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Bundesliga-Check: Hannover 96 Eingespielt und ausrechenbar


Hannover 96 landete in der letzten Saison sensationell auf Platz vier. So weit vorne werden die "Roten" nicht wieder landen. Aber auch nicht viel weiter hinten. Das Gesicht der Mannschaft ist gleich geblieben - auch wenn das nicht nur gut ist.
Von Klaus Bellstedt

Was ist neu?
Der Kader von Hannover 96 wurde von Manager Jörg Schmadkte klug verstärkt. Aber beim Überraschungs-Vierten der letzten Saison gab es ja auch gar keinen Grund für Panikkäufe. Stattdessen wurde für kleines Geld in die Breite investiert.

Ein interessanter Mann ist der Norweger Henning Hauger, der zuletzt bei Stabaek IF in seiner Heimat spielte und ganz nah dran an der Startelf sein soll. Mit der Verpflichtung des 26-Jährigen, der eine knappe halbe Million Euro kostete, hat Hannover 96 noch mehr taktische Möglichkeiten im Mittelfeld. "Ich bin sehr zufrieden, dass der Wechsel geklappt hat. Gerade in der zentralen Position vor der Abwehr wollten wir noch einen Spieler, der für unsere Herausforderungen in der kommenden Saison auch schon über internationale Erfahrung verfügt", kommentierte 96-Coach Mirko Slomka die Verpflichtung. Pinto und Schmiedebach sollten also gewarnt sein. Hauger lauert als Backup.

Christian Pander kam ablösefrei von Ligakonkurrent FC Schalke 04. Aber der frühere Nationalspieler mit der linken Klebe war oft und lange verletzt. Bleibt Pander gesund, kann er ein guter Ersatz für Christian Schulz auf der linken Abwehrseite werden.

Artur Sobiech ist der dritte namhafte Neuzugang der "Roten". Der Stürmer wurde für etwa 1,1 Millionen Euro von Polonia Warschau losgeeist und ist die lang gesuchte Verstärkung im Angriff. Offen ist allerdings, ab wann Sobiech seine Qualitäten unter Beweis stellen kann. Der Pole klagt über anhaltende Knie-Probleme und musste in der Vorbereitung mehrere Wochen aussetzen.

Was ist gut?

Hannover 96 geht perfekt eingespielt in die neue Saison - weil die erste Elf die alte ist. Jeder hat das Slomka-Prinzip, das auf bedingungslosen Konterfußball basiert, verinnerlicht. Neue Laufwege mussten nicht groß einstudiert werden. Die Hierarchie mit den beiden Führungsspielern Christian Schulz und Kapitän Steven Cherundolo an der Spitze bleibt intakt.

Gut ist auch, dass das neue Personal taktische Varianten zulässt. Ein Wechsel beispielsweise zum 4-2-3-1 ist problemlos möglich.

Und auch die Frühform stimmt: In der ersten Runde des DFB-Pokals feierte 96 einen ungefährdeten 6:0-Erfolg gegen Fünftligist Anker Wismar und knüpfte damit nahtlos an die starken Leistungen aus der Vorbereitung(u.a. beim 3:1 gegen Sunderland und.0:0 gegen Olympique Lyon) an. Apropos Vorbereitung: Moritz Stoppelkamp stellte in sechs Testspielen eine unfassbare Torquote aus: Der 24-Jährige erzielte 26 Tore. Wohl dem, der so einen Stürmer in der Hinterhand hat.

Was ist schlecht?

In der Eingespieltheit der Slomka-Truppe liegt auch eine Gefahr: Die Stärken der "Roten" sind ligaweit bekannt. Mit Konterfußball allein lässt sich von Hannover 96 kaum noch jemand überrumpeln. Und auch die Ausrechenbarkeit im Angriff ist ein Problem: Jeder Abwehrspieler weiß mittlerweile, dass Didier Ya Konan den Ball gern lange hält, um so den besser postierten Mitspieler mit einem genauen Pass in Szene zu setzen. Dass Stumpartner Mo Abdellaoue ein ähnlicher Typ ist, hat sich auch herumgesprochen. Es wird also darauf ankommen, dass Slomka die Gegner mit seiner Aufstellung und einer neuen taktischen Ausrichtung auch mal überrascht.

Abzuwarten bleibt darüber hinaus, wie Hannover die Doppelbelastung aus Bundesliga und Europa League stemmen wird. 19 Jahre nach der letzten Europapokalteilnahme spielt 96 wieder international. Die ganze Stadt fiebert dem ersten Auftritt in der Europa League entgegen. Es sollen Festtage werden. Darunter kann das Brot- und Buttergeschäft schnell leiden. Hält die Psyche? Und: Reicht die Kraft?

Das Gespann Slomka/Schmadtke ist sicher keine Traumkombination. Das Verhältnis war lange angespannt. Die beiden achten und respektieren sich mittlerweile. Aber die Mannschaft war ja auch erfolgreich. Bleiben die Siege aus, könnte es neuen Ärger geben. Nach dem Motto: Wer hat hier eigentlich das Sagen?

Was ist möglich?

Viel hängt vom Saisonstart ab. Hannover startet mit drei Heimspielen aus den ersten vier Partien. In die AWD-Arena könnte also schnell die Euphorie aus der letzten Saison zurückkehren. Oder eben auch nicht. Und dann kann das traditionell überkritische Publikum der "Roten" schnell zur Belastung werden.

Trotzdem: Auch weil das Gesicht der Mannschaft nicht verändert wurde und Hannover mit Abdellaoue und Ya Konan über zwei echte Knipser (das Duo erzielte letzte Saison 23 Tore) verfügt, erscheint eine Platzierung zwischen Platz sieben und zehn im Bereich des Möglichen.


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