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1. Bundesliga Augsburg stoppt den Mönchengladbacher Lauf


Die Partie gegen Augsburg wurde für Mönchengladbach zum Test erhoben: Sind die Fohlen bereits ein Topteam? Ohne den verletzten Marco Reus blieb das Überraschungsteam den Nachweis schuldig, der Aufsteiger siegte verdient mit 1:0 und verließ erstmals seit dem elften Spieltag wieder das Tabellenende.

Borussia Mönchengladbach wurde beim erneuten Sturm an die Tabellenspitze der Bundesliga jäh gestoppt. Ausgerechnet beim bisherigen Schlusslicht FC Augsburg kassierten die bisher so begeisternd aufspielenden Fohlen ihre vierte Saisonniederlage und reihen sich in der Spitzengruppe auf dem vierten Platz ein. Die von Mike Hanke schon mal als Ziel geäußerte Herbstmeisterschaft müssen sich die Gladbacher nun abschminken.

Der Aufsteiger verließ mit dem 1:0-Erfolg – gleichzeitig erst der dritte Saisonsieg überhaupt – den letzten Tabellenplatz und reichte die Rote Laterne an den SC Freiburg weiter. Für die vor allem kämpferisch überzeugenden Augsburger erzielte Jan-Ingwer Callsen-Bracker das Goldene Tor (51.).

Spielerisch wusste die Borussia nur in der Anfangsphase zu gefallen, den Nachweis, auch gegen schwächere Teams als Spitzenmannschaft auftreten zu können, blieben die Gladbacher schuldig.

Augsburg tappt ständig in die Abseitsfalle

Der Favorit musste wie schon am vergangenen Spieltag ohne Marco Reus auskommen, der gebrochene Zeh des Nationalspielers ließ weiterhin keinen Einsatz zu. Somit begann wieder Raul Bobadilla in vorderster Front neben Hanke, zudem ersetzte Thorben Marx den verletzten Harvard Nordtveit im defensiven Mittelfeld.

Die Borussia stand beim Aufsteiger vor der großen Aufgabe, erstmals in dieser Saison als absoluter Topfavorit in eine Partie zu gehen. Und das Überraschungsteam der Saison machte das in der ersten halben Stunde nicht schlecht, allerdings ohne die nötige Zielstrebigkeit in der Offensive. In der Abwehr stand Gladbach dagegen sehr gut, ließ die Augsburger immer wieder ins Abseits laufen und damit auch keine Torchancen zu.

Im Spiel nach vorne wurde es nur gefährlich, wenn Reus-Ersatz Bobadilla beteiligt war. Gleich in der Anfangsphase ging ein Schuss des Argentiniers knapp vorbei (3.), den Fernschuss von Hanke bereitete Bobadilla ebenfalls sehr gut vor (21.). Doch ansonsten tat sich die Borussia trotz optischer Überlegenheit und mehr Ballbesitz schwer, vor allem das ansonsten so schnörkellos funktionierende Umschaltverhalten stockte im ersten Durchgang.

Werner nimmt ter Stegens Geschenk nicht an

Die Augsburger wiederum offenbarten deutliche spielerische Mängel, aus dem Spiel heraus gelang dem Schlusslicht nicht viel. Trotzdem wäre der FCA nach 30 Minuten fast in Führung gegangen. Zunächst kam der für Daniel Brinkmann in die Startelf gerückte Torsten Oehrl nach einem Eckball zum Kopfball, das Leder strich aber knapp drüber.

Den anschließenden Abstoß bekam Marc-André ter Stegen von Tony Jantschke zurückgespielt. Der trotz seines Alters (19) stets souverän wirkende Keeper ließ sich von Tobias Werner irritieren und servierte Werner den Ball auf dem Tablett. Doch der Mittelfeldspieler wollte das vorweihnachtliche Geschenk nicht annehmen, rutschte aus und scheiterte mit seinem halbherzigen Schuss an ter Stegen. Da hatte die Borussia viel Glück, das taktische Konzept von Trainer Luvien Favre stand da auf der Kippe.

Bis zum Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Markus Schmidt gestaltete sich das Spiel dann offen, Augsburg traute sich etwas mehr zu. Wirklich Ansehnliches boten die 22 Akteure aber nicht mehr, viel spielte sich im Mittelfeld ab und Kampf war Trumpf.

Ein symptomatisches Tor

Was sich im Laufe der ersten Halbzeit andeutete, fand direkt nach der Pause seine Bestätigung. Die Gladbacher taten sich mit ihrer dominanten Rolle schwer, das Tor fiel nach einer Standardsituation. Callsen-Bracker legte sich den Ball nach einem Foul an Sascha Mölders an der Strafraumgrenze zurecht, der harte, aber unplatzierte Schuss wurde von Bobadilla abgefälscht und schlug neben dem dann chancenlosen ter Stegen ein (51.).

Damit hatten sich die Befürchtungen im Gladbacher Lager bestätigt. Ist die Mannschaft schon so weit, auch gegen tief stehende und kompakte Gegner ihr Spiel durchzuziehen? Nach diesem Spiel muss die Antwort eindeutig Nein lauten, viel zu schnell gingen die Bälle verloren, viel zu ungenau waren die Pässe und viel zu selten gab es die nötigen Überraschungsmomente.

Augsburg tat auch im weiteren Spielverlauf das, was von einem Aufsteiger in der derzeitigen Situation verlangt werden kann. Kämpferisch warf das Team von Trainer Jos Luhukay, der den Triumph gegen sein Ex-Team besonders genießen dürfte, alles in die Waagschale, die vielen langen Bälle brachten zwar keine Torgefahr, defensiv brannte aber nicht viel an.

Favres Wechsel bringen kein Glück

Favre hatte von seiner Offensivabteilung genug gesehen und brachte Igor de Camargo für den fleißigen, aber glücklosen Bobadilla (65.), für Patrick Herrmann kam Matthew Leckie zu seinem fünften Saisoneinsatz (70.). Doch am Spiel der Borussia änderte sich wenig, Leckie setzte mit einem Schuss ins kurze Eck immerhin eine kleine Duftmarke (73.).

Ansonsten passierte auf Gladbacher Seite nicht mehr viel, ein Freistoß von Hanke, den Jentzsch-Vertreter Mohamed Amsif locker festhielt (90.), war noch das Gefährlichste. Zum Abschluss der Hinrunde reist Augsburg zum Hamburger SV, die Gladbacher wollen das Jahr mit einem Heimsieg gegen den FSV Mainz beschließen. Eine Rückkehr von Reus würde dem Team dann sicher sehr gut zu Gesicht stehen.

Marcus Krämer

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