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Fußball-Bundesliga: Klopps Rasselbande gewinnt beim "Klassentreffen"

Die Rückkehr von Dortmunds Trainer Jürgen Klopp an seine alte Wirkungsstätte am Mainzer Bruchweg war erfolgreich: Die Borussen eroberten mit dem 2:0-Erfolg die Tabellenführung zurück - und gelten nun als ernst zu nehmender Titelanwärter.

Von Tobias Schächter

Wenn Mainz 05 gegen Borussia Dortmund spielt, ist das mittlerweile fast wie ein Klassentreffen. Unten am Spielfeldrand plauderten der Mainzer Präsident Harald Strutz und der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Spiel wie alte Freunde. Weil der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp einst den FSV Mainz 05 und sich selbst zur Marke gemacht hat und nun in Dortmund auch schon Kult ist, freuen sich alle an Rhein und Ruhr, wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen. Alle alten Freunde von Jürgen Klopp waren da: Die "Kloppos aus Rheinhessen", die "Bekloppten" und die überparteilichen, gewaltfreien und trinkfesten "Meenzer Kloppos", Mitglieder des ersten Jürgen Klopp-Fanklubs, gegründet bereits 1996. Es ist also schon kurios genug, wenn Mainz gegen Dortmund spielt. Aber gestern waren auch deshalb die Augen von ganz Fußball-Deutschland auf die Partie in Mainz gerichtet, weil der Erste der Bundesliga auf den Zweiten traf.

Am Ende hatten beide vereine die Plätze getauscht: Dortmund war Erster und Mainz Zweiter. Die Borussia hatte durch Tore von Götze (26.) und Barrios (67.) verdient mit 2:0 (1:0) gewonnen und die Tabellenführung zurückerobert. Der Mainzer Manager Christian Heidel sagte hinterher: "Wir müssen einfach anerkennen, nicht jedes Spiel in der Bundesliga gewinnen zu können. Dortmund hat einen Riesenlauf, die waren heute einfach besser."

Fast keine Fouls

Es war ein Spitzenspiel im Spektakulum am Mainzer Bruchweg, nicht der erwartete "Pressingkrieg" wie Jürgen Klopp mit der "Mainzer Rhein-Zeitung" vorher spekuliert hatte, aber rasant und mit vielen Torchancen. Die verteidigende Mannschaft hetzte den ballführenden Spieler des Gegners als sei er der Fuchs bei der Fuchsjagd. Aber das Spiel war auch deshalb so temporeich, weil es fast nie durch Foulspiel unterbrochen war. Die Spieler ließen sich keine Ruhe. Die Dortmunder waren aber spielerisch einen Tick stärker. Verdient war die Führung zur Pause.

Nach dem 1:0 des ganz starken Mario Götze dominierten die Dortmunder ganz klar. Der Borusse nutze einen Fehler des überforderten Mainzer Rechtsverteidigers Niko Bungert. "Mario ist ein Riesentalent, es gibt nicht viele 18-Jährige, die das auf den Platz bringen wie er - und nett ist er auch noch, ein guter Junge", lobte Klopp seinen Schützling: "Wir sind alle froh, dass sein Vater vor einigen Jahren aus dem Bayerischen nach Dortmund gezogen ist und Mario bei uns in der Jugend spielen konnte. Aber jeder Jugendtrainer hat mehr Anteil an seiner Entwicklung als ich. Es geht jetzt nur darum, ihm jetzt noch mehr Stabilität zu verleihen", sagte Klopp. Götzes Bruder Fabian spielt übrigens bei Mainz 05 in der zweiten Mannschaft.

Barrios vergab nach einem Fehler des Mainzer Torwarts Christian Wetklo schon vor der Pause die Chance zum 2:0, er spitzelte den Ball aber nur an den Pfosten (34.). Als der Mainzer Trainer Thomas Tuchel nach der Pause Bungert in der Kabine ließ und den offensiven Marcel Risse brachte, waren die Zeichen auf Aufholjagd gestellt. Und schon zwei Minuten nach Wiederanpfiff schien die Rechnung aufzugehen: Allagui setzte sich am linken Flügel durch, passte zu Szalai, BVB-Innenverteidiger Neven Subotic konnte ihn im Fünfmeterraum nur durch ein Foul am Torschuss hindern. Den von Eugen Polanski schwach geschossenen Elfmeter parierte aber Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller. "Roman hat uns im Spiel gehalten", freute sich Klopp, während sein Kollege Thomas Tuchel haderte: "Wir hatten gute Phasen heute, aber da fehlte und dann ein Tor, um Dortmund richtig weh zu tun. Und durch leichte Ballverluste verloren wir das Vertrauen und spielten zu früh lang und hoch." Weidenfeller erzählte hinterher, er habe eigentlich mit zwei anderen Elfmeterschützen gerechnet und sich bei Polanski dann auf "seine Nase verlassen".

Atemberaubender Schlagabtausch

In der Folge blieb es ein atemberaubender Schlagabtausch. Allagui verpasste den Ausgleich (51., 61.), Hummels per Kopf (59.) und Kagawa mit sattem Schuss (62.) für den BVB den Ausbau der Führung. Die Entscheidung fiel dann in der 67. Minute. Nach einer herrlichen Ballstafette über Sahin und Götze traf Lucas Barrios zum 2:0 für die Dortmunder. Auch die Einwechslung von Andre Schürrle für Lewis Holtby brachte nicht mehr die Wende für den Gastgeber. Die Dortnunder hingegen bewiesen eindrucksvoll ihre Stärke nach dem Pokal-Aus gegen Kickers Offenbach letzen Mittwoch. "Heute haben wir dem Letzten bewiesen, dass wir topfit sind nach den anstrengenden 120 Minuten im Pokal", freute sich BVB-Mittelfeldspieler Nuri Sahin. Und Jürgen Klopp resümierte: "Besonders gegen starke Mannschaften gewinnt man gerne und Mainz ist eine starke Mannschaft, das macht den Sieg noch süßer."

FSV-Trainer Tuchel traut den Dortmundern nun die Meisterschaft zu: "Sie haben eine Top-Mannschaft und sind in Top-Form. Wer eine solche Qualität auf den Platz bringt, kann am Ende ganz oben stehen", sagte Tuchel, der seiner Mannschaft aber kein schlechtes Zeugnis ausstellen wollte: "Am Ende blieb nichts für uns übrig, aber dafür müssen wir uns nicht schämen. Die Dortmunder sind individuell einfach noch besser besetzt." Die Mainzer stießen gegen die Dortmunder des Jürgen Klopp gestern an ihre Grenzen.

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