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Bundesliga

FC Bayern München Gnadenfrist für van Gaal - weil die Alternativen fehlen


Noch ist Louis van Gaal als Trainer im Amt. Auch weil es an Alternativen für den Holländer fehlt. Sammer und Rangnick werden es wohl nicht, schon eher ein anderer Niederländer.
Von Elisabeth Schlammerl, München

Als Louis van Gaal am Sonntag um kurz nach halb zehn Uhr morgens vor der Geschäftstelle des FC Bayern München vorfuhr, herrschte schon rege Betriebsamkeit. Übertragungswagen parkten vor dem Gebäude, Kamerateams und Fotografen lauerten auf das Motiv des Tages, und an den Zaun um den Trainingsplatz drängten sich die Kiebitze, rund 1000 Besucher waren gekommen, um dabei zu sein, wenn der Bayern-Trainer womöglich seines Amtes enthoben wird.

Die übliche Aufgeregtheit, die entsteht, wenn der erfolgreichste und bekannteste deutsche Fußballklub in einer sportlichen Krise steckt, hatte aber schon am späten Samstagabend begonnen. Da filmten Kameras die Ankunft des Mannschaftsbusses auf dem Münchner Trainingsgelände nach der 1:3-Niederlagen bei Hannover 96 und anschließend, wie van Gaal mit seinem Dienstwagen in der Münchner Nacht verschwand. Von den Bossen ließ sich am Sonntag niemand blicken. Die hatten sich an einen geheimen Ort zur Beratung zurückgezogen. Am Tag zuvor, kurz nach der dritten Niederlage innerhalb von acht Tagen, wollten sie sich nicht an der allgemeinen Nervosität beteiligen. "Wir tun gut daran, in aller Ruhe die Nacht zu verbringen und dann mit Rationalität und nicht mit Emotionalität, die beste Lösung zu suchen", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Präsident Uli Hoeneß sagte beim Verlassen der Arena in Hannover nur einen Satz, der aber hatte es in sich. "Wir müssen handeln, nicht reden." Was das bedeutet für van Gaal, ist unschwer zu erraten.

Neue Impulse für die Mannschaft

Dass die Entscheidung noch nicht fiel, mag an den fehlenden Alternativen liegen. Dieses Mal fügte es sich nicht derart wie vor zwei Jahren, als man Jürgen Klinsmann entlassen wollte und der perfekte Nachfolger zufällig schon auf der Tribüne saß. Eigentlich war Jupp Heynckes damals nur zu Besuch bei seinem Freund Uli Hoeneß gewesen - am Ende des Wochenendes hatte er einen Job als Bayern-Trainer. Die immer wieder genannten Kandidaten wie Matthias Sammer oder Ralf Rangnick sollen, so ist aus dem Umfeld zu hören, nicht in Fragen kommen. Schon eher Martin Jol, der früher Trainer des Hamburger SV. Er kennt die Bundesliga und lässt als Holländer ein ähnliches System spielen wie von Gaal.

Obwohl van Gaal in den vergangenen Wochen nicht immer nachvollziehbare Personalentscheidungen traf, vor allem in der Defensive, geht es vielleicht gar nicht in erster Linie um seine Kompetenz, die er unbestritten hat, sondern darum, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben. "Bis jetzt hatte ich das Gefühl, dass der Vorstand sehr viel Vertrauen in mich hat. Aber nach dieser Niederlage, der dritten hintereinander, wird es schwierig", weiß van Gaal.

Nerlinger noch am Freitag pro van Gaal

Beim sonntäglichen Gipfeltreffen wird wohl auch erörtert worden sein, warum die Mannschaft innerhalb von nicht einmal zwei Wochen jegliches Selbstvertrauen verloren hat. In Mailand im Februar hatten die Münchner die Hoffnung genährt, doch noch Großes erreichen zu können in dieser Saison. Nun hat der Rekordemeister nicht nur beide nationale Titel verspielt, sondern fast schon das Minimalziel Champions-League-Teilnahme aus den Augen verloren. In Hannover wirkte die Mannschaft verunsichert und leblos. Am Freitag noch hatte sich Sportdirektor Christian Nerlinger jegliche Diskussion über van Gaal verbeten. Darüber, sagte er, werde er sich erst Gedanken machen, wenn er Auflösungserscheinungen in der Mannschaft sehen würde. In Hannover war der FC Bayern davon nicht weit entfernt.


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