HOME

Bayern München: Klinsmann staucht Bayern-Stars zusammen

Jürgen Klinsmann ist der Kragen geplatzt: Nach der desolaten Vorstellung seines Teams gegen den VfL Wolfsburg hat der Bayern-Trainer scharfe Kritik an den Spielern geübt. Am Ende der Saison werde schonungslos abgerechnet, sagte Klinsmann.

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gingen nach dem größten Debakel seit Jahren auf Tauchstation, der Trainer mit "Wut" auf Angriffskurs. In der Nacht nach der Demütigung des FC Bayern München beim VfL Wolfsburg spulte Jürgen Klinsmann lange das Video-Band mit den haarsträubenden Fehlern hin- und her, am Morgen danach knöpfte sich der 44-Jährige dann die Versager vom 1:5 vor. "Mir ist wichtig, dass jeder begreift, was auf dem Spiel steht: Das Jahr 2009 des FC Bayern, die Zukunft des FC Bayern", sagte Klinsmann am Sonntag. Während den Bayern-Fans drei Tage vor dem Champions-League-Spiel beim FC Barcelona Angst und Bange um den taumelnden Club werden dürfte, präsentierte sich Wolfsburg mit Triumphator Felix Magath titelreif und nahm erstmals in dieser Saison den ersten Tabellenplatz ein.

Die Demontage der Bayern dürfte dem starken Mann des VfL neben purer Freude über die Tabellenführung auch eine späte Genugtuung für die Entlassung an der Isar vor gut zwei Jahren trotz zweier Meisterschaften und Pokalsiege verschafft haben. Zwar sieht Magath seinen Ex-Club immer noch als Titel-Favoriten Nummer 1, aber in einer Form wie der am Samstag ist der VfL nur schwer von der Spitze zu verdrängen. "Wenn wir so weiter spielen, ist die Meisterschaft drin", schwärmte Grafite nach seinem Treffer zum 5:1 der Marke "Tor des Jahres". Der Brasilianer tanzte die halbe Bayern-Abwehr aus und versenkte den Kullerball frech mit der Hacke im Tor.

Wie wild gewordene "Wölfe" tanzten die Wolfsburger vor ihren vom Titel träumenden Fans umher, Krisenbewältigung war dagegen bei den Bayern angesagt. Die Angst geht beim deutschen Rekordmeister um, am Ende mit leeren Händen dazustehen, gar wie vor zwei Jahren die Champions-League-Teilnahme zu verspielen. "Es gibt ein paar Parallelen zur Vergangenheit, als 2006 das Double gewonnen wurde und man dann gemeint hat, alles ist ein Selbstläufer. Das hat Felix seinen Job gekostet und Ottmar wurde Vierter und musste Uefa-Cup spielen", warnte Klinsmann, der weiß, dass auch sein eigenes Projekt auf dem Prüfstand steht.

Wenn die Bayern-Bosse schweigen ist das kein gutes Zeichen, aber noch hat der FC Bayern die Chance, alles zum Guten zu Wenden. Deshalb war Ruhe am Sonntag auch das oberste Gebot an der Säbener Straße; nur Mark van Bommel meldete sich zu Wort. "Wenn man so auftritt wie in Wolfsburg, braucht man nirgends hinzufahren", sagte der Kapitän, der der Trainerkritik kurz vor dem Königsklassen-Knaller gegen "Barca" zustimmte. "Bei den Bayern stehen alle Alarmleuchten auf Rot", schrieb das in Barcelona erscheinende Fachblatt "Sport" am Sonntag.

"Ich habe immer den Kopf hingehalten, wenn ein Spiel verloren wurde. Jeder Spieler muss Verantwortung tragen und den Kopf hinhalten", forderte Klinsmann mit einer "Wut, die in einem kocht" und kündigte am Saisonende eine schonungslose Abrechnung an. "Spieler müssen wissen, dass es irgendwann mal Konsequenzen geben kann. Am Saisonende ziehen wir ein Resümee, wer hat die Arbeit gut gemacht und wer weniger gut gemacht."

Lange machten die Bayern die Arbeit in Wolfsburg ordentlich, bis sie regelrecht vorgeführt wurden. Dem Führungstreffer von Christian Gentner (44.) konnte Bayern den letztlich nichtigen Ausgleich von Luca Toni im Gegenzug noch entgegen setzen. Nach dem Seitenwechsel traf Wolfsburgs Torfabrik dank Edin Dzeko (63./65.) mit seinen Saisontoren 14 und 15 sowie Grafite (74./77.) mit den Treffern 19 und 20 wie am Fließband. Das Spektakel animierte 30.000 prächtig gestimmte VfL-Anhänger in der prall gefüllten Volkswagen Arena endgültig zu Meisterschaftsgesängen. "Wir haben eine super zweite Halbzeit hingelegt. Über die Meisterschaft brauchen wir aber im Moment noch nicht zu reden", befand Magath.

Kritik gab es aus München an Magaths in der Schlussphase vorgenommenem Torwartwechsel von André Lenz für Stammkeeper Diego Benaglio in der 89. Minute. "Ich finde das respektlos, weil Magath auch hier gearbeitet hat. In meinen Augen ist das eine Demütigung, schlimmer geht es fast nicht", sagte van Bommel. Unverständlich für den VfL-Trainer, der damit Lenz danken wollten. "Van Bommel sollte sich besser um seine eigene Leistung kümmern", sagte Magath der "Welt".

Gert Glaner und Christian Kunz/DPA / DPA

Wissenscommunity