1. FC Köln Der Fremde aus der Schweiz soll's richten


Ein neues Gesicht in der Bundesliga: Überraschend hat der 1. FC Köln Hanspeter Latour als neuen Trainer präsentiert. Vor dem Schweizer liegt ein hartes Stück Arbeit - er soll den Verein vor dem Abstieg retten.

Der 1. FC Köln will das Unternehmen Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga mit einem großen Unbekannten angehen. Überraschend präsentierte der Tabellen-16. den Schweizer Hanspeter Latour als neuen Cheftrainer und Nachfolger von Uwe Rapolder, der am 18. Dezember entlassen worden war. Der 58 Jahre alte bisherige Coach von Grasshoppers Zürich erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2007. "Ich gehe mit großer Begeisterung an die Aufgabe und ich freue mich auf die Bundesliga", sagte Latour beim Amtsantritt.

"Auch, wenn er den Namen noch nicht hat, er wird sich einen machen. Ich bin von der Wahl hundertprozentig überzeugt", erklärte Kölns Manager Michael Meier, der bei seiner ersten wichtigen Amtshandlung gleich mit einem unerwarteten Coup aufwartete. Eingefädelt hatte er die Verpflichtung bei einem Treffen über die Weihnachtstage mit Latour in Prag. "Danach bin ich mit einem sehr guten Gefühl nach Hause gefahren", berichtete Meier. Er hatte sich zudem bei Günter Netzer und Ottmar Hitzfeld - ihn hatte der ehemalige Dortmunder Geschäftsführer 1991 ebenfalls von den Grasshoppers als Trainer zum BVB geholt - Rat über den Nobody eingeholt. Ihr Urteil und das Auftreten des Schweizers gaben den Ausschlag, dass Latour aus einem Kreis von 21 Kandidaten ausgewählt wurde.

Ein Neuer für Kontinuität und Erfolg

Um Latour mit sofortiger Wirkung engagieren zu können, müssen die Kölner eine Ablösesumme nach Zürich überweisen. "Sie ist gering", sagte FC-Präsident Wolfgang Overath. Dass die Erwartungen dagegen am Rhein groß sind, weiß Latour: "Ich bin nicht der perfekte Mann, werde aber 24 Stunden für den 1. FC Köln arbeiten." Helfen wird ihn dabei sein Co-Trainer Thomas Binggli. "Ich weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist. Doch für mich ist es eine Herausforderung, in den 17 Finalspielen den Klassenverbleib zu schaffen."

Entscheidend bei der Latour-Wahl war für Meier, nicht nur einen "Feuerwehrmann" im Kampf gegen den Abstieg, sondern eine Lösung über den 30. Juni hinaus zu finden. Nach der enormen Trainierfluktuation bei den "Geißböcken" soll der Neue nun für Kontinuität und Erfolg sorgen. "Er ist begeisterungsfähig, leidenschaftlich, authentisch, Stress erfahren und hat die Kraft, Widerstände zu überwinden, die kommen werden", charakterisierte Meier den neuen Coach. "Ich hoffe, dass man ihm eine faire Chance gibt", meinte Overath. "Wir hätten uns die Geschichte auch einfacher machen können. Er hat in der Schweiz so viel vorzuweisen wie einst Hitzfeld."

"Wir sind doch kein Kindergarten"

Für den 1. FC Köln ist es nach Marcel Koller in der Saison 2003/04 der zweite Trainer aus der Schweiz und der insgesamt siebte in fünf Jahren. Latour betreute bislang ausschließlich Schweizer Vereine. Vor seinem Engagement bei den Grasshoppers, mit denen ihm die Qualifikation für den Uefa-Cup gelang, hatte er den Provinz-Club FC Thun an die Spitze der Super-League geführt. Zudem hatte er in Wil, Solothurn sowie als Assistent von Trainer Christian Gross beim FC Basel gearbeitet.

Nach der Lösung der Trainerfrage sind die Kölner nun bemüht, Ruhe in die Transfer-Turbulenzen um ihren Nationalstürmer Lukas Podolski zu bringen. Kölns Manager Michael Meier hatte dem Hamburger SV im Werben um "Poldi" ein Fehlverhalten gegen den Codex der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgeworfen. Dies wies HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann ("Wir haben den 1. FC Köln informiert") zurück. Beiden sollen laut "Hamburger Abendblatt" inzwischen miteinander telefoniert haben, um den Streit zu schlichten. Demnach werde Köln auf eine Beschwerde bei der DFL verzichten. Weitere Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt. "Wir regeln das intern. Wir sind doch kein Kindergarten", sagte Meier. Streitpunkt ist vor allem Zeitpunkt und Form der Kontaktaufnahme der Hamburger mit Podolski.

DPA DPA

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