Bundesliga-Check, Teil 12 Stuttgart - das schwäbische Pulverfass


Bis zum Start der Bundesliga stellt stern.de alle Bundesligisten vor und analysiert ihre Chancen vor der Saison. Der VfB hat sich eine Reihe von schwierigen Typen zugelegt. Lehmann, Boulahrouz, Simak - für Trainer Veh kommt es darauf an, mit ihnen eine stabile Mannschaft zu formen.
Von Nico Stankewitz

Aussichten: Der VfB ist an guten Tagen zu außergewöhnlichen Leistungen fähig. In der vergangenen Saison war das allerdings zu selten der Fall, so dass der Deutsche Meister des Vorjahres am Ende mit leeren Händen dastand. Zu den schwankenden Leistungen trug zweifellos das Torwartproblem bei, aber ob der alternde und wenig kritikfähige Jens Lehmann hier entscheidende Besserung verspricht, muss abgewartet werden. Im Laufe des vergangenen Jahres ist der ehemalige Nationaltorwart in der Torwart-Hierarchie bei Arsenal jedenfalls zunächst hinter den Spanier Almunia und später auch noch hinter den Polen Fabianski zurückgefallen. Ähnlich schwierige Fälle sind auch der Holländer Boulahrouz, der vor zwei Jahren eiskalt seinen Wechsel vom HSV zu Chelsea erpresste, und dabei sogar eine Verletzung simulierte und der Tscheche Jan Simak, der schon in Leverkusen und Hannover mehr durch Alkoholprobleme und Depressionen als durch guten Fußball auffiel. Alle drei Spieler haben großes Potenzial, aber nur wenige konstante Leistungsnachweise in jüngerer Vergangenheit aufzuweisen.

Neben den Neuzugängen gibt es im Team aber noch weitere Probleme. Mit Meira fehlt nicht nur ein Leistungsträger, sondern auch ein absoluter Führungsspieler der vergangenen Jahre. Ob der nette Hitzlsperger ihn als Kapitän wirklich ersetzen kann, ist fraglich. Pavel Pardo, der mexikanische Mittelfeldspieler, liebäugelt mit Angeboten aus seiner Heimat, aber ein Wechsel wurde von Manager Heldt – nicht gerade zur Zufriedenheit des Spielers - kategorisch ausgeschlossen. Und Gomez? Für Mario Gomez, den herausragenden deutschen Stürmer der vergangenen Bundesliga-Saison, hat der VfB angeblich ein 25-Millionen-Angebot aus München abgelehnt, aber der FC Bayern hat schon angekündigt, dass auch weiter Interesse besteht. Sollte ein weiteres Angebot dann zeitlich mit einer Schaffenskrise des Stürmers zusammenfallen (wie bei der Europameisterschaft), dürfte das erneut große Diskussionen auslösen – und Stuttgart ist auf Gomez angewiesen.

Trainer:

Armin Veh. Der Meistertrainer von 2007 hat ein schwieriges Jahr hinter sich und ein ebenso schweres vor sich. Der 43-Jährige setzt auf eine Mittelfeldraute und seinen Topstürmer Mario Gomez, aber er wird viele Baustellen zu bearbeiten haben. Veh gilt als distanziert und durchsetzungsfähig, aber er braucht auch wieder Erfolge mit dem VfB, sonst ist der Bonus des Meistertrainers bald aufgebraucht.

Neuzugänge:

Khalid Boulahrouz (Chelsea/5 Mio), Jan Simak (Jena/0,8 Mio), Martin Lanig (Fürth/0,6), Jens Lehmann (Arsenal), Clemens Walch (Salzburg/beide ablösefrei).

Die beste Elf:

Jens Lehmann (Deutschland/38), Ricardo Osorio (Mexiko/28), Khalid Boulahrouz (Niederlande/26), Matthieu Delpierre (Frankreich/27), Arthur Boka (Elfenbeinküste(25), Pavel Pardo (Mexiko/32), Roberto Hilbert (Deutschland/23), Thomas Hitzlsperger (Deutschland/26), Yildiray Bastürk (Türkei/29), Cacau (Brasilien/27), Mario Gomez (Deutschland/23).

Tipp von stern.de

: Stuttgarts Mannschaft ist ein Pulverfass. Spielerisches Potenzial ist fraglos vorhanden, aber es wird viel Ärger geben, was den Sprung zurück an die Spitze verhindert. Ein wechselvolles Jahr für den VfB. Platz 7.


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