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Affäre um John Terry: Fußball, Sex und eine Brünette

Es ist die schmutzigste Affäre, die Englands Premier League seit Langem gesehen hat: John Terry, Kapitän der Nationalmannschaft, hat mit der Ex-Freundin eines Teamkollegen eine Affäre gehabt. Die Insel ist in Aufruhr. Denn hinter allem steht die Frage: Kostet uns das den Weltmeistertitel?

Von Cornelia Fuchs, London

Die ganze Geschichte ist schon längst eine Staatsaffäre. Der Sport-Minister verkündet, dass das kein Verhalten sei für einen Nationalmannschafts-Kapitän, der "Verantwortung übernehmen muss für das Land". Kommentare überschlagen sich, ganze PR-Mannschaften wurden von jedem Beteiligten angeheuert und versorgen seit Tagen die britischen Zeitungen mit immer neuen Details.

John Terry, Chelsea-Spieler und bekannter Frauenliebling, hat mit der Ex-Freundin seines National-Team-Kollegen Wayne Bridge geschlafen und sie angeblich auch noch geschwängert. Er soll danach eine Abtreibung bezahlt haben und versuchte, die Geschichte per Gerichtsanweisung aus den Schlagzeilen zu halten. Das ist ihm nicht gelungen, und jetzt sitzt er in Dubai, wohin seine Frau mit zwei Kindern geflüchtet ist, und versucht diesmal, seine eigene Ehe zu retten.

Eine nationale Katastrophe


Wenn man den englischen Zeitungen glaubt, ist die ganze Sache kein Familiendrama, sondern eine Katastrophe. Die Weltmeisterschaft hat in England schon längst begonnen. Auf Werbepostern in London steht: "Denkt an 1966!", die Reisebeilagen der Zeitungen werben mit Südafrika-Spezial-Seiten und der Überschrift: "Kommt Deutschland verlieren sehen!". Und die ersten bösen Nazi-Sprüche über angeblich SS-schwarze deutsche Trikots gab es auch schon in der drittklassigen Boulevard-Zeitung "Daily Star", die ansonsten vor allem für luftige Schlagzeilen aus der englischen Luder-Welt bekannt ist.

Niemals zuvor, so jubilieren die Fußballkommentatoren, war das englische Team so gut aufgestellt, kein wichtiger Spieler ist verletzt, der italienischer Trainer Fabio Capello hat die Mannschaft im Griff. Und Südafrika liegt als Austragungsort den Engländern irgendwie näher als den Deutschen. Im Vergleich mit allen anderen europäischen Fans haben die Engländer bis jetzt die meisten Tickets erworben.

Und nun steht die Nation vor diesem unglaublichen Eigentor, das die Nationalmannschaft zu spalten droht. Teamkollegen des düpierten Wayne Bridge bei Manchester City trugen am Wochenende aus Solidarität bereits "Team Bridge"-T-Shirts. Der Riss durch die Fußballwelt geht tief. Die Zeitung "Guardian" stellte schon Rio Ferdinand gegen Frank Lampard auf. Ersterer versprach Wayne Bridge am Telefon seine Unterstützung. Frank Lampard dagegen zahlte mit Terry im September 2001 eine ordentliche Geldstrafe, nachdem sie gemeinsam betrunken eine Gruppe amerikanischer Touristen belästigt hatten.

Terry seit Jahren der böse Bube


Überraschend kommt die ganze Affäre kaum - John Terry ist schon seit Jahren der böse Bube des britischen Fußballs. Seine Frau Toni soll er in den elf Jahren der Beziehung mit mindestens zwölf Frauen betrogen haben - darunter mit einem Teenager auf dem Rücksitz seines Bentleys, mit einer Dame auf Krücken in einer Nachtclub-Toilette und einer weiteren Blondine ausgerechnet im Haus seines wohl inzwischen Ex-Freundes Wayne Bridge.

Mit dem hat er auch fast 15.000 Euro innerhalb von drei Stunden bei Pferderennen verwettet und ansonsten nette Familienausflüge für die Kameras der Papparazzi inszeniert, inklusive Zwillings-Sohn und -Tochter, Frau Toni und Jetzt-Ex-Liebhaberin-Vanessa, die damals noch mit Bridge liiert war. Es ist die Freundschaft der beiden Männer im Auge des Sturms, die nun für die besonderen Umstände sorgt.

Die ganze Affäre spielt sich in der sehr eigenen Welt der englischen WAGs ab, der "Wife and Girlfriends", der besseren Hälften der englischen Fußballelite. Wer wie John Terry in der Woche mehr als 150.000 Euro verdient, hat sich in Großbritannien eine Trophy-Wife verdient, eine Trophäe am Arm. Fast alle sind blond und teuer onduliert, manikürt und dünn wie Victoria Beckham. In Deutschland traten diese Damen in Baden-Baden anlässlich der Weltmeisterschaft zum Einkaufs-Wettbewerb an.

Die WAGs sind allgegenwärtig


Die WAGs sind in den Boulevard-Zeitungen so allgegenwärtig, dass Mädchen inzwischen schon die Karriere der Fußballer-Ehefrau anstreben. Es locken Handtaschen im Wert eines Familien-Autos und riesige Häuser mit bewachten Auffahrten. Die Journalistin Alison Kervin recherchierte monatelang in den Kreisen der Fußballer-Blondinen und fand vor allem, entgegen aller netten Familienfotos, eines heraus: diese Welt sei "eindimensional, einsam und unglücklich." In Nachtclubs können Freundinnen oder Ehefrauen der Stars noch nicht einmal zum Klo gehen, ohne dass ein Kampf im Pulk der lauernden Möchtegern-WAGs ausbricht, wer als erste auf dem Schoß des Stars sitzt und seine Handynummer abgreifen kann.

Die Familien Bridge und Terry galten da als Ausnahme, die Frauen waren ebenso befreundet wie die Fußballstars. Bisher waren es Außenseiterinnen, die zum Beispiel David Beckham in Schwierigkeiten mit der Ehefrau brachten. Doch jetzt wird offensichtlich sogar innerhalb des eingeschworenen Kreises der WAGs betrogen.

Terrys Sex-Eskapaden kommen ausgerechnet zu einer Zeit, in der der englische Fußball seiner Vorbildrolle gerecht werden will. Der Vorsitzende des Fußballverbandes, Lord Triesman, formulierte in einer schönen Broschüre passioniert, dass der Fußball ein "großartiger Botschafter" sein solle an die Nation und "die besten sozialen Werte" inspirieren werde "durch ehrbares persönliches Verhalten."

Wie diese Sätze mit dem Verhalten John Terrys in Einklang zu bringen sein werden, konnte der Fußballverband in den vergangenen Tagen nicht erklären. Stattdessen übergaben sie das Problem ziemlich feige an Nationaltrainer Fabio Capello, der nun die englischen Weltmeisterschafts-Sieg-Hoffnungen retten soll. Capello erholt sich gerade von einer Knie-Operation in der Schweiz. Er soll, so heißt es, von der ganzen Geschichte wenig beeindruckt sein. Eine Entscheidung über die Zukunft Terrys, ließ er verlauten, werde er nach seiner Rückkehr am Donnerstag treffen.

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