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Bundesliga-Check: SC Freiburg: Wehe, Cissé geht noch

Er allein schoss den SC Freiburg in der letzten Saison auf einen glänzenden neunten Platz: Papiss Demba Cissé. Noch trainiert der 22-Tore-Mann im Breisgau. Aber sollte er gehen, wird es ganz schwer, die Klasse zu halten. Da hilft es auch nicht, einen Top-Keeper zwischen den Pfosten zu haben.

Von Klaus Bellstedt

Was ist neu?
Neu ist vor allem der Trainer: Marcus Sorg. Nach dem Weggang von Robin Dutt zu Bayer Leverkusen hat ein Nobody die sportliche Leistung beim SC Freiburg übernommen. Die Geschichte lehrt: Sorg wird, egal wie die Saison verläuft, in Ruhe arbeiten können. Der Verein setzt auf Kontinuität. In den letzten 20 Jahren gab es mit Volker Finke und Robin Dutt nur zwei Trainer für den Sportclub. Gute Aussichten für einen Novizen in der Bundesliga.

Investiert wurde aber auch in neue Spieler. In erster Linie ist da Garra Dembelé zu nennen. Der 25-jährige Stürmer kam von Levski Sofia und hat eine beeindruckende Torquote vorzuweisen: In der vergangenen Saison erzielte Dembelé 26 Tore.

Für die Innenverteidigung haben die Breisgauer den Schweizer Beg Ferati (24) aus Basel verpflichtet. Die in die Jahre gekommene Defensivabteilung um Routinier Heiko Burscher, das war schon in der Rückrunde der letzten Saison gut zu erkennen, hat Defizite in Punkto Schnelligkeit. Mit Ferati soll das jetzt besser werden. Die restlichen drei Neuen, Batz (20), Bickel (20) und Brandstetter (21) sind Perspektivspieler und weit weg von der Startelf.

Was ist gut?

Noch ist nicht sicher, ob Papiss Demba Cissé bleibt. Der SC fordert 15 Millionen Euro an Ablösesumme. Das schreckt (noch) viele Interessenten ab. Stand jetzt ist, dass der Angreifer auch heuer wieder für Freiburg auf Torejagd gehen wird. Und dann steht dem Club mit ihm und Neuverpflichtung Dembelé ein erstklassiges Angreiferduo zur Verfügung. Cissé schoss in der vergangenen Saison 22 Tore, oft waren es die entscheidenden Treffer. Dem Senegalesen ist zuzutrauen, diese Leistung zu bestätigen.

Im Tor garantiert Oliver Baumann weiter Top-Niveau. In der Vorbereitung präsentierte sich der U21-Nationalkeeper schon wieder in einer sehr guten Verfassung, so wie beim 2:1-Sieg gegen den FC Luzern. Baumann bleibt der große Rückhalt der Freiburger und wird auch in der kommenden Saison so manchen Punkt festhalten.

Gut drauf ist auch Daniel Caligiuri. Sorg hat dem offensiven Mittelfeldspieler beigebracht, seine enorme Schnelligkeit noch zielorientierter einzusetzen, seine Fehlerquote ist darüber hinaus deutlich geringer geworden. Und: Caligiuri trifft auch das Tor. Beim munteren Scheibenschießen im Test gegen Werder (Endstand 3:4) ließ er Bremens Verteidiger Wolf beim 1:1 alt aussehen und tunnelte Torhüter Wiese ziemlich abgezockt.

Was ist schlecht?

Die peinliche 2:3-Niederlage in der ersten Pokalrunde bei der SpVgg Unterhaching hat bewiesen: Spielt der Gegner schnell und direkt, gerät Freiburgs kompletter Defensivverbund schnell ins Wanken. Die Innenverteidigung ist anfällig. In der zweiten Hälfte, als das Spiel kippte, präsentierte sich die Mannschaft zudem ohne Leidenschaft und Aggressivität. Es fand sich auch kein Ideengeber im Mittelfeld. Dort fehlt ein erfahrener Leader, der den Ton angibt. Alles immer nur im Kollektiv aufzufangen, ist langfristig kein Mittel, um in der Bundesliga zu bestehen.

Was ist möglich?

Vieles hängt davon ab, ob Cissé den Club doch noch kurz vor Ende der Transferperiode verlässt oder nicht. Bleibt der Stürmer, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dem Abstieg zu entkommen. Geht der Stürmer, gehen im Schwarzwald die Lichter aus. Unabhängig von der Knackpunkt-Personalie: Für Freiburg steht, auch weil der Kader nur punktuell verstärkt wurde, vom ersten Bundesliga-Spieltag an Abstiegskampf auf dem Programm.

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