Nationalmannschaft Lehmann tritt zurück


Nun ist es amtlich: Torhüter Jens Lehmann beendet seine Karriere im Nationaltrikot und konzentriert sich in Zukunft auf seinen neuen Verein, den VfB Stuttgart. Bundestrainer Jogi Löw muss sich nun um eine Nachfolger kümmern. Zwei Kandidaten stehen bereit.

40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien hat Torhüter Jens Lehmann den erwarteten Strich unter seine Karriere in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gezogen. Der 38- Jahre alte Torwart traf diesen Entschluss am Freitag nach einem gemeinsamen Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw und Torwartcoach Andreas Köpke. Damit ist der Kampf um die neue Nummer eins im deutschen Tor endgültig eröffnet. Löw hatte bereits vor einer Woche erklärt, dass er sich im Falle von Lehmanns Rücktritt vorerst auf keine feste Hierarchie im DFB-Team festlegen wolle. Selbst eine Rückkehr des vor der Europameisterschaft ausgebooteten Timo Hildebrand schloss der Bundestrainer nicht aus. Löw wird am Dienstag seinen Kader für das erste Länderspiel nach der EM in Nürnberg gegen Belgien bekanntgeben.

Lehmann gibt Löw keine Garantie

"Ich konnte dem Bundestrainer keine Garantie mehr geben, dass ich über das eine Jahr hinaus, für das ich beim VfB Stuttgart einen Vertrag habe, noch Fußball spielen werde", begründete Lehmann seine Entscheidung, die von vielen bereits unmittelbar nach der 0:1- Niederlage im EM-Endspiel gegen Spanien erwartet worden war. "Insofern habe ich ihm und Andreas Köpke vorgeschlagen, dass sie für die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr mit mir planen", sagte Lehmann. "Wir haben in der Beurteilung der Situation absolut auf einer Wellenlänge gelegen. Ich habe mich bei Jens für großartige Leistungen in der Nationalmannschaft bedankt", sagte Löw.

Der Bundestrainer hatte bei der EM an Lehmann, der am 18. Februar 1998 beim 2:0-Sieg gegen den Oman in Maskat sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gab, als Nummer eins im deutschen Tor festgehalten, obwohl der 61-fache Nationalspieler bei seinem damaligen Club FC Arsenal in London nur noch auf der Bank saß. "Er hat viel für den deutschen Fußball geleistet und war für mich stets ein wichtiger Ansprechpartner. Beeindruckt haben mich in unserer vierjährigen Zusammenarbeit bei der Nationalmannschaft vor allem die Führungsqualitäten von Jens", sagte Löw.

Elfmeter machen ihn unvergesslich

Dessen Vorgänger im Amt des Bundestrainers, Jürgen Klinsmann, hatte den gebürtigen Essener vor der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 zur Nummer eins gemacht und damit den langjährigen Stammtorhüter Oliver Kahn degradiert. Bei der WM hatte Lehmann als sicherer Rückhalt großen Anteil am erfolgreichen Abschneiden mit Platz drei. Vor allem im Viertelfinale gegen Argentinien bewahrte der frühere Schalker das DFB-Team im Elfmeterschießen mit zwei parierten Schüssen vor dem Aus. "Sicher wird unser Erfolg bei der WM 2006 dank des Elfmeterschießens gegen Argentinien immer eng mit seinem Namen verbunden bleiben", meinte Löw.

Lehmann begann seine Bundesligakarriere beim FC Schalke 04, für den er insgesamt 274 Erst- und Zweitligaspiele bestritt. Mit den "Königsblauen" gewann er 1997 den Uefa-Pokal. Nach einem halbjährigen Intermezzo beim AC Mailand wechselte er zu Borussia Dortmund, wo er 2002 Deutscher Meister wurde. Nach fünf Jahren beim BVB wagte Lehmann erneut den Sprung ins Ausland. Beim FC Arsenal wurde der für seine fußballerischen Fähigkeiten gelobte Lehmann auf Anhieb Stammkeeper und zog mit den "Gunners" 2006 ins Champions-League-Finale ein. Im Endspiel gegen den FC Barcelona (1:2) sah der Torhüter allerdings bereits in der 18. Minute die Rote Karte.

Nachfolge noch völlig ungeklärt

Wer Lehmann in Zukunft im deutschen Tor beerben wird, ist offen. Neben dem Hannoveraner Robert Enke und René Adler (Bayer Leverkusen), die bereits bei der EM im Kader standen, macht sich auch der derzeit verletzte Manuel Neuer vom FC Schalke 04 Hoffnungen auf den Platz zwischen den Pfosten. Auch Hildebrand, den Löw überraschend nicht mit zur EM in Österreich und der Schweiz genommen hatte, darf sich wieder Hoffnungen auf eine Nominierung machen.

DPA DPA

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