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PS-Duell: Nur der Eurofighter ist schneller als Schumi

Der Schall bremst Schumi: Bei dem pompös inszenierten Showduell gegen einen Kampfjet im italienischen Militärstützpunkt Grosseto gewann der sechsfache Formel-1-Weltmeister nur über 600 Meter. Was dem PS-Spektakel keinen Abbruch tat.

Das Szenario erinnert an einen Filmtitel: Wie die "tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" wirken Michael Schumacher (34) und Maurizio Cheli (44), während sie konzentriert auf das Startsignal warten. Das Geräusch der Motoren steigert sich von einem leichten Brummen zu einem ohrenbetäubenden Donnern. Fertig - Los: Der rote F2003-GA, der neben dem Eurofighter wie ein Spielzeugauto anmutet, brettert in atemberaubender Geschwindigkeit über die regennasse Piste. Der Kampfjet hebt schon nach 500 Metern leicht vom Boden ab und schwingt sich anschließend steil in die Lüfte. Nach wenigen Sekunden ist das Spektakel wieder vorbei. Verdutzt schauen sich die Zuschauer an. "Wer hat denn nun gewonnen?"

Über 600 Meter war Schumi schneller

Nach dem ersten Rennen über 600 Meter macht sich Freude breit: Ein Sprecher erklärt, Schumi habe mit wenigen Metern Vorsprung den Sieg errungen. Aber bei den "Langstrecken" über 900 und 1200 Meter zog der sechsfache Formel-1-Weltmeister am Donnerstag den Kürzeren: Die Fahrbahn war klatschnass, und auch während der Rennen tröpfelte es unaufhörlich. "Bei dem Mistwetter hatte er einfach keine Chance", sagte ein deutscher Ferrari-Fan etwas enttäuscht. Dennoch: Über die 900-Meter-Distanz fuhr Schumi immerhin mit nur 0,2 Sekunden Rückstand über die Ziellinie, während er auf den 1200 Metern über 2 Sekunden zurücklag.

Regen war Nachteil für Schumi

Der Regen trübte auch die allgemeine Stimmung des Spektakels - "aber das ist ja schließlich auch nicht Monza hier", brachte es ein Zuschauer auf den Punkt. Dennoch gab es am Ende standesgemäß eine Siegerehrung, während eine Militärkapelle "Inno di Mameli" - die italienische Nationalhymne - anstimmte. Trotz seiner Niederlage strahlte der braun gebrannte Schumacher amüsiert in die Kameras. "Wenn ich Flügel gehabt hätte, hätte ich abgehoben", sagte er lächelnd. "Es war spektakulär und interessant. Das war ein ganz toller Event. Ich glaube, auch für die Zuschauer. Es hat Spaß gemacht." Seine Höchstgeschwindigkeit lag bei dem Rennen bei 308 Stundenkilometern.

Persönliches Event des italienischen Verteidigungsminister

Italiens Verteidigungsminister Antonio Martino hatte das PS-Duell persönlich geplant und eigens den Jagdflieger-Stützpunkt Grosseto sperren lassen. Dass er ausgerechnet Italiens liebsten Piloten "Kaiser Schumi" als Gegner für den Zweikampf gewinnen konnte, muss ihm wie ein Traum vorgekommen sein. Dennoch gab es im Vorfeld auch kritische Stimmen. Viele beklagten, dass derartige Spektakel nicht nur unnötiges Geld, sondern auch Unmengen an Benzin verschwenden.

Jagdbomber nach wenigen Meter bereits in der Luft

Der "Eurofighter Typhoon" ist aus einer Zusammenarbeit der vier EU-Staaten Italien, Deutschland, Großbritannien und Spanien entstanden. Mit einem Leergewicht von 11 150 Kilogramm, einer Flügelspannweite von knapp 11 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von Mach 2 (zweifache Überschallgeschwindigkeit) wirkt der imposante Jagdbomber neben dem Ferrari wie ein Gigant. Das rote Fliegengewicht bringt schließlich nur 605 Kilo auf die Waage - samt Fahrer und Benzin.

Während der F2003-GA beim Rennen wie an den Boden gezurrt über die Fahrbahn glitt, hielt es den Typhoon nur wenige hundert Meter auf dem Boden. Der Sieger wurde durch eine hoch empfindliche Messtechnik ermittelt, die auch in der Luft funktioniert. "Ich war dennoch sehr beeindruckt von der Beschleunigungsfähigkeit des Ferrari. Da würde ich auch gerne mal mit fahren", sagte Cheli.

Der Norditaliener ist in punkto Fliegerei ein alter Hase: Immerhin kann er bis heute 4000 Flugstunden in 50 verschiedenen Flugzeug-Typen vorweisen. 1996 war er der erste nicht-amerikanische Flugingenieur, der an einer Mission des Shuttles Columbia teilnahm - und raste damals mit Spitzengeschwindigkeiten von 24 000 Stundenkilometern durch den Weltraum. Italienische Medien nennen den Norditaliener schlicht "Top Gun".

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