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Bundesliga 2010/2011 Vuvuzela-Verbot in vier Stadien


Dieses Brummen im Ohr, das man niemals vergisst … Der sonore Vuvuzela-Lärm war das Begleitgeräusch zur Fußball-WM 2010. In einigen Bundesligastadien wurde die Tröte bereits jetzt verboten. Andere Klubs appellieren an die Vernunft der Fußballfans.

Die Religionsbehörde des Emirats Abu Dhabi hat den Gebrauch der "Teufelstrompete" zur Sünde erklärt, Mediziner warnen vor der "Tinitus-Tröte", und einige Klubchefs haben dem südafrikanischen Fan-Instrument nach der WM-Dauerbeschallung den Kampf angesagt: Dennoch könnte der dröhnende Vuvuzela-Sound auch Einzug in die Stadien der Fußball-Bundesliga halten. Rund fünf Wochen vor dem Start der 48. Saison sprechen sich zwar zahlreiche Vereinsbosse gegen die Vuvuzela aus, von einem Verbot halten die meisten aber nichts.

"Wir werden sie nicht verbieten, sondern appellieren an die Vernunft unserer Fans, die die Dinger hoffentlich gar nicht erst mitbringen", sagte der Präsident des FC St. Pauli, Stefan Orth. Darauf bauen auch die Verantwortlichen von Rekordmeister Bayern München. "Ich glaube nicht, dass unsere Fans daran denken, die Vuvuzelas einzuführen", erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger.

"Den Blödsinn können wir nicht gebrauchen"

Ähnlich sieht es Klubchef Stefan Kuntz vom 1. FC Kaiserslautern. "Wir sollten in der Bundesliga bei Liedern und Schlachtgesängen bleiben", meinte der Europameister von 1996. Noch deutlicher wird Vorstandsboss Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt: "Wir wollen keine Vuvuzelas. Eintracht lebt von der Kreativität und den Gesängen der Fans, da können wir den Blödsinn nicht gebrauchen."

Trotz der ablehnenden Haltung wollen die meisten Klubs vorerst kein Verbot für die Vuvuzela, nach der mittlerweile Pflanzen Haustiere und sogar Neugeborene benannt wurden, aussprechen. "Nur wenn plötzlich 50.000 in der Arena tröten, müsste man noch mal überlegen", erklärte Präsident Martin Kind von Hannover 96. Ein allgemeines Vuvuzela-Verbot in deutschen Stadien wird es ohnehin nicht geben. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) stellte zuletzt bereits klar, dass für Regelungen zum Mitführen der Tröten alleine die Klubs und die Stadionbetreiber zuständig sind. Klar ist die Rechtslage beim 1. FC Köln. Da die WM-Arena in einem Wohnviertel liegt, darf ein bestimmter Geräuschpegel nicht überschritten werden. Somit sind Vuvuzelas tabu.

Bremen verbannt die Blasinstrumente

Von der Möglichkeit des Verbots wollen der 1. FC Nürnberg (Verbot schon in der vergangenen Rückrunde), Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen Gebrauch machen. "Wir haben beschlossen, dass diese Dinger im Signal Iduna Park nichts verloren haben", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: "Sie sind nervtötend und ersticken die herrliche Geräuschkulisse in unserem Stadion."

Auch in Bremen sind die Blasinstrumente, deren Gebrauch im Extremfall sogar den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt, unerwünscht. "Der aufdringliche Sound der Tröten würde die gewohnte Stimmung in unserer Arena extrem negativ verändern", meinte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs: "So wie wir die afrikanische Fankultur akzeptieren, möchten wir aber auch, dass Fußball bei uns weiterhin mit all seinen Emotionen so rüberkommt wie wir ihn lieben. Wir sind sicher, dass die große Mehrheit unserer Fans Verständnis für das Verbot hat."

Beim Chef der ARD-Sportschau rennen die Nürnberger, Gladbacher, Dortmunder und Bremer mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. "Es würde mich freuen, wenn die anderen Vereine da nachziehen würden", erklärte der bei der WM als Kommentator eingesetzte Steffen Simon: "Im Stadion hat die Tröte nichts zu suchen. Das ist akustische Pyromanie." Die ARD musste wie die anderen übertragenden Sender bei der WM auf Technik setzen, um die Trötengeräusche deutlich zu vermindern.

Alexander Sarter/SID SID

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