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Großer Preis von Ungarn: Das "Babyface" bleibt cool

Die Formel 1 bekommt Nachwuchs: Beim Großen Preis von Ungarn am Sonntag (live im stern.de-Ticker ab 14:00 Uhr) geht Sebastian Vettel erstmals für sein neues Team Toro Rosso an den Start. Der 20-Jährige, der bisher als Testfahrer bei BMW war, zeigt sich dennoch abgebrüht.

Gleich am ersten Tag für seinen neuen Arbeitgeber hat Sebastian Vettel verschlafen. Doch in Zukunft will die deutsche Formel-1-Hoffnung für Toro Rosso hellwach sein. Weil sein Wecker am Donnerstagmorgen in seiner Wohnung in der Schweiz gestreikt hatte, verpasste der 20-Jährige den Flieger und kam erst mit einiger Verspätung nach Budapest. Kaum am Hungaroring angekommen, erwartete ihn aber ein volles Programm: Fototermine, Interviews, erste Besprechungen mit dem Team. Vettel war noch keinen Meter in seinem neuen Dienstwagen gefahren, und doch war er der gefragteste Mann.

"Es ist eine große Gelegenheit und eine Herausforderung", sagte der Abiturient artig. "Das Auto ist sicher nicht so stark wie die Top-Wagen. Aber ich will alles tun, um die Situation zu verbessern." Er werde immer "100 Prozent geben, auf und neben der Strecke", versprach er. Sein neues Gefährt wird Vettel allerdings erst am Freitag im Training zum Großen Preis von Ungarn kennenlernen. Am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) wird der Heppenheimer erstmals für das Team ein Rennen bestreiten.

Er macht einen routinierten Eindruck

Vettel machte einen erstaunlich routinierten Eindruck beim Frage-Antwort-Spiel mit den Journalisten. Selbst bei Fragen zu seinem Spitznamen "Baby-Schumi" und Vergleichen mit Rekordweltmeister Michael Schumacher blieb er ruhig. "Das ist eine komplett andere Generation. Man kann das nicht vergleichen", sagte er.

Seine neuen Chefs sind von Vettel, der unter seinen Formel-1- Kollegen eher wie ein Fan als wie ein Fahrer wirkt, ohnehin überzeugt. "Für uns ist es wichtig, dass er sich bei uns in den nächsten anderthalb Jahren zu einem Topfahrer entwickelt", sagte Team-Mitbesitzer Gerhard Berger und bestätigte damit, dass der Rennstall langfristig, das heißt auch 2008, mit Vettel plant und nicht nur für die restlichen sieben Saisonrennen.

Der Deutsche war erst am Dienstag zu Toro Rosso gewechselt. Zuvor stand er bei BMW-Sauber als Ersatz- und Testfahrer unter Vertrag. Bei den "Roten Stieren" ersetzt er den Amerikaner Scott Speed, mit dessen Auftreten und Leistungen Berger und Teamchef Franz Tost lange nicht mehr zufrieden waren. Vettels neuer Teamkollege Vitantonio Liuzzi soll ebenfalls vor dem Abschuss stehen. Angeblich wird noch in diesem Jahr der Franzose Sébastien Bourdais, dreimaliger ChampCar-Meister, in Monza, Spa, Fuji und Schanghai für Toro Rosso zum Einsatz kommen.

"Sebastians Karriere nicht bremsen"

Von seinem ehemaligen Team erhielt Vettel die besten Wünsche. "Es freut mich für ihn", sagte BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld. "Es wird interessant zu sehen, wie er sich mit seinem Teamkollegen herumschlägt." BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen nannte als einen Grund für die Freigabe: "Wir wollten Sebastians Karriere nicht einbremsen oder behindern." Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen. "Wir bleiben in freundschaftlicher Verbindung."

Vettel steht aber auch vor keiner ganz leichten Aufgabe. Das Bruderteam von Red Bull - neben BMW langjähriger Förderer von Vettel - hat in diesem Jahr noch keinen Punkt geholt. In den bisherigen zehn Grand Prix' kamen Liuzzi und Speed insgesamt 15 Mal nicht ins Ziel. Speed gelang in Kanada mit Rang neun die beste Platzierung für Toro Rosso in diesem Jahr. Sollte Vettel in den verbleibenden Rennen wenigstens einen Punkt holen, wäre er schon der große Held. Allerdings belegt die große Ausfallrate, dass mit dem Wagen nicht viel zu holen ist.

Vettels rasanter Formel-1-Aufstieg begann vor einem Jahr. Im Training zum Großen Preis der Türkei im August 2006 durfte er sich das erste Mal mit den Stars messen. Beim Rennen in Indianapolis in diesem Jahr feierte er als Ersatz für den zuvor verunglückten Polen Robert Kubica sein Grand-Prix-Debüt als Achter und wurde zum jüngsten Punktesammler in der Formel-1-Geschichte.

Claas Hennig/DPA / DPA

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