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Bundesliga im Check: Werder Bremen: Özil ist weg - na und!

Typisch Werder: Mesut Özil ist zwar weg, aber es jammert niemand. Warum auch? Die Grün-Weißen sind auch ohne den Mittelfeldregisseur gerade in der Offensive hervorragend besetzt. Weitere Top-Spieler stehen vor der Tür. Aber es gibt auch Problemfelder.

Von Klaus Bellstedt

Was ist neu?

Der Transfer von Mesut Özil zu Real Madrid hat frisches Geld an den Weserstrand gespült. 18 Millionen Euro hat Real Madrid angeblich an die Bremer überwiesen, aber Vereinsboss Klaus Allofs will die Schatulle vielleicht gar nicht mehr öffnen. Das sagt er zumindest in die Mikrofone. Aber wer den umtriebigen Manager kennt, der weiß, dass Allofs für den eingetretenen Fall der Fälle natürlich einen Plan B besitzt. Laut der meist sehr gut informierten "L'Equipe" haben die Bremer bereits ein Angebot in Höhe von acht Millionen Euro bei Olympique Marseille eingereicht - für den hoch eingeschätzten französischen Nationalspieler Hatem Ben Arfa. Ihm traut man - genauso wie Hunt und Marin - zu, Özil zu ersetzen.

Und dann wäre da noch der sich seit Wochen in der Schwebe befindene Transfer des Brasilianers Wesley vom FC Santos. Werder will, Wesley will, nur der Club zickt noch rum. Wesley ist ein eher defensiv ausgerichteter Spieler, also kein Özil-Ersatz, den das Erfolgsduo Allofs/Schaaf auch wegen seiner Flexibilität unbedingt verpflichten möchte. Man sieht: Die Personalplanungen bei Werder sind, zumal nach dem Özil-Weggang, noch lange nicht abgeschlossen - auch wenn nach außen kräftig dementiert wird. Aber das gehört zum Pokern nun mal dazu.

So richtig neu sind bei Werder bis zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nur zwei Spieler, von denen einer das Potenzial zu einem Hochkaräter besitzt: Marko Arnautovic. Der Transfer des Mittelstürmers, der für rund 6,5 Millionen Euro von Inter Mailand an die Weser wechselte, hat es jedoch in sich: Der Österreicher deutete in den bisherigen Testspielen bereits seine Klasse an, allerdings bleibt abzuwarten, wie charakterstark der 21-Jährige ist. Arnautovics Auftreten, seine Eigenwilligkeit ließen Kapitän Torsten Frings den Neuzugang bereits mehrfach öffentlich kritisieren. Zuviel Alarm mag man in Bremen nicht.

Neben Arnautovic wurde auch Felix Kroos, der von Hansa Rostock nach Bremen wechselte, unter Vertrag genommen. Der jüngere Bruder von Toni Kroos wurde eigentlich für die U-23-Auswahl der Grün-Weißen verpflichtet, absolvierte aber alle drei Trainingslager mit den Profis. Gut möglich, dass Kroos im A-Team seine Kurzeinsätze bekommt.

Was ist gut?

Werder Bremen steht in der Bundesliga wie kein anderer Club für bedingungslosen Offensivfußball. Daran wird sich auch in der neuen Saison wenig ändern. Das ist der Stil von Trainer Thomas Schaaf. Und daran wird auch der Abschied von Mesut Özil nichts ändern. Mit Marko Marin, Aaron Hunt, Marko Arnautovic, Claudio Pizarro und Hugo Almeida haben die Hanseaten die dafür nötigen kreativen Topspieler in ihren Reihen. Wenn noch jemand dazukommt: umso besser.

Einer der Entdeckungen der letzten Saison war der junge Philipp Bargfrede, ein bissiger Abräumer vom Schlage des italienischen Weltmeisters Gennaro Gattuso. Man darf gespannt sein, wie sich Bargfrede an der Seite von Torsten Frings im defensiven Mittelfeld weiterentwickelt. Im Grunde ist Bargfrede aufgrund seiner Spielanlage in Bremen schon jetzt unverzichtbar.

Auch die Innenverteidigung untermauert Bremens Champions-League-Ambitionen: Per Mertesacker und Naldo bilden eines der besten Duos der Liga. Allerdings bleibt abzuwarten, wann der Brasilianer seine hartnäckige Knieverletzung endgültig auskuriert hat. Im Tor steht mit Tim Wiese die Nummer 2 der deutschen Nationalmannschaft. Wiese ist ein echter Rückhalt, der das spektakuläre Torwartspiel pflegt.

Was ist schlecht?

Seit Jahren schlagen Werder-Fans über die Besetzung der linken Außenverteidiger-Position die Hände über ihren Köpfen zusammen. Bei allem Respekt für die glänzende Spürnase von Klaus Allofs bei anderen Transfers, hier greift der Manager regelmäßig daneben. In der Vergangenheit scheiterten die Fehleinkäufe Gustavo Nery, Jelle van Damme, Dusko Tosic und Aymen Abdennour teilweise kläglich. Auch Sebastian Bönisch fehlte in der letzten Saison die nötige Konstanz. "Da haben wir nicht die große Konkurrenz wie im Mittelfeld oder Sturm", kritisierte auch Schaaf bereits zu Vorbereitungsbeginn und fordert Verstärkungen. Ganz klar: Auf links herrscht bei Werder - traditionell - Notstand.

Wegen der Verletzung des Brasilianers Naldo könnte eine weitere Position zu einem Problemfeld werden. In der Innenverteidigung wird neben Per Mertesacker bis auf Weiteres der Österreicher Sebastian Prödl auflaufen. Ein hochaufgeschossener Defensivmann, der nicht eben für Schnelligkeit und technisch anspruchsvolles Spiel bekannt ist. Prödl ist ein Risikofaktor.

Was ist möglich?

Wer der Dreifachbelastung aus Meisterschaft, Pokal und internationalem Geschäft stemmen will und Titel sammeln möchte, der muss jede Position in der ersten Elf mit gleicher Qualität doppelt besetzen können. Die Bremer können das nicht. Nur wenn sie vom Verletzungspech verschont bleiben und die angestrebten Transfers klappen sollten, werden die Problemfelder gelöst. Dann ist, wie im letzten Jahr, Rang drei realisierbar.

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