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Fußball-WM Katar, Tag 14 Messi zaubert, Argentinien zittert: Knapper Sieg gegen Australien – Oranje souverän gegen USA

Argentinien gegen Australien: Lionel Messi jubelt
Lionel Messi bejubelt seinen Treffer gegen Australien
© Francois Nel / Getty Images
Im 1000. Pflichtspiel seiner Karriere führt Lionel Messi Argentinien mit einem 2:1 gegen Australien ins Viertelfinale. Dort warten die Niederlande, die sich souverän mit 3:1 gegen die USA durchsetzen konnten.

Angeführt von Lionel Messi mit seinem ersten K.o.-Rundentor bei einer Fußball-Weltmeisterschaft im 1000. Profi-Spiel hat Argentinien das Viertelfinale erreicht. Der Superstar der Südamerikaner traf am Samstag in einem lange Zeit zähen Spiel in der 35. Minute zur Führung gegen das Überraschungsteam aus Australien, das beim 2:1 (1:0)-Sieg der Argentinier aber mehr Mühe machte als dem Titelmitfavoriten lieb war.

Messi agierte bei seiner nächsten WM-Show erst mal im Sturmzentrum, ließ sich aber schnell gegen die tief verteidigenden Australier, bei denen St. Paulis Zweitliga-Profi Jackson Irvine nach einer Viertelstunde schon die Gelbe Karte sah, auch zurückfallen. Geduld war gefragt.

2:1 gegen Australien: Messi führt Argentinien ins Viertelfinale

Hinter dem Tor der Australier gab es für ein paar Hundert Fans in Gelb nicht viel Grund zum Jubeln - außer, dass die Mannschaft von Trainer Graham Arnold den Argentiniern am Anfang das Spielen schwer machte. Auch nach 30 Minuten nicht ein Schuss der Südamerikaner auf das Tor von Kapitän Mathew Ryan, der wie Leckie sein zehntes WM-Spiel absolvierte - so viele wie kein anderer Australier vorher. 

Schon beim 2:0 gegen Polen mussten die Argentinier das Spiel machen, der Gegner besann sich aufs Verteidigen. Australien agierte ähnlich, aber besser als die Mannschaft um Stürmerstar Robert Lewandowski, die am Sonntag gegen Weltmeister Frankreich ran muss. Australien machte es cleverer. Und das fuchste Messi, der sich mit Australiens Aziz Behich eine Trikotzupferei an der Außenlinie lieferte. Eben dieser Behich foulte direkt danach Gomez - es gab Freistoß, ausgeführt von Messi, wie schon in den Spielen zuvor klar bester Mann in seinem Team.  

Die Australier, bis dahin defensiv makellos, bekamen den Ball nicht raus aus der Gefahrenzone, über Alexis Mac Allister landete der Ball beim aufgerückten Innenverteidiger Nicolás Otamendi. Der ließ klatschen, und dann kam Messi. Ein flacher Schlenzer mit links, wie aus dem Messi-Lehrbuch ins lange Eck. Er reckte die Hände nach oben, das Stadion wurde zur himmelblau-weißen Hüpfburg. 

Von der Wucht wie beim Spiel gegen die Polen war bei den Argentiniern diesmal lange nicht viel übrig. Es war eher die Devise: Hinten keinen fangen und vorne richtet es der Kapitän, der in diesen Tagen von Katar ganz anders auftritt als noch bei seinen mitunter lustlos wirkenden Darbietungen bei der WM-Blamage von Russland. Beim zweiten Treffer allerdings war auch Messi nur Zuschauer, als Australiens Keeper Ryan sich einen kapitalen Fehler leistete und den Ball sechs Meter vorm Tor gegen Álvarez verlor. Die Entscheidung. 

Unter dem Dauergesang der Zehntausenden Fans in Trikots der Argentinier ließ es sich nun befreiter aufspielen. Dass Scaloni den schwachen Offensivmann Gómez rausgenommen und dafür in Lisandro Martínez einen weiteren Abwehrspieler reingebracht hatte, zahlte sich nur bedingt aus. Nach dem Schuss von Goodwin, den Fernández im Sprung unglücklich ins eigene Tor abfälschte, wackelte Argentinien, aber auch nur kurz. Immer wieder war es Messi, der durch sein Können brillierte und seine Mitspieler in Szene setzte. Nur ins Tor wollte der Ball nicht nochmal.

Niederlande – USA 3:1

Der viel kritisierte Louis van Gaal hat mit den Niederlanden den Einzug in das Viertelfinale der Fußball-WM bejubelt und die zarten Titelhoffnungen von Oranje vergrößert. Nach einer über weite Strecken abgeklärten Leistung musste die Elftal am Samstag beim 3:1 (2:0) gegen eine leidenschaftlich kämpfende US-Auswahl am Ende nur kurz um das Weiterkommen bangen. Zwölf Jahre nach dem letzten Weltmeisterschafts-Endspiel beim Turnier in Südafrika hofft Holland auf eine Final-Teilnahme am 18. Dezember - doch Wackler wie in der zweiten Hälfte gegen die USA darf sich das Ensemble von van Gaal dann nicht erlauben. Gegner im Viertelfinale am Freitag sind entweder Lionel Messi und Argentinien oder Australien.

Im ersten und nicht sonderlich stimmungsvollen Achtelfinale am Samstag im Chalifa International Stadion erfreute sich van Gaal auf seiner Trainerbank an den zum Teil sehr sehenswert heraus gespielten Treffern - und daran, es den Kritikern seines Spielstils gezeigt zu haben. Die Schwächephase nach der Pause dürfte ihn aber geärgert haben. 

Memphis Depay (10. Minute), Daley Blind (45.+1) und der herausragende Denzel Dumfries (81.) dokumentierten mit ihren Toren vor 44 846 Fans den Unterschied zwischen einem echten Titelkandidaten und einer talentierten, aber noch nicht reifen Nationalmannschaft. Die junge US-Auswahl um Torschütze Haji Wright (76.) zeigte dann aber, welche Mentalität in ihr steckt - und kam beeindruckend in das Spiel zurück. Sie weckte damit in der Heimat bei starken Einschaltquoten Vorfreude auf die WM in vier Jahren, bei der sie gemeinsam mit Mexiko und Kanada Gastgeber ist.

Die US-Amerikaner um den rechtzeitig genesenen Star Christian Pulisic boten zwar eine engagierte Leistung, konnten sich nach dem Wirkungstreffer zum 0:1 trotz einiger guter Vorstöße und Möglichkeiten aber erst in der Schlussphase entscheidend in Szene setzen. Mit einer Effektivität der Niederländer, die seit van Gaals Amtsantritt im September 2021 ungeschlagen sind, wäre mehr drin gewesen. 

Perfekt in die Strategie von van Gaal passte, dass Daley Blind vor der Halbzeit auf 2:0 erhöhte und damit das Spiel früh entschied. Blind, der seit Ende 2019 mit einem Herzschrittmacher spielt, feierte sein erst drittes Tor im 98. Länderspiel in den Armem von Wout Weghorst. 

Pulisic, der beim gefeierten 1:0-Siegtor gegen den Iran eine Beckenprellung erlitten hatte, konnte nach einer vergebenen Großchance gegen Torhüter Andries Noppert in dessen erst viertem Länderspiel Akzente setzen (3.). Intensiv beackert von Jurrien Timber konnte sich der Ex-Dortmunder nicht wie in den Spielen zuvor entfalten. Zwar tauchten seine Kollegen wie Tim Ream (52.), Weston McKennie (54.) oder Wright (75.) gefährlich vorne auf - doch am Ende fehlte zu oft die Kaltschnäuzigkeit. 

Berhalter, in den 1990er Jahren einst Profi in den Niederlanden, versuchte durch Wechsel  - unter anderem kam der Dortmunder Giovanni Reyna - noch einmal die Wende zu schaffen und wie zuletzt 2002 das Viertelfinale zu erreichen. Auf der Gegenseite hielt Matt Turner sein Team noch im Spiel, allerdings spielten die Holländer auch ihre Angriffe schlampig zu Ende. 

pgo DPA

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