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Kommentar

Naht das Relegationstriple?: Der HSV ist wieder da, wo er hingehört - im Abstiegskampf

Das 0:3 beim BVB katapultiert den HSV wieder mitten in die rote Zone. Am Freitag wartet mit Bremen auch noch ein direkter Konkurrent, der den Hebel von brenzlig auf hochlodernd stellen könnte. Verdient hätte der HSV eine erneute Relegation allemal - inklusive Abstieg.

Der HSV-Spieler Gotoku Sakai kniet nach einer Niederlage seines Hamburger SV am Boden

Sinnbildlich für die aktuelle Situation bei den Rothosen: HSV-Spieler Gotoku Sakai am Boden. 

Der Hamburger SV steckt wieder knietief im Abstiegssumpf. Hatten sich die Hanseaten fast über die gesamte Saison geschickt durch die bedeutungslose Zone der Tabelle manövriert, wird es für die letzten vier Spieltage doch noch mal eng. Denn das 0:3 gegen den eigentlichen Lieblingsgegner Dortmund war in vielerlei Hinsicht ein gebrauchter Tag für Hamburg: drei Spieler verletzt, Keeper Adler mit Rot vom Platz und nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Zu allem Überfluss wartet nicht nur dort, sondern auch am kommenden Spieltag der ungeliebte Nachbar von der Weser, Werder Bremen. Am Freitag steigt das wohl brisanteste Nordderby seit Langem. Ein kochender Volkspark garantiert.

Dass die HSV-Fans nun wieder zittern müssen, geht auf das übliche Problem zurück: In der entscheidenden Phase der Saison haben Lasogga, Holtby und Co. die Rothosen voll. Nach 22 Punkten in der Hinrunde fuhr das "Urgestein der Liga" in der zweiten Hälfte der Saison bislang lediglich 12 Zähler ein, verlor vier der vergangenen fünf Spiele - darunter Niederlagen gegen Hoffenheim und Darmstadt. Überhaupt gewann der HSV in der Rückrunde gegen keinen direkten Konkurrenten (lässt man die lange schon aussichtslosen Hannoveraner außen vor). Die Vorzeichen gegen Bremen sind also - auch ob der Verletzungen von Müller, Ekdal und Lasogga - alles andere als gut. 

Schweres Restprogramm für den HSV

Und nach Bremen wird es nicht unbedingt leichter: Es folgt Mainz mit sehr akuten Europa-League-Ambitionen, Wolfsburg, das alle Spiele gewinnen muss, um eine Saison jenseits des internationalen Geschäfts vielleicht noch zu verhindern, und am 34. Spieltag steht mit Augsburg ein unangenehm zu spielender direkter Konkurrent im Abstiegskampf auf dem Plan. Noch ein "Sechs-Punkte-Spiel" also.

Wohlwollend könnte man also sagen: Hamburg hat alles in der eigenen Hand. Betrachtet man aber die vergangenen zwei Saison-Schlussphasen, so sollte jedem HSV-Fan angst und bange werden. 2012/2013 verlor des HSV einfach mal die letzten fünf Spiele in Folge - rettete sich mit zwei (unverdienten) Unentschieden gegen Greuther Fürth durch die Relegation. Vergangenes Jahr gab es zwar noch sieben Punkte in den letzten vier Partien - gegen die direkten Konkurrenten Freiburg und Stuttgart allerdings keinen Sieg. Am Ende hieß es wieder Relegation. Gegen Karlsruhe setzten sich die Hamburger nach einem dramatischen Last-Minute-Ausgleich in der Verlängerung (noch unverdienter als im Jahr zuvor) durch.

Relegationstriple für den HSV fällig

Setzt man diese Reihe konsequent fort: Das Relegationstriple wäre fällig. Soweit aber sind wir noch nicht. Noch hat der HSV sein Schicksal selbst in der Hand - und kann sich mit einem Sieg am Freitag (vermutlich) aller Abstiegssorgen entledigen. Der Fußballgott aber - schon alleine aus Gründen der ausgleichenden Gerechtigkeit - müsste den HSV zum dritten Mal in Folge in die Relegation schicken. Wo wir schon bei Gerechtigkeit sind: Dort müsste ein gut spielender HSV unglücklich in der Nachspielzeit des Rückspiels das entscheidende Gegentor kassieren und zum ersten Mal in der langen Geschichte des Vereins absteigen. Beschweren dürfte sich darüber ob der vergangenen beiden Jahre niemand. Das einzige, was den Fußballgott gnädig stimmen könnte, sind die Anhänger des Nordklubs. Ungeachtet der sportlichen Dürreperiode sorgen sie seit Jahren Woche für Woche im Volkspark für überdurchschnittliche Stimmung - selbst wenn ihnen dort zumeist ungenießbare Kost vorgesetzt wird.

Achja, und apropos Fußballgott: Aktuell wäre der wahrscheinlichste Gegner in der Relegation zwar der 1. FC Nürnberg auf Rang drei in Liga zwei - schließlich hat der FC St. Pauli bei noch vier Spielen sieben Punkte Rückstand. Wunder aber soll es doch immer wieder geben in diesem Sport. Und wer, wenn nicht die Kiezkicker wären prädestiniert für oben genanntes HSV-Horrorszenario. Eines auf jeden Fall ist gewiss: Bei einem stadtinternen Duell um Auf- und Abstieg der beiden Klubs, die sich so voller Inbrunst hassen, würde die Hütte noch mehr brennen als sie es an diesem Freitag gegen Bremen tun wird.

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