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Bundesliga-Check: 1. FC Köln Die verlorene Ehre des Lukas Podolski


Eine bärenstarke Rückrunde und ein vielversprechender neuer Trainer nähren beim 1. FC Köln Hoffnungen auf bessere Zeiten - wieder einmal. Doch der FC wäre nicht der FC, wenn er sich nicht schon wieder selber im Weg stehen würde.
Von Dieter Hoß

Was ist neu?

Beim 1. FC Köln ist in diesem Jahr der Trainer der Star - trotzdem dreht sich wieder alles um Lukas Podolski, Doch dazu später. Für rund 750.000 Euro hat Sportdirektor Volker Finke Stale Solbakken vom norwegischen Verband losgeeist. In der Branche gilt das durchaus als Coup. Denn Solbakken genießt hohes Ansehen. Der 43-Jährige kommt mit der Empfehlung, dem biederen FC Kopenhagen in der Champions League einige Reputation verschafft zu haben. Außerdem gilt der Norweger als gewiefter Taktiker, als Mann mit klaren Vorstellungen und als Coach, der aus einer Mannschaft nochmal die entscheidenden letzten Prozent herauskitzeln kann.

Genau das wird auch nötig sein, wollen die Geißböcke den guten Weg, den sie als Rückrunden-Sechste eingeschlagen haben, fortsetzen. Denn wegen klammer Kassen konnte kaum in die Mannschaft investiert werden. Immerhin: Vom VfL Wolfsburg kommt Sascha Riether, er wird auf der wichtigen Sechser-Position für Stabilität sorgen und hat auch Qualitäten in der Spieleröffnung. Dazu gesellt sich der albanische Mittelfeldspieler Odise Roshi und der eigene Nachwuchsstürmer Thiemo-Jerome Kialka. Das war's auch schon. Torhüter Michael Rensing und Verteidiger Christian Eichner (zuvor Hoffenheim) sind schon seit der Winterpause Stammspieler – und sorgten mit dafür, dass der FC bald den Abstiegskampf hinter sich ließ und nun nach vorne blickt. Schon seit einem Jahr in der Domstadt ist Mato Jajalo, der für die Kreativabteilung nun endgültig vom AC Sienna gekauft wurde.

Neu ist beim FC ansonsten noch der Mannschaftskapitän. Dass Pedro Geromel nun die Binde trägt und dabei vom Neuling Riether vertreten wird, ist deshalb erwähnenswert, weil es bedeutet, dass Trainer Solbakken damit als erstes die Kölner Gallionsfigur Lukas Podolski entmachtet hat – angeblich, um etwas Druck von Prinz Poldi zu nehmen.

Was ist gut?

Auch wenn es drei Trainer, viel Aufregung und Zank bedeutete: Die Veränderungen in der vergangenen Saison haben Verein und Mannschaft gut getan. Volker Finke hält das Heft fest in der Hand, das Müngersdorfer Stadion ist wieder zu einer Festung geworden, die auch Spitzenteams nur schwer einnehmen. Die Mannschaft hat sich gefestigt und eine sehr starke Rückrunde gespielt. Großen Anteil daran hatte neben dem aus der Versenkung geholten Ex-Bayern Michael Rensing vor allem der Sturm. Seit Podolski und Milivoje Novakovic nach langem Streit wieder miteinander können, zappelt der Ball häufiger im gegnerischen Netz. Mit 30 Treffern war der Kölner Sturm 2010/11 sogar der gefährlichste der Liga.

Was ist schlecht?

Was auch immer Stale Solbakken geritten hat, wer auch immer ihm geraten haben mag, Lukas Podolski als Mannschaftskapitän abzusetzen: Mit dieser Entscheidung hat er die fragile Ruhe in Köln beendet. Die Fans verstehen es nicht, und der Nationalspieler allem Anschein nach auch nicht. Es sei ihm stets eine Ehre gewesen, Kapitän des FC zu sein, bekundete er. Erste Gerüchte, er könne bei einem guten Angebot schnell weg sein, machen im Boulevard die Runde. Zudem muss sich der Star der Kölner wegen chronischer Beschwerden spätestens in der Winterpause einer Operation an den Atemwegen unterziehen. Das zerrt zusätzlich an den Nerven Podolskis, der um seine EM-Teilnahme fürchtet. Alles in allem unnötige Unruhe für eine Mannschaft, die sich gerade sehr gut entwickelt hat. Und: Solbakken hat damit zusätzlichen Druck aufgebaut, auch für sich selbst. Jetzt muss er sofort erfolgreich sein, sonst wird sich die derzeit zurückhaltende Präsidenten-Diva Wolfgang Overath wieder rühren. Dann wird es wieder rund gehen am Rhein, denn Sportdirektor Finke macht mit jeder Faser deutlich, dass er an typisch-kölschen Diskussionen nicht interessiert ist.

Ob mit oder ohne Podolski müssen die Kölner zudem an ihrer Auswärtsschwäche arbeiten. Nur zwei Siege in der Fremde, wie zuletzt, reichen nicht, um wie gewünscht nach vorne zu kommen.

Was ist möglich?

Kein geringerer als der Dortmunder Meistertrainer Jürgen Klopp traut den Kölnern zu, das Überraschungsteam der Saison zu stellen. Sollte sich die zuletzt sehr gute sportliche Entwicklung fortsetzen, könnte Klopp Recht behalten – im Idealfall bis hin zum Europa-League-Platz. Doch die neuen Querelen um Podolski zeigen, dass der Idealfall ein seltener Gast in Müngersdorf ist. Ohne Podolski, ja selbst mit einem lustlosen Prinzen spielte der Klub zuletzt stets gegen den Abstieg. Somit gilt auch für den FC das Kölner Grundgesetz: "Et kütt wie et kütt" - und meistens anders als gedacht.


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