HOME

Großer Preis von Deutschland: Die Rückkehr des Königs

Mit einer Sonntagsspazierfahrt hat Michael Schumacher auf dem Hockenheimring dem schwächelnden Fernando Alonso eine Lektion erteilt. Für Schumi ist der Titel nun sogar wieder aus eigener Kraft möglich.

Der Rekord-Weltmeister feierte beim Großen Preis von Deutschland im Ferrari seinen dritten Sieg in Serie und seinen 89. Grand-Prix-Erfolg. Sein spanischer Widersacher büßte indes als Fünfter an seinem Vorsprung in der WM-Wertung ein. Den roten Doppel- Triumph komplettierte Felipe Massa (Brasilien) wie schon in Indianapolis als Zweiter. Als Dritter bescherte Pole-Mann Kimi Räikkönen McLaren-Mercedes ein versöhnliches Wochenende.

Während Michael Schumacher von den Fans überschwänglich bejubelt wurde und das Siegerbad in der Hitzeschlacht von Hockenheim sichtlich genoss, hatten die drei weiteren deutschen Fahrer keinen Grund zu Freude. Ralf Schumacher landete nur auf dem neunten Platz, Nico Rosberg und Nick Heidfeld mussten ihre Auftritt vorzeitig beenden.

Alonso fast ausgeschieden

Bei nun noch ausstehenden sechs Rennen hat Schumacher mit insgesamt 89 Zählern durch seinen Sieg-Hattrick den Rückstand auf Alonso in der Gesamtwertung auf elf Punkte verkürzt und den Druck auf den anfangs schon enteilt scheinenden Spanier gewaltig erhöht. Fast wäre Alonso einen Tag nach seinem 25. Geburtstag im Revier seines Rivalen sogar ganz leer ausgegangen, als er kurz vor dem Rennende von der Strecke abkam und seinen Renault nur mit letzter Kraft wieder in die Spur bringen konnte.

Dabei hatte Alonso zumindest einen ordentlichen Start hingelegt und war vom siebten auf den fünften Rang vorgefahren. Derweil hatte Schumacher jedoch seinen zweiten Rang souverän verteidigt und sich hinter den mit deutlich weniger Benzin und damit leichter ins Rennen gegangenen Räikkönen gesetzt. Bereits in der zehnten Runde musste der Finne aber erwartungsgemäß als Erster an die Box zum Nachtanken. Das hieß für Schumacher: freie Fahrt. Mit seinem brasilianischen Mitstreiter Massa baute der Kerpener seinen Vorsprung von der elften Runde an kontinuierlich aus.

Überraschend ging dann Alonso, der seit nunmehr drei Rennen auf einen Sieg wartet, schon eine Runde nach Schumacher (20. Runde) in die Box. Als Alonso wieder auf die Strecke zurückkehrte, hatte Schumacher mit 38,8 Sekunden sogar zwei Sekunden mehr Vorsprung als vor ihren Stopps. Das war die Vorentscheidung nach weniger als einem Drittel der Renndistanz über 306,458 km (67 Runden á 4,574 km), für die Schumacher 1:27:51,693 Stunden benötigte. Massa kam 0,720 Sekunden später ins Ziel.

Ralf Schumacher ausgebremst

Während der Aufwärtstrend von Ralf Schumacher im Toyota durch eine frühe Kollision und eine Durchfahrtsstrafe wegen Geschwindigkeitsübertretung in der Boxengasse gebremst wurde, erlebten die beiden weiteren deutschen Fahrer Rosberg (Wiesbaden) und Heidfeld (Mönchengladbach) einen rabenschwarzen Sonntag. Williams- Pilot Rosberg flog in der ersten Runde von der Strecke ab und landete in der Streckenbegrenzung. "Das war meine Sache. Ich habe es vielleicht übertrieben", gestand der von Platz 14 gestartete Rosberg, der bereits beim Training wegen eines technischen Defekts in die Reifenstapel gekracht war. "Wenn man immer weiter hinten steht, versucht man das Risiko immer wieder neu auszuloten."

Debakel für BMW

Landsmann Heidfeld stellte nach einem Crash seinen BMW in der elften Runde ab. "Ich habe im Gedränge einen Schlag hinten rechts bekommen. Die Reifen und Bremsen waren beschädigt. Es wäre zu gefährlich gewesen weiterzufahren", sagte Heidfeld, dessen Teamkollege Jacques Villeneuve die Laune bei BMW auch nicht verbessern konnte. Der kanadische Ex-Weltmeister zerlegte seinen Wagen offenbar nach technischen Problemen noch vor der Rennhälfte. Trotz der schlechten Startposition zeigte sich Villeneuve gegenüber stern.de zuversichtlich. "Mit dem Platz beim Q. kann man nicht zufrieden sein", sagte J. Vileneuve zu stern.de. Wie er sich denn trotz des schlechten Platzes motiviere? "Ich muss mich schon seit Jahren motivieren, dass klappt schon." "Man fährt und fährt und versucht, für sein Team Punkte zu machen."

Auch BMW-Motorsportchef Marion Theissen versuchte vor dem Rennen, die positiven Entwicklungen zu betonen. "Wir haben gestern nach dem schlechten Platz beim Q. noch an der Starttechik gefeilt. Das klappte ganz gut und wir hoffen, bereits in der Startphase zwei, drei Positionen nach vorn zu rücken. Bis Ende 2010 sollten wir in der Lage sein, ganz vorn bei den Top Teams zu spielen. Wir haben in vielen Bereichen, etwa beim Windkanaltest, einen Drei-Schichtbetrieb eingeführt", sagte Mario Theissen vor dem Rennen zu stern.de. Hinterher hieß es: "Das Rennen war für unser Team praktisch in der ersten Runde gelaufen. Beide Fahrer waren in der ersten Runde in Kollisionen verwickelt", sagte Theissen und sprach von einem rundum verkorksten Wochenende.

DPA/stern.de

Wissenscommunity