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Formel1: Ruhe vor dem Start: Schumacher am Ball

Während die meisten Fahrer sich einen freien Tag gönnen und noch einmal entspannen, schrauben die Mechaniker schon eifrig. Und das Mini-Team von Minardi wird gefeiert.

Unter dem strahlend blauen Himmel von Melbourne tankte Michael Schumacher beim Fußballspielen noch einmal Kraft für den Formel-1-Auftakt. Während der gut gelaunte Weltmeister am Mittwoch seinem Hobby im Albert Park leidenschaftlich nachging, machte sein Bruder Ralf Schumacher einen Bootsausflug zu den Delfinen. «Das war eine gelungene Abwechslung», sagte der Williams-BMW-Pilot. «So langsam kribbelt es überall. Es wird Zeit, dass es endlich los geht.»

Auch die Mönchengladbacher Sauber-Piloten Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld tauchten nicht im Fahrerlager auf und genossen den freien Tag. Ganz anders Juan-Pablo Montoya: Nach der Hochzeitsreise schaute Ralf Schumachers Teamkollege als erster der Top-Piloten nach dem Rechten und schlenderte mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Conny durch die Boxengasse.

Minardi-Team gefeiert

Unterdessen wurden im Herzen von Melbourne die «Hinterbänkler» von Minardi vier Tage vor dem Großen Preis von Australien am Sonntag (4.00 Uhr/MEZ, RTL und Premiere) überschwänglich gefeiert. Der Rennstall des Australiers Paul Stoddart stellte seine Wagen vor. Die Mitglieder des von Existenzsorgen geplagten Teams - allen voran Formel-1-Rückkehrer Jos Verstappen (Niederlande) und Neuling Justin Wilson (Großbritannien) - genossen das Bad in der Menge auf dem Federation Square. Sogar Steve Bracks, der Premierminister des Staates Victoria, war gekommen: «Wir drücken die Daumen.»

Glück benötigt aber die gesamte Formel 1. Die Serie steht vor der Zerreißprobe: Das Milliarden-Unternehmen bekommt die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu spüren. Die Schere zwischen Arm und Reich wird größer. «Es ist kein Geheimnis, dass man mit dem Budget von Minardi gerade mal die Essensrechnung von McLaren bezahlen könnte. Und wir sind nur ein paar Sekunden hinter ihnen. Also, wer macht den besseren Job?», meinte Minardi-Chef Stoddart.

Eigene Hersteller-Rennserie nicht vom Tisch

Im Raum steht weiterhin die Drohung der in der GPWC organisierten fünf Hersteller Ferrari, BMW, Mercedes, Ford und Renault, ab 2008 eine eigene Rennserie zu starten, sollte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone die Teams nicht stärker an den Einnahmen aus der Vermarktung beteiligen. Die GPWC hat schon einen Headhunter beauftragt, um einen Ecclestone-Nachfolger zu finden. Immerhin wollen sich GPWC-Vertreter mit dem mächtigen Briten in dieser Woche beim Autosalon in Genf zusammensetzen, um über die Zukunft zu beraten.

Brisante Regelement-Änderungen

Doch die größte Brisanz steckt im Streit um die von Max Mosley diktierten radikalen Regeländerungen. McLaren-Chef Dennis und sein Landsmann Frank Williams haben am lautesten den Chef des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) kritisiert und wollen die Reform vor dem Schiedsgericht stoppen.

Weil zwischen der Samstags-Qualifikation und dem Beginn des Rennens am Sonntag nicht mehr getankt werden darf, wird künftig auch die Taktik für die 20 Piloten eine große Rolle spielen. «Die Idee mit der einen fliegenden Runde finde ich nach wie vor gut. Das bringt sicherlich Spannung. Wenn alles von einer einzigen Runde abhängt, ist das ein zusätzlicher Anreiz», sagte Schumacher. Er kritisierte aber: «Nur ist der mit der Einschränkung des Nachtankens jetzt verwässert.»

Spannender 'Benzinpoker'

Der fünfmalige Weltmeister zählt im «Benzinpoker» auf sein «Superhirn» Ross Brawn: «Wer in diesem Bereich stark ist - und das waren wir in der Vergangenheit -, wird da Vorteile rausziehen können. Aber auch hier gilt: abwarten und Tee trinken.» 58 Runden über die Gesamtdistanz 307,547 Kilometer werden in Melbourne gefahren.

Auch in diesem Jahr gibt es eigentlich nur eine Frage: Wer stoppt Michael Schumacher? Die deutschen Formel-1-Fans glauben fest an den sechsten Titel des Kerpeners. Laut einer von Premiere in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage erwarten 94,2 Prozent der Befragten Schumachers Titelverteidigung.

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