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GP NÜRBURGRING: Schumacher verpasst Bestzeit und sieht Ballack-Tor

Michael ist Deutschlands oberster Fußballfan. Während des freien Trainings ließ sich Schumi den Stand beim Spiel Deutschland gegen USA ständig über Boxenfunk durchgeben.

Bestzeit verpasst, Fußball im Blick - Michael Schumacher hatte trotz seiner knappen Trainingsniederlage gegen David Coulthard zum Auftakt seines »Heimspiels« am Nürburgring Grund zur Freude. Der Formel-1-Weltmeister eilte wie der Blitz vor den Fernseher und erlebte gerade noch rechtzeitig Michael Ballacks 1:0 im WM-Viertelfinale gegen die USA live mit.

Daumen drücken

Ausnahmsweise widmete sich der fleißige Schumacher am Freitag nach dem freien Training zum großen Preis von Europa ganz dem Fußball. Der Ferrari-Star und Hobby-Kicker, der sich Silberpfeil-Pilot Coulthard als Zweiter mit 0,155 Sekunden geschlagen geben musste, verschob die üblichen Interviews, sauste sofort ins Motorhome und fieberte mit der deutschen Nationalmannschaft. »Ich drücke dem Team beim Fahren die Daumen«, hatte der Kerpener zuvor schon angekündigt.

75 Jahre »Grüne Hölle«

Zwei Tage vor dem neunten WM-Lauf am Sonntag , der Jubiläumsveranstaltung zum 75. Geburtstag der Eifel-Strecke, stahl Coulthard dem viermaligen Weltmeister die Show. Der Schotte erzielte im McLaren-Mercedes in 1:31,886 Minuten die Bestzeit vor Schumacher (1:32,041). Der Finne Kimi Räikkönen war im zweiten Silberpfeil Dritter vor Ferrari-Pilot Rubens Barrichello. Ralf Schumacher war Sechster hinter Williams-BMW-Kollege Juan Pablo Montoya. »Ein guter erster Trainingstag, obwohl Davids Bestzeit dabei nicht wichtig ist. Wir haben viel für das Rennen gelernt, das ist wichtig«, resümierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Allgemein gilt dennoch Vorjahressieger Michael Schumacher als Favorit am Ring. Für die Konkurrenz ist der Grand Prix wohl die letzte Chance für eine Wende im von Schumacher dominierten Titelkampf.

Spielstand per Boxenfunk

Aber trotz der Premiere auf der um die neue »Mercedes-Arena« erweiterten und seit diesem Jahr auf 5,146 km langen Strecke hatte der Fußball auch die Formel 1 fest im Griff. Schumacher ließ sich in der ersten halben Stunde des deutschen Spiels per Boxenfunk über den Stand informieren. Auf dem kleinen Zeiten-Monitor, den die Techniker dem sechsmaligen Saisonsieger in der Box immer auf den Ferrari stellen, war diesmal Fußball eingestellt. Im Fahrerlager drängelten sich bei Ferrari, Williams-BMW und McLaren-Mercedes Teammitglieder, Sponsoren und Journalisten vor den TV-Geräten.

Ecclestone ohne Gnade für Fußballfans

Bereits am Morgen hatte Schumacher im Motorhome teilweise das 2:1 der Brasilianer gegen England verfolgt. Sein Kollege war glücklich. Barrichello hatte eigens ein brasilianisches Trikot mit der Nummer 10 übergestreift und nahm nach dem Sieg seiner Landsleute im Fahrerlager Glückwünsche entgegen. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone eilte aus seinem Bus um zu gratulieren. Doch beim Zeitplan hatte der Brite offenbar wenig Verständnis für die Fußball-Interessierten. Das freie Training überschnitt sich um eine halbe Stunde mit dem Viertelfinal- Spiel der Völler-Elf. Erst am Samstag ist das Qualifikationstraining um 45 Minuten auf 12.15 Uhr vorverlegt.

Zu wenig mechanischer Grip

Dem ersten Heim-Auftritt in diesem Jahr blickt Michael Schumacher, der die WM mit 70 Punkten und 43 Zählern Vorsprung vor den beiden Williams-Piloten (je 27) anführt, zuversichtlich entgegen. »Unsere Erwartungen dieses Jahr sind natürlich recht hoch mit dem Paket, das wir haben, und der guten Testarbeit, die hinter uns liegt. Wir fühlen uns gut vorbereitet auf den Kurs, der vor allem eine sehr gute Balance und guten mechanischen Grip erfordert«, sagte der 33-Jährige über die sportlichen Aussichten in der Eifel, mit der der Kerpener wie die anderen deutschen Piloten viele Erinnerungen verbindet. Die weltberühmte Rennstrecke liegt unweit ihrer Heimatstädte. Schumacher kann seine einmalige Rekordsammlung zur Saison-Halbzeit noch weiter ausbauen: Er kann die Bestmarke des Franzosen Alain Prost von insgesamt 106 Podiumsplätze einstellen.

Frentzen auf 13

Sein Bruder - ausgewiesener Fußball-Muffel - war trotz eines Rückstands von 1,293 Sekunden auf Coulthard zufrieden mit dem ersten Tag. »Wir konnten alles ausprobieren, was wir wollten«, meinte der Kerpener. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld belegte im Sauber den elften Trainingsrang. Arrows-Pilot Heinz-Harald Frentzen kam auf Platz 13 und meinte: »Wir hatten Probleme mit der Balance.«

Andrea Wimmer und Elmar Dreher, dpa

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