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Bayern-Hauptversammlung: Kein klares Pro-Hitzfeld-Signal

Die Stimmung wird frostiger: Auf der mit Spannung erwarteten Jahreshauptversammlung der Bayern kündigte Vorstandsboss Rummenigge an, sich auch künftig in die Belange des Trainers einzumischen. Ob Ottmar Hitzfeld sich einen derartigen Eingriff in seine Kompetenzen gefallen lassen wird, erscheint ungewisser denn je.

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge reichte dem gefeierten Ottmar Hitzfeld "symbolisch" die Hand, aber das Verhältnis zum beliebten Trainer des FC Bayern München bleibt angespannt. Zwar suchte Rummenigge auf der Jahreshauptversammlung des mit einer Umsatz-Bestmarke von 225,8 Millionen Euro und einem Rekordgewinn von 18,9 Millionen Euro glänzenden Bundesliga-Krösus öffentlich den Schulterschluss mit dem Übungsleiter, als er nach seiner jüngsten Trainer-Schelte verkündete: "Mir ist der Kragen geplatzt. Aber ich bin auch der Erste, der zu Ottmar sagt: 'Vergiss es'. Wir sorgen jetzt gemeinsam dafür, dass die Dinge hier wieder anders laufen."

Der Umgang der Bayern-Führung mit dem bislang unantastbaren Trainer aber hat sich geändert, Hitzfeld soll sich mehr Kontrolle und Einmischung gefallen lassen. "Ich betone ausdrücklich, dass bei uns nur ein Mann für Training, Taktik und Aufstellung verantwortlich ist: Ottmar Hitzfeld", rief Rummenigge am Montagabend in den mit 1105 Mitgliedern gefüllten Saal auf dem Münchner Nockherberg. Die Brisanz verbarg sich im Nachsatz, als er nach der missglückten Rotation des Trainers bei den letzten zwei Spielen gegen die Bolton Wanderers (2:2) und beim VfB Stuttgart (1:3) hinzufügte: "Aber ich denke, dass es nicht unklug ist, bei gewissen Entscheidungen die Verantwortlichen im Vorfeld mit einzubeziehen und mit ihnen zu diskutieren."

"Kaiser" bemüht sich als Moderator

Ob Hitzfeld sich einen derartigen Eingriff in seine Kompetenzen gefallen lassen wird und seine Zukunft über die Saison hinaus noch in München sieht, erscheint ungewisser denn je. Der Trainer äußerte sich am Montagabend nicht. Tief blicken ließ aber, dass er Rummenigge bei einer gemeinsamen Aussprache am Mittag gefragt hatte, ob dieser "ein Problem damit hätte", wenn er auf der Versammlung erscheine. "Du bist immer willkommen", entgegnete der Bayern-Chef, der weitere Gespräche mit dem Coach ankündigte. Ein klares Pro-Hitzfeld-Signal in Form einer Absichtserklärung zur Vertragsverlängerung gab es nicht. "Wir werden im Januar die Dinge besprechen und keinen Tag früher", erklärte Rummenigge kurz und unverbindlich nach der Versammlung.

Während Manager Uli Hoeneß in der Trainer-Debatte weiterhin schwieg, bemühte sich Franz Beckenbauer als Moderator. Der "Kaiser" zeigte Verständnis für Rummenigges Unmutsäußerungen, aber zugleich auch für Hitzfelds Rotations-System. Den langanhaltenden Applaus der Mitglieder gönnte der Vereinspräsident dem Coach: "Ich denke, Ottmar, der Beifall tut dir gut - und den hast du auch verdient", rief Versammlungsleiter Beckenbauer vom Podium aus Hitzfeld zu. Der Präsident sieht in Hitzfeld weiter "einen großartigen Trainer und genau den Richtigen, der eine solche Weltauswahl betreuen kann".

"Finanziell extrem stark"

Angesagt beim FC Bayern bleibt jedoch "bayerische Streitkultur", wie Rummenigge ankündigte: "Sie hat uns stark gemacht, weil wir hier die Dinge nicht aussitzen." Nach der Rekordinvestition von 70 Millionen Euro in neue Spieler sind Erfolge Pflicht. "Wir haben wahnsinnig viel Geld investiert. Wir haben nicht nur eine Mannschaft, die Meister werden kann, sondern Meister werden muss", betonte Rummenigge, der den FC Bayern im Kampf gegen die gesamte Bundesliga sieht: "Wir spielen in diesem Jahr nicht nur gegen den Gegner am Samstag, sondern gegen die ganze Republik." Allen Gegnern und Bayern- Jägern versprach der Vorstandsvorsitzende kämpferisch: "Wir werden die Herbstmeisterschaft unter dem Tannenbaum feiern."

Dafür packen die Verantwortlichen nach Jungstars wie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski nun auch Hitzfeld härter an. "Wenn Dinge zu diskutieren sind, werden wir sie diskutieren - basta", sagte Rummenigge: "Ich bin nicht immer ein angenehmer Mensch." Die neue Vereinspolitik, mit teuren Stars wie Franck Ribéry oder Luca Toni den Erfolg zu suchen, muss Früchte tragen und soll konsequent fortgeführt werden. Geld genug ist da, auch ohne Champions-League-Teilnahme. "Wir sind weiterhin finanziell extrem stark", betonte Rummenigge.

Welches Reizklima beim FC Bayern herrscht, bewies ein Wutausbruch von Hoeneß. Fans, welche die "schlechte Stimmung" in der Münchner Arena beklagten und sich nur noch als "Kunden" fühlen, kanzelte der Manager erbost ab: "Was glaubt Ihr denn, wer Ihr seid?!", schrie Hoeneß erregt, sprach von "populistischem Scheiß" und sah den Vorstand zu Unrecht angegriffen: "Es kann doch nicht sein, dass wir kritisiert werden, die wir uns hier jahrelang den Arsch aufreißen."

DPA/kbe

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