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1. Runde DFB-Pokal: Hamburger SV patzt beim Karlsruher SC

Damit ist die Pokalsaison für den Hamburger SV schon gelaufen: Beim Karlsruher SC verloren die Hanseaten mit 2:4 - trotz zweimaliger Führung. Auch Nürnberg und Herha bekamen einen Dämpfer.

Kalt erwischt bei über 36 Grad: Der Hamburger SV hat sein Pflichtspieldebüt in der neuen Saison verpatzt und ist bei Pokal-Angstgegner Karlsruher SC in der ersten Runde ausgeschieden. Beim 2:4 (2:1) vor 16.138 Zuschauern im Wildparkstadion verspielten die Gäste zweimal eine Führung durch Marcus Berg (24. Minute) und Maximilian Beister (46.). Koen van der Biezen (31.), Selcuk Alibaz (58.), Martin Stoll (78.) und Elia Soriano (87.) drehten am Sonntag die Partie für den Fußball-Drittligisten. Karlsruhe behielt auch im dritten Pokal-Heimspiel gegen den HSV die Oberhand.

An seiner alten Wirkungsstätte setzte Ex-KSC-Profi und HSV-Trainer Thorsten Fink auf Neuzugang René Adler im Tor, vorne sollten der Schwede Berg und der Südkoreaner Heung Min Son für Gefahr sorgen. Beide Angreifer waren in der ersten Hälfte aber kaum zu sehen, beim 1:0 hatte Berg Glück. Marcell Jansen hatte sich auf links durchgesetzt und in den Rücken der Abwehr gepasst. Dort verstolperte Berg zunächst, schob den Ball aber doch noch an Dirk Orlishausen vorbei zur Führung.

KSC bleibt unbeeindruckt vom Rückstand

Scheinbar unbeeindruckt vom Rückstand kam der KSC im Anschluss besser in die Partie, vergab im fünften Pokal-Duell beider Clubs aber beste Chancen. Bei Temperaturen von über 35 Grad verordnete Schiedsrichter Bastian Dankert (Rostock) nach 27 Minuten eine kurze Trinkpause - vier Minuten später fiel dann der Ausgleich. Ein Diagonalpass von Hakan Calhanoglu, dessen Wechsel zum HSV fünf Tage vor dem Spiel bekanntgegeben wurde, brachte Danny Blum die Zeit für eine saubere Flanke. Koen van der Biezen hatte frei vor Adler per Kopf aus vier Metern keine Mühe.

Viel dringender als den 18 Jahre alten Mittelfeldmann braucht der Liga-Dino aus Hamburg aber mehr Stabilität in der Defensive. Rouwen Hennings stand nur Minuten nach dem Ausgleich frei vor Adler knapp im Abseits. Nach 38 Minuten hatte der Keeper dann Glück, dass der Schiedsrichter ein Foul am Schlussmann erkannt haben wollte - denn der Ball lag nach Martin Stolls Schuss im Netz.

HSV geht erneut in Führung

Nach 41 Minuten forderten alle KSC-Fans Elfmeter: Beister hatte im Zweikampf mit Alibaz das Bein stehen lassen - der Pfiff blieb aber aus. Als die Männer in den blauen Trikots gedanklich schon in der Halbzeit waren, erzielte der HSV die erneute Führung. Dennis Kempe unterlief einen langen Ball und Beister behielt alleine vor dem Tor die Nerven (46.).

Die Vorentscheidung verpassten dann erst Jansen (52.) mit einem Pfostenschuss und Jeffrey Bruma bei der folgenden Ecke mit dem Kopf. Das hatte Folgen: Alibaz zirkelte einen Freistoß aus 18 Metern zum Ausgleich ins Netz (58.). In der 78. Minute markierte Stoll nach einem Calhanoglu-Freistoß die erstmalige Führung, Soriano machte kurz darauf alles klar.

