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Bundesliga: Jürgen Klinsmann wird Trainer bei Hertha BSC – was Investor Windhorst damit zu tun hat

Hertha BSC beurlaubt Trainer Ante Covic und präsentiert mit Jürgen Klinsmann einen überraschenden Nachfolger auf der Trainerbank. Die Personalie hat auch mit Investor Lars Windhorst und dessen Plänen für die Hertha zu tun.

Ex-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann trainiert bis Saisonende Hertha BSC

Jürgen Klinsmann sieht sich trotz seines Blitzengagements sofort bereit für seine neue Aufgabe bei Hertha BSC. "Selbst wenn alles über Nacht passiert, bin ich vorbereitet. Mein Stab war auf Abruf", erklärte der neue Cheftrainer des kriselnden Berliner Fußball-Bundesligisten am Mittwoch bei seiner Vorstellung in der Hauptstadt. "Das Allerwichtigste ist, so schnell wie möglich nach oben zu klettern", definierte der ehemalige Weltmeister und Bundestrainer das übergeordnete Ziel. Hertha ist in der Bundesliga-Tabelle mit nur elf Punkten auf Platz 15 und damit nah an die gefürchtete Abstiegszone herangerückt.

Drei Tage nach der blamablen 0:4-Niederlage beim FC Augsburg beendete Hertha-Manager Michael Preetz das gescheiterte Experiment mit dem Bundesliga-Neuling Ante Covic auf der Trainerbank. "Es ist keine einfache Aufgabe. Aber wenn ich so was übernehme, mache ich das nicht halb, sondern hundertprozentig", betonte Nachfolger Klinsmann, der schon am Mittwochnachmittag die erste Trainingseinheit leitete: "Es wird kein leichter Weg, aber das wäre ja auch langweilig." 

Jürgen Klinsmann dankt dem FC Bayern

Für den 55 Jahre alten Klinsmann ist Berlin seine zweite Trainerstation in der Fußball-Bundesliga. Als Cheftrainer des FC Bayern München 2008/09 war er schon vor Ablauf der Saison gescheitert. Dennoch sagte der gebürtige Schwabe jetzt: "Ich bin sehr dankbar für das eine Jahr beim FC Bayern, weil ich unglaublich viel gelernt habe." Mit den damals für viel Diskussionen sorgenden Buddha-Statuen auf dem Bayern-Vereinsgelände habe er "nie etwas zu tun gehabt", betonte Klinsmann in Berlin und fügte scherzhaft an: "Ich habe in meinem Koffer, der nicht so groß ist, keine Mitbringsel dabei, die ich installieren möchte."

Nach vielen "Anrufen hin und her und einem Anruf zu Hause, ob es in Ordnung wäre", sagte Klinsmann Hertha zu. Frau Debbie gab ihr Okay. In seiner Rolle als Aufsichtsratsmitglied und Vertrauter des neuen Hertha-Investors Lars Windhorst, der mit 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA übernommen hatte, stand Klinsmann in den vergangenen Wochen schon im intensiven Austausch mit Michael Preetz. "Es brauchte noch einen kleinen Anschubser", dass Klinsmann nun in der Trainer-Rolle Hertha helfen will, berichtete der Hertha-Manager.

Der Einfluss von Lars Windhorst

Die Installierung zeigt aber auch den gewonnenen Machtbereich des Investors. Windhorst will auf dem angestrebten Weg zu einem "Big City Club" in Europa offenbar schneller Ergebnisse sehen als offiziell kommuniziert. Hertha liegt nach zwölf Spieltagen mit elf Punkten auf dem 15. Rang, punktgleich mit dem 16. Fortuna Düsseldorf. 

Bereits mit Klinsmanns Berufung in den Aufsichtsrat als "Bevollmächtigter der Tennor Holding" von Geldgeber Windhorst wurde der Investor erstmals aktiv. Dass bei Hertha jetzt ein Vertrauter des umtriebigen Finanzmanagers auf der Trainerbank sitzen wird, kann als weiterer Vorstoß gewertet werden. Ein Abstieg würde die Pläne von Windhorst konterkarieren.

Neue Struktur bei Hertha BSC

Mit Klinsmann ziehen sofort eine neue Struktur und neues Trainer-Personal bei Hertha ein. Der frühere Hertha-Nationalspieler Arne Friedrich wird Team-Manager, Andreas Köpke, in selber Funktion bei der deutschen Nationalmannschaft im Amt, wird bis zum Jahresende als Torhütertrainer aushelfen. Neue Co-Trainer werden der frühere Bremer Bundesliga-Coach Alexander Nouri und Ex-Profi Markus Feldhoff. "Es ist ein Team an Leuten, das vorbereitet ist, eine gute Energie hat und vor allem hohes Fachwissen", sagte Klinsmann.

Bundestrainer Joachim Löw hat mit Überraschung auf die neue Rolle seines früheren Chefs reagiert. "Das ist eine Nachricht, die auch ich nicht unbedingt erwartet hatte", sagte Löw am Mittwoch. "Mich freut, dass ein solcher Hochkaräter zurück in die Bundