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Borussia Dortmund: Muntermacher für die Lammfrommen

Wenn Thomas Doll am Ostermontag seinen 41. Geburtstag feiert, kann der neue Trainer von Borussia Dortmund zufrieden sein. Nach sechs Pleiten in Folge zeigten die Dortmunder gegen Aachen wieder Biss - Dolls Strafmaßnahmen vergangene Woche hatten den gewünschten Effekt.

Thomas Dolls Muntermacher-Qualitäten offenbarten sich gleich doppelt. Aus dem Pflegefall Borussia Dortmund machte der neue Chefcoach im dritten Anlauf endlich einen Kandidaten auf eine weitere Saison in der Fußball-Bundesliga. Und aus lammfrommen BVB- Profis wurden beim 4:1 (1:0)-Erfolg bei Alemannia Aachen heißblütige Kämpfer - ohne Rücksicht auf fremde oder eigene Verluste. Christian Wörns lebte die neue Aggressivität beim einstigen Weltpokalsieger mit dem 1:0-Führungstreffer (14. Minute) und einem spektakulären "Handstreich" gegen den eigenen Torwart Roman Weidenfeller vor.

In der Harmonie des ersten Dortmunder Auswärts-Dreiers nach sechs Pleiten und des Verlassens der Abstiegsplätze taten die Beteiligten das vor 20 800 Zuschauern im ausverkauften Tivoli-Stadion Geschehene leichthin ab. Man sei eben emotional, aber man liege sich nach einem solchen Erfolg auch in den Armen, sagte Wörns, der eine Berührung von seiner Hand und Weidenfellers Gesicht abstritt: "Ich habe ihn nicht geschlagen." Auch der heftig Angegangene spielte alles herunter. "Das war keine Tätlichkeit. Es gibt Sachen, die dazu gehören", schilderte Weidenfeller die Situation in der 78. Minute.

Dolls erster Bundesliga-Sieg seit 167 Tagen

Da war nach den Dortmunder Treffern durch Wörns, den Schweizer Torjäger Alexander Frei (54./58.) und den Brasilianer Tinga (62.) bei einem Aachener Gegentor von Vedad Ibisevic (63.) längst alles entschieden. Und Doll konnte nach 167 Tagen Pause seinen ersten Trainer-Erfolg seit dem 2:1 mit dem Hamburger SV in Leverkusen am 22. Oktober 2006 auskosten. "Ich genieße diesen Moment, klar. Es ist ein angenehmes Wochenende." Er wollte durchatmen, seinen 41. Geburtstag am Ostermontag genießen und einfach abschalten.

Das hatte sich der Neue vom Dortmunder Borsigplatz nach eigener Einschätzung verdient: "Alles das, was wir in dieser Woche getan haben, war richtig." Und zwischen dem 0:1 von Bielefeld und dem höchst souveränen Auftritt auf dem Tivoli, der mit dem höchsten BVB-Auswärtssieg seit fast fünf Jahren zu Ende ging, lagen Welten. Man habe sich kritisch hinterfragt, er habe an sein Team geglaubt, die Einstellung der Spieler sei befreit gewesen, hielt Doll fest. Und sein Coup mit der Degradierung und Wiederaufnahme von Florian Kringe beeindruckte, weil sich Kringe völlig anders präsentierte.

"Das Wasser stand bis zum Scheitel"

"Er hat absolut eine gute Antwort gegeben. Diese Reaktion war sehr gut", lobte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Spieler. Und Sportdirektor Michael Zorc atmete tief durch: "Uns stand das Wasser ja nicht nur bis zum Hals, sondern bis zum Scheitel." Die mit einem Fäkal-Ausdruck bedachte Mentalität der Mannschaft nach der Pleite von Bielefeld wich Zorcs vorübergehender neuer Einschätzung: "Die Mannschaft hat erstklassig gespielt, und auch die Mentalität war erstklassig." Bei der Alemannia war davon nichts zu sehen. Chefcoach Michael Frontzeck sprach von einem "Scheißspiel" - verständlich nach der frühen Verletzung von Keeper Stephan Straub und dem ausgebliebenen Handelfmeter nach einer von Referee Wolfgang Stark nicht geahndeten Rettungsaktion des Dortmunders Dede (75.). "Wieder ist ein Elfmeter für uns nicht gegeben worden. Man muss sich hinterfragen, ob das mit rechten Dingen zu geht. Das ist langsam albern", erboste sich Frontzeck.

Auf Torhüter Stephan Straub muss Frontzeck wahrscheinlich für die restliche Saison verzichten. Der 36 Jahre alte Keeper zog sich gegen Dortmund eine Überdehnung des vorderen Kreuzbands sowie des Innenbands am linken Knie zu.

Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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