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Borussia Dortmund spielt 2:2 gegen Real Madrid Ein gefühlter Sieg - trotz Özil


Auch wenn Mesut Özil dem BVB die ganz große Party verdarb: Dortmunds 2:2 bei Real Madrid war ein großer Schritt in Richtung Champions-League-Achtelfinale. Der BVB ist international gereift.
Von Klaus Bellstedt

Im Bernabeu-Stadion von Madrid gibt es einen Ehrenkodex. Für die Gäste der Ehrentribüne. Denen wird vor jeder Begegnung der Königlichen freundlich aber bestimmt mitgeteilt, dass sie doch bitteschön bei Toren für ihre Mannschaft zwar klatschen dürften, ausgelassenes Jubeln aber nicht erwünscht sei. Real Madrid halt. Als Mario Götze praktisch mit dem Halbzeitpfiff unter gütiger Mithilfe des Verteidigers Alvaro Arbeloa das 2:1 für Borussia Dortmund erzielte, mussten sich hoch oben auf der Tribüne BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sowie Club-Präsident Reinhard Rauball arg zusammenreißen, um nicht gegen diesen merkwürdigen Kodex zu verstoßen. Sie fügten sich schließlich - aber ihr Grinsen sprach Bände.

Es war eine grandiose Show, die der deutsche Meister in der Kathedrale des internationalen Fußballs abzog - zumindest in der ersten Hälfte. Die Mannschaft von Jürgen Klopp ließ das torgefährlichste Team der Champions League einfach nicht zur Entfaltung kommen, stand sicher in der Defensive und zog ihr unnachahmliches, aber dabei immer bedachtes, Konterspiel auf. Marco Reus' Tor (28.) zur verdienten Führung war die Folge. Es war ein Treffer, wie ihn nur Reus erzielen kann. Aus vollem Lauf und mit einer sagenhaften Schusstechnik. Das Opernpublikum in Madrid verstummte vor Schreck. So selbstbewusst wie der BVB tritt hier eigentlich nur der FC Barcelona auf.

"Unfassbar gut"

Pepe (34.) gelang zwar kurze Zeit später der Ausgleich für Real, aber es zeichnete die Dortmunder an diesem Abend aus, nie nachzulassen - und selber weiter auf Sieg zu spielen. Wie eine Heimmannschaft eben. Dass dem BVB sogar noch kurz vor der Pause durch das Eigentor von Alvaro Arbeloa das 2:1 gelang, verwunderte nicht. Das Wie war zwar ein bisschen glücklich, die Entstehungsgeschichte dieses Treffers dafür umso beeindruckender. Weidenfeller, Lewandowski, Großkreutz, Götze: Vier Stationen reichten. Man kam beim Zuschauen kaum hinterher.

"In der ersten Hälfte waren wir unfassbar gut", bilanzierte hinterher ein ob des späten Ausgleichstores von Mesut Özil keinesfalls niedergeschlagener Jürgen Klopp. Und auch seine Kurzanalyse des zweiten Abschnitts traf den Nagel auf den Kopf: "Da waren wir dann einfach nur unglaublich leidenschaftlich." Natürlich kam Real nach der Pause enorm auf. Madrid dominierte, spielte teilweise tollen Kombinationsfußball und ließ mehrere klare Chancen aus. "Wir maßen uns auch nicht an, gegen Real in Madrid 90 Minuten Zauberfußball zu spielen. Mit dieser Art und Weise können wir sehr gut leben", sagte Kapitän Sebastian Kehl, der mit Schutzmaske über dem angebrochenen Nasenbein auflief. Die Mischung aus schön und leidenschaftlich, sie stimmte bei der Borussia. Genauso muss man in der Champions League spielen.

Remis gegen Amsterdam reicht

Wie selbstbewusst der BVB mittlerweile auch auf der großen internationalen Bühne auftritt, zeigt ein Beispiel aus der Nachspielzeit: Als Özil mit einem Freistoß in der 89. Minute der Ausgleich gelang, hätte wohl jeder Real-Gegner auf diesem Fußballplaneten auf Ergebnis halten gespielt. Nicht so der BVB. Schmelzer brach in der Nachspielzeit noch einmal bis zur Grundlinie durch und wurde erst von Essien im Strafraum grenzwertig gestoppt. Weiter, immer weiter, so hätte Olli Kahn diese Szene beschrieben.

Das 2:2 gegen Real ist für Borussia Dortmund ein großer Erfolg - trotz des späten Ausgleichs. Aber was noch viel wichtiger ist: Die Leistung aus dem Estadio Bernabeu macht Hoffnung für den weiteren Verlauf der Champions League. Mit acht Punkten nach vier Gruppenspielen ist der BVB weiter Tabellenführer der starken Gruppe D und kann mit einem Remis bei Ajax Amsterdam in zwei Wochen das Weiterkommen klar machen. Und dann dürfen auch die Clubbosse oben auf der Tribüne wieder ausgelassen jubeln.


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