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GRAND PRIX CANADA: Vor Montreal: Schumi guckt Fußball-WM

Michael Schumacher will dieses Jahr in Canada nicht wieder hinter Ralf landen. Allem Renn-Stress zum Trotz interessiert sich der Ferrari-Pilot sehr für unsere Kicker in Japan.

Mit einem PS hat sich Pferdenarr Michael Schumacher auf die Powerstrecke in Montreal vorbereitet. »Wir sind viel geritten, vor allem Corinna, und haben Wildnis und Landschaft genossen«, berichtete der Ferrari-Star begeistert vom zehn Tage langen Urlaub mit seiner Frau und Freunden auf einer Ranch in Nordtexas: »Beim Westernreiten haben wir viel Spaß gehabt.« Der viermalige Formel-1-Weltmeister nahm sogar Unterricht, um auf den Vierbeinern bald ähnlich perfekt unterwegs zu sein wie auf vier Rädern.

Materialmordende Strecke

Beim Großen Preis von Kanada am Sonntag sind allerdings wesentlich mehr PS gefragt. Der Circuit Gilles Villeneuve gilt neben Monza und dem Hockenheimring vor dessen Umbau als die den Motor am meisten fordernde Strecke: Bis zu 56 Prozent einer Runde geben die Piloten Vollgas. Zudem spielen wegen der Stop-and-Go-Charakteristik des 4,361 km langen Kurses die Reifen und Bremsen eine entscheidende Rolle. Deshalb dürfte Williams-BMW im erneut zu erwartenden Duell mit Ferrari wieder die Nase vorn haben: Im Vorjahr gewann Ralf Schumacher vor Michael beim historischen ersten Doppelerfolg eines Bruderpaars in der Grand-Prix-Geschichte. Der BMW-Zehnzylinder ist mit schätzungsweise 880 PS gut 30 PS stärker als das Ferrari-Triebwerk, und die Michelin-Reifen scheinen hier mehr Haftung als die Bridgestone zu entwickeln.

Ralf will wieder siegen

»Es ist schön, nach Montreal zurückzukommen«, erinnerte »Schumi II« mit breitem Grinsen an seinen Vorjahrestriumph. »Dem entsprechend groß ist die Hoffnung, wieder zu gewinnen.« Zu denken gibt Ralf Schumacher allerdings, dass Ferrari auf der vermeintlichen Williams-BMW-Strecke Imola, wo er 2001 ebenfalls gesiegt hat, diese Saison einen Doppelerfolg feierte: »Wir haben einige Verbesserungen und sind sicher konkurrenzfähig. Ob es reicht, hängt auch davon ab, was Bridgestone für Reifen bringt.« Der »rote« Schumacher schätzt seinen Bruder und dessen Teamkollegen Juan Pablo Montoya als schärfste Konkurrenten ein. Angesichts der Fortschritte Bridgestones ist der viermalige Kanada-Gewinner allerdings davon überzeugt, »ein Wörtchen um den Sieg mitreden zu können«. Im Vorjahr sei Ferrari hier unter Rennbedingungen nicht konkurrenzfähig gewesen: »Aber wir haben inzwischen viel verbessert.« So wünscht sich Schumacher für den 8. WM-Lauf nur, dass »ich statt der Nummer 2 die Nummer 1« werde.

Im Titelrennen ist diese Frage angesichts seines komfortablen Vorsprungs von 33 Punkten gegenüber seinem Bruder und Montoya (je 27) längst entschieden. Theoretisch kann der souveräne Spitzenreiter (60 Punkte) sogar schon vor dem Großen Preis von Deutschland mit dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio gleichziehen und zum fünften Mal Weltmeister werden. Dass Michael wieder triumphiert, ist laut Ralf Schumacher nur noch Formsache. »Wenn alles normal läuft, ist die WM entschieden«, sagte er. Wo das passiert, ist laut »Schumi I« egal: »Ob ich in Hockenheim die WM gewinne, ist nicht so wichtig. Hauptsache, ich hole den Titel überhaupt.«

»Nach Irland müssen wir zittern«

Den WM-Titel wünscht der Fußball-Fan auch der deutschen Nationalmannschaft, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist. »Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die nächste Runde schaffen«, erklärte Michael Schumacher. Aber nach dem 1:1 gegen Irland »müssen wir zittern«. Er sei in seinem Urlaub extra früh aufgestanden, um die deutschen Spiele zu sehen. Das 8:0 über Saudi-Arabien sei sehr begeisternd gewesen. Gegen Irland »traten die alten Krankheiten auf, in den letzten Minuten nachzulassen«.

Ralf ist ein Fußball-Muffel

Bislang sei die WM sehr spannend verlaufen, urteilte der Hobby- Kicker: »Außenseiter haben Favoriten wie Frankreich und Brasilien das Leben schwer gemacht.« Deshalb traut er den Titel auch einer Überraschungsmannschaft zu. Derlei Faszination ist Ralf völlig fremd. »Ich habe kein einziges Spiel gesehen«, verriet der Fußball-Muffel:

»Ich kenne nur die Ergebnisse der Deutschen.«

Elmar Dreher, dpa

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