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Pariser Autosalon: Umweltschutz durch Elektronik

Hybridwagen, Abschaltautomatik und Elektroantrieb: Die weltgrößte Publikumsmesse der Autoindustrie in Paris setzt in diesem Jahr auch Zeichen beim Umweltschutz.

Die meisten Autobauer versuchen, mit großzügigem Einsatz von Elektronik den Verbrauch und die Abgasemission ihrer klassischen Modelle ohne Leistungsminderung zu verringern. "Dank eines integrierten Chips, der die Nutzung des Öls misst, haben wir den Ölwechsel um 5000 Kilometer hinausgeschoben", sagt beispielsweise BMW-Chef Helmut Panke. "Angesichts einer Million verkaufter BMW im Jahr ist das ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz."

Benzineinsparungen im zweistelligen Prozentbereich verspricht Citroen mit seinem C3 "Stop and Start". Das gemeinsam mit Valeo entwickelte System schaltet den Motor an Ampeln und im Stau ab, um ihn ohne Mehrverbrauch in 0,4 Sekunden wieder zu starten, wenn man den Fuß von der Bremse nimmt. Ähnliche Sparmodelle bieten der Toyota Prius und der Honda Insight.

Umweltschutz im Renngeschoß

Doch sauber heißt längst nicht mehr klein und langsam. Einen reinrassigen Hybrid-Sportwagen präsentiert der italienische Designer Giugiaro, der schon dem BMW M1, dem VW Touareg und dem Bugatti EB 112 zur schönen Form verhalf. Der Volta beschleunigt in 4,06 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer und erreicht eine Geschwindigkeit von 250 Km/h. Für den Antrieb sorgt ein Hybrid-Triebwerk des Toyota Lexus bestehend aus zwei Elektromotoren und einem Dieselmotor.

Ein revolutionäres Elektroauto mit Wärmegenerator präsentiert der Nutzfahrzeugbauer Heuliez. Sein mit Dassault konzipierter Cleanova soll mit einer Batterieladung 400 Kilometer weit kommen. Interesse an dem Kleinwagen, der 2006 auf den Markt kommen soll, sollen bereits die Boomländer Indien und China haben. Peugeot demonstriert mit dem Quad seine Kompetenz im Brennstoffzellenantrieb: Das Auto wird von vier Elektromotoren angetrieben, die in den Rädern untergebracht sind. Allerdings ist mit einer Großserienproduktion dieser Technik in den kommenden zehn Jahren nicht zu rechnen.

Toyota Prius bewährt

Seine Feuertaufe im Dauerbetrieb hat der Toyota Prius dagegen bereits bestanden. 260 000 dieser Hybrid-Autos rollen schon auf den Straßen insbesondere der USA und Japans. Nun soll das mit Benzin- und Elektromotor betriebene Auto auch Europa erobern, wo der profitabelste Autokonzern der Welt im ersten Halbjahr 2004 insgesamt bereits mehr als 400 000 Autos abgesetzt hat. Allein in diesem Jahr sollen bei Toyota 180 000 Prius vom Band laufen.

Den Sparvorteil des Dieselmotors will Siemens VDO für Benziner einfordern. Das Unternehmen bietet ein elektronisch gesteuertes Einspritzsystem (PDI) an, das einen konischen Benzinstrahl in 0,0002 Sekunden an der Zündkerze entzündet. Nötig ist dafür ein starker Computer. Doch das ist sowieso der Trend. 90 Prozent der vorgeschlagenen Neuerungen für Umweltschutz und Sicherheit seien elektronisch basiert, sagte der Chef der Halbleiter-Abteilung von Motorola, Denis Griot, dem Finanzblatt "La Tribune". Die vielen kleinen Schritte zahlen sich aus: Nach Angaben des französischen Branchenverbandes CCFA belasten die heute produzierten Autos die Umwelt nur ein Zehntel so viel wie die Modelle des Jahres 1993.

Von Hans-Hermann Nikolei/DPA

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