven Lewis Hamilton. Button war bis zum Ende des letzten Jahres für einen Artikel aus der "Times" bekannt. Der ist zwar schon fünf Jahre alt, aber ein Satz daraus verfolgt Button, ohne dass es ihn stören würde: "Man kann sich über zwei Dinge bestens mit Button unterhalten - Autos und Sex zu dritt."

Jetzt, in der Saison 2009, verbindet man Buttons Namen mit anderen Dingen - vor allem mit Erfolg. Fünf der bisher sechs Rennen hat er gewonnen, und sollte er auch am Sonntag nach dem Rennen in Istanbul ganz oben auf dem Treppchen stehen, ist ihm sogar der Weltmeistertitel kaum noch zu nehmen. Vor dem Großen Preis der Türkei führt Button die Rangliste mit 51 Punkten an, gefolgt von seinem Brawn-GP-Teamkollegen Rubens Barrichello (35). Der beste Brawn-Herausforderer heißt Sebastian Vettel und hat 23 Punkte auf seinem Konto.

Button ist jetzt das Sonntagskind der Formel 1. Seine Triumphe sehen leicht aus, sind aber bisweilen vom Glück begünstigt. Entscheidend ist, neben dem starken Auto, aber sein fahrerisches Können. In Bahrain hatte Button einen minimalen Fehler von Lewis Hamilton am Ende der ersten Runde genutzt, um ihn zu überholen und den Sieg für den Rest des Rennens nicht wieder herzugeben. In Monaco war er ähnlich hellwach, als der wichtigste Teil des Wochenendes anstand: das Qualifying. Da war er im ersten Teil mit viel Benzin an Bord schneller als im zweiten Teil mit leerem Tank. "Ich weiß auch nicht, wie ich das geschafft habe", sagte Button grinsend.

Demonstratives "Womanizing"

In der Formel 1 dürfen Piloten immer grinsen, sollten es bei ernsten Themen aber besser lassen. Nicht so Button, weshalb ihn viele für einen oberflächlichen Menschen halten. Zumal, wenn er Fragen nach seinem opulenten Lebensstil so beantwortet: "Jeder mag doch Yachten und schöne Autos!"

Einem WM-Spitzenreiter wird all das verziehen. Auch demonstratives "Womanizing". Als Button nach seinem Sieg in Australien für zehn Minuten einen Container seines Teams in Beschlag nahm, um mit seiner Freundin, dem Unterwäschemodel Jessica Michibata, schöne Momente zu verbringen - und bei der Boulevardpresse den Sabber rinnen zu lassen -, jubelte selbst die "Frankfurter Allgemeine": Der Mann könne offensichtlich nicht nur fahren, sondern auch leben.

Zwar ist auch Hamilton mit schönen Frauen zu sehen, und auch Räikkönen ist mitunter ein Schwerenöter. Aber keiner zeigt seine Lebenslust so offen wie Button. Dabei ist auch ihm längst klar, dass er keine Nächte mehr durchzechen kann, wenn er Weltmeister werden will. Keiner bedauert das mehr als Button selbst: "Seit ich Rennen gewinne, bin ich ein richtiger Langweiler geworden, ich denke nur noch an das Auto und an den nächsten Sieg." Echt? "Fragt meine Freundin, wenn ihr das nicht glaubt."

Wandel vom Lebemann zum gezügelten Superstar

Hinderlich für die Karriere ist der Wandel vom Lebemann zum gezügelten Superstar anscheinend nicht. Button fährt seinen Gegnern mit Leichtigkeit davon und dominiert die Formel 1 wie vor ihm nur Schumacher. "Für den Moment war es das", sagt Ferrari-Pilot Felipe Massa auf die Frage, ob Button noch zu stoppen sei. Und der deutsche Williams-Fahrer Nico Rosberg resigniert: "Das ist nur noch ein Zweikampf zwischen Button und Barrichello." Nur in Vettels Red-Bull-Team beharrt man auf der rechnerischen Chance. "Es kann ja nicht sein, dass alles nur in eine Richtung läuft", sagt Teamchef Christian Horner. "Vielleicht hat Button auch mal eine Periode von schlechten Rennen, da müssen wir dann zuschlagen."

Das klingt nicht nur nach Pfeifen im Walde, diese Hoffnung basiert auf einer brüchigen Grundlage. Denn sowohl Red Bull als auch Vettel haben schon gravierende Fehler in dieser Saison gemacht. Etwa in Monaco, als der deutsche Hoffnungsträger mit seinem Wagen in einen Reifenstapel bretterte. Bei Button aber sucht die Konkurrenz vergebens nach Fehlern. Da müsste man schon tiefer in der Vergangenheit graben.

"Es gab im vergangenen Jahr eine Phase, da schwankten Jensons Leistungen noch", erinnert sich Buttons Teamchef Ross Brawn, der schon bei allen sieben Titeln von Schumacher der wichtigste Mann im Hintergrund war. Heute weiß Brawn: "Wir mussten nur geduldig sein. Er ist jetzt viel konzentrierter. Sein Selbstvertrauen hilft ihm." Klingt ganz einfach. Wie derzeit alles im Leben von Jenson Button.

FTD

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