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Formel1: Montoya gewinnt die Hitzeschlacht

Juan Pablo Montoya hat am Sonntag im Williams- BMW den Großen Preis von Deutschland gewonnen. Michael Schumacher fiel vier Runden vor Schluss mit einem Reifenschaden von Rang zwei auf Platz sieben zurück.

Ein Reifenschaden vier Runden vor Schluss hat Michael Schumacher in der Gluthitze von Hockenheim den scheinbar sicheren zweiten Platz gekostet. Damit endete ausgerechnet sein so hoffnungsvoll angegangenes Heimrennen mit einem enttäuschenden siebten Platz statt mit dem heiß ersehnten Jubiläumssieg mit Ferrari. Der kolumbianische Williams-BMW-Pilot Juan Pablo Montoya gewann nach einer brillanten Leistung den Großen Preis von Deutschland und ist damit nach dem üblen Startcrash der drei anderen Titelkandidaten Ralf Schumacher, Kimi Räikkönen und Rubens Barrichello schärfster Verfolger des Spitzenreiters aus Kerpen.

Schlechte Reifen

Michael Schumacher hatte nach seinem sechsten Startplatz und dem Nachteil seiner Bridgestone-Reifen gegenüber den Michelin-Pneus nie eine echte Chance, seinen Vorjahreserfolg wiederholen zu können. Allerdings schien nach einem bravourösen Überholmanöver kurz vor Schluss des Rennens der zweite Rang garantiert. Der 68-malige Grand- Prix-Gewinner blieb zum vierten Mal in Serie sieglos. Der heißblütige Montoya spulte kühl und abgeklärt sein Programm ab. Zurecht feierte der 27 Jahre alte Kolumbianer auf dem 4,574 km langen Kurs in 1:28:48,769 Stunden seinen zweiten Saisonsieg nach Monaco.

Coulthard auf Platz zwei

Der wild kämpfende Schumacher wies vor über 100.000 Besuchern eine Runde Rückstand auf. Der Schotte David Coulthard wurde im McLaren-Mercedes mit 65,4 Sekunden Rückstand Zweiter. Renault-Pilot Jarno Trulli (Italien) belegte nach 67 Runden (306,458 km) den dritten Platz.

Heidfeld ohne Punkte

Nach dem 12. von 16 Saisonläufen liegt Michael Schumacher (71 Punkte) nun 6 Zähler vor Montoya (65). Räikkönen (62) fiel wegen seines Nullers auf den dritten Rang vor Ralf Schumacher (53) zurück. Für das Mönchengladbacher Sauber-Duo verlief das Heimrennen unerfreulich. Nick Heidfeld blieb als Zehnter ohne Punkte; Heinz-Harald Frentzen war unmittelbar nach dem Start ausgeschieden.

Übler Startcrash

Der Grand Prix begann mit einem Unfall-Schock und Schrott im Wert von einigen hunderttausend Euro: Etwa 200 Meter nach dem Start prallten der vorne liegende Ralf Schumacher und der von links hinten vorpreschende Kimi Räikkönen in Rubens Barrichellos Ferrari. Der finnische Silberpfeil-Pilot drehte sich danach mehrfach um die eigene Achse und prallte voller Wucht in einen Reifenstapel. Ralf Schumacher konnte seinen schwer beschädigten Williams-BMW noch in die Box bringen, musste dann aber frustriert aussteigen. Damit waren drei der fünf WM-Kandidaten schon nach fünf Sekunden aus dem Rennen.

«Ich wüsste nicht, was ich da falsch gemacht haben sollte», wies Ralf Schumacher sichtlich angefressen jede Schuld von sich. «Ich habe auf einmal nur einen Stoß gespürt.» Unterboden, Seitenkasten und Kühler seien bei dem Zusammenprall kaputt gegangen. «Es hätte keinen Sinn mehr gemacht», meinte der 27-Jährige, der nun keine WM-Chance mehr für sich sieht: «Die Sache hat sich heute erledigt.»

Frentzen Opfer des Startunfalls

Opfer des an die Startunfälle von 2000 und 2001 erinnernden Crashs wurden auch die weit hinten losgefahrenen Heinz-Harald Frentzen und Ralph Firman. Der Brite krachte mit seinem Jordan in den Sauber des Mönchengladbachers. Für Frentzen war es schon der fünfte Saisonausfall. Sofort raste das Safety-Car auf die Strecke und neutralisierte das Rennen bis zur vierten Runde.

Montoya nicht zu stoppen

Pole-Man Montoya konnte seine Führung vor dem Renault-Duo Jarno Trulli/Fernando Alonso verteidigen. Michael Schumacher, von Rang 6 gestartet, war nun Vierter. Der Kolumbianer baute seinen Vorsprung bis zum ersten Boxenstopp kontinuierlich aus. Parallel tankten Montoya und Michael Schumacher erstmals in der 18. Runde. Dabei büßte der Rheinländer weitere wertvolle Sekunden ein. Nach dem ersten Grand-Prix-Drittel lag er schon 21 Sekunden hinter dem Südamerikaner.

Weiß-Blau dominiert trotz Hitze

Neue Hoffnung auf seinen 50. Ferrari-Sieg keimte beim Kerpener in der 31. Runde auf, als er den eingangs des Motodrom ins Gras rutschenden Alonso leicht überholen und sich auf Rang 3 vorschieben konnte. Nach Montoyas zweitem Stopp wenig später lag Schumacher noch 8,8 Sekunden zurück. Die anschließenden Reifenwechsel änderten nichts Wesentliches an der Konstellation: Obwohl der Kolumbianer drei und damit ein Mal mehr als die restlichen Top-Platzierten anhielt, deklassierte er die Konkurrenten nach allen Regeln der Kunst. Es war ein beeindruckendes Beispiel weiß-blauer Stärke unter Sauna-Bedingungen.

DPA

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