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Transfer mit Folgen Debatte um Nübel-Wechsel zu den Bayern – ein Deal, bei dem am Ende alle verlieren werden

Alexander Nübel
Alexander Nübel sorgt mit seinem bevorstehenden Wechsel von Schalke zum FC Bayern weiter für Diskussionen
© Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images
Je länger man darüber nachdenkt, desto weniger Sinn macht diese Personalie: Dass Alexander Nübel von Schalke zum FC Bayern gehen wird, bringt alle Beteiligten mindestens kurzfristig in ungünstige Positionen.

Der FC Bayern München hat in der Vergangenheit schon häufiger Spieler verpflichtet, die er nicht wirklich gebrauchen konnte. Weil er damit einen direkten Konkurrenten schwächen wollte, zum Beispiel. Oder weil die Scouting-Abteilung mal wieder danebenlag mit der Einschätzung zu einem vermeintlichen Talent vom internationalen Markt – vergleiche Breno oder José Ernesto Sosa.

Und trotzdem macht die aktuelle Personalie, der Wechsel von Schalkes Torwart Alexander Nübel zum Rekordmeister im kommenden Sommer, bei näherer Betrachtung selbst für bayrische Verhältnisse besonders wenig Sinn. Genau genommen bringt der Transfer alle Beteiligten mindestens kurzfristig in ungünstige Positionen – denn er riecht streng nach einem Deal, bei dem am Ende alle nur verlieren können.

Alexander Nübel ist noch nicht mehr als ein Talent

Aus Sicht des Spielers handelt es sich um einen unnötigen Sprung ins Ungewisse. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber Nübels Engangement bei den Bayern kommt verfrüht. Im Gegensatz zu Manuel Neuer, der bei seiner Ankunft an der Säbener Straße anno 2011 bereits zu den weltbesten Torhütern mit reichlich internationaler Erfahrung gehörte, ist Nübel noch nicht mehr als ein vielversprechendes Talent.

Außerdem ist dieser Neuer immer noch die unumstrittene Nummer eins bei den Bayern und in dieser Funktion hat er bereits unmissverständlich angekündigt, dem neuen Konkurrenten freiwillig keine Einsatzzeit schenken zu wollen. Neuer argumentiert nach schweren Monaten im Anschluss an seine Verletzungspause 2018 inzwischen wieder aus einer Position der Stärke heraus, konnte er in den letzten Monaten doch zu alter Klasse zurückfinden. Zuletzt wurde der 33-Jährige auch in der kritischen "Kicker"-Rangliste des deutschen Fußballs wieder in der "Weltklasse" eingestuft.

Nach Lage der Dinge müsste Nübel sich hinter Neuer also für unbestimmte Zeit auf die Bank setzen. Warum tut sich ein junges Torwart-Talent diesen aussichtslos erscheinenden Konkurrenzkampf an – und verlässt dafür ein aufstrebendes Schalker Team, das sich unter dem neuen Trainer David Wagner realistische Hoffnungen auf den internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison macht?

Die Bayern holen sich mit Nübel vor allem einen potenziellen Keeper-Konflikt ins Haus. Wie oben erwähnt, ist Nübel noch nicht mehr als eine hoffnungsvolle Aktie auf die mittelferne Zukunft, die allerdings als Ersatz hinter Neuer nur wertvolle Entwicklungszeit verschenken könnte. Es scheint fast, als wären die Bayern der fantasielosen Erwartung aufgesessen, dass ein Schalker Torwart in München ja schon einmal gut funktioniert hat – dass man also mit Nübel als logischem Neuer-Nachfolger nichts falsch machen kann.

"Eine sehr kluge und strategische Entscheidung"

Oliver Kahn bezeichnete die Verpflichtung des ablösefreien U21-Torwarts bei seiner Vorstellung als neues Vorstandsmitglied der Bayern zwar wenig überraschend als "sehr kluge und strategische Entscheidung", machte gleich darauf aber die entlarvende Feststellung, dass Nübels Schritt "sehr mutig" sei, wobei "sehr mutig" in diesem Zusammenhang auch "sehr naiv" bedeuten könnte. "In einigen Jahren" sehe sich Nübel als absolute Nummer eins, so Kahn. 

In einigen Jahren? Das ist ein heikler Zeitraum. Denn innerhalb einiger Jahre hat bei Bayern schon so manches Talent seine ganze Karriere verspielt.


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