Nürnberg scheitert an Viertligist

Ein völlig verunsicherter 1. FC Nürnberg ist zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte im DFB-Pokal an den Amateuren des TSV Havelse gescheitert. 21 Jahre nach dem K.o. im Elfmeterschießen 1991 verlor der Bundesligaclub nach einer desolaten Vorstellung auch die angestrebte Revanche. Der niedersächsische Viertligist warf die favorisierten Franken am Sonntag verdient mit 3:2 (2:2, 1:1) nach Verlängerung aus dem Wettbewerb und bescherte dem Team von Trainer Dieter Hecking einen blamable Pflichtspiel-Premiere.

Eine Woche vor dem Bundesliga-Start machten die Havelser Spieler Christian Biermann (13. Minute), Patrick Posipal (60.) und Marc Marc Vucinovic (97.) mit ihren Toren das Nürnberger Debakel perfekt. Die 3500 Zuschauer im kleinen Wilhelm-Langrehr-Stadion trauten ihren Augen kaum. "Wir wollen unsere Chancen eiskalt nutzen", hatte TSV-Trainer Andre Breitenreiter vor dem Spiel mutig verkündigt. Das gelang seiner Mannschaft bei Temperaturen von mehr als 40 Grad auf dem Rasen ziemlich perfekt. Die Nürnberger Tore durch Alexander Esswein (7.) und Robert Mak (80.) konnten das erste Erstrunden-Aus seit 2001 nicht verhindern.

Alles gegeben - Hertha fliegt trotzdem raus

Nach dem Fehlstart in der 2. Bundesliga hat sich Hertha BSC Berlin auch im DFB-Pokal blamiert. Der Bundesliga- Absteiger verlor am Sonntag mit 1:2 (0:1) beim Regionalligisten Wormatia Worms und flog damit bereits in der ersten Runde aus dem Wettbewerb. Romas Dressler erzielte in der 82. Minute den Siegtreffer für den Außenseiter, der zum ersten Mal seit dem 16. Oktober 1982 (2:0 gegen KSV Baunatal) wieder ein Spiel im DFB-Pokal gewann. Tim Bauer hatte den Viertligisten bereits in der dritten Minute per Foulelfmeter in Führung gebracht, Sandro Wagner (64.) zwischenzeitlich für Hertha ausgeglichen.

"Durchatmen, nach Hause fahren, weitermachen. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Partie gegen Regensburg", sagte der Berliner Sportdirektor Michael Preetz. Auch Trainer Jos Luhukay verzichtete im Gegensatz zur Punktspiel-Niederlage beim FSV Frankfurt darauf, verbal auf seine Mannschaft einzuprügeln. "Ich weiß, dass Sie etwas Negatives hören wollen, aber damit bediene ich Sie nicht", sagte er zu den Journalisten. "Wir haben aus zahlreichen Chancen keinen Profit schlagen können. Sowohl Worms als auch wir haben alles gegeben."

Für Hannover 96 verlief hingegen alles nach Plan. Der Fußball-Bundesligist bezwang am sonntag bei tropischen Temperaturen den baden-württembergischen Oberligisten FC Nöttingen standesgemäß 6:1 (2:0). "Nöttingen hat uns das Leben sehr schwer gemacht", lobte Hannovers Trainer Mirko Slomka die sich tapfer wehrenden Badener. "Die waren in der Offensive sehr quirlig. Der größte Unterschied war die Effektivität vor dem Tor."

Sergio da Silva Pinto mit einem Doppelpack (27. und 32. Minute), Leon Andreasen (47.), Jan Schlaudraff mit ebenfalls zwei Treffern (54./83.)) und Konstantin Rausch (78.) erzielten die Tore für die Niedersachsen. Leutrim Neziraj glückte vor 3186 Zuschauern im Reutlinger Stadion An der Kreuzeiche den verdienten Ehrentreffer (53.). "Ich kann mich trotz der Niederlage ein bisschen freuen", sagte der Nöttinger Stürmer. "Ein Tor gegen einen Bundesligisten kann mir in meinem Leben keiner mehr nehmen."

Nöttingen musste mangels eines geeigneten eigenen Platzes ins knapp 90 Kilometer entfernte Reutlingen ausweichen. Dies erwies sich aber nicht als Nachteil. Wegen der Gluthitze legten beide Mannschaften mehrere Trinkpausen ein.

swd/DPA / DPA

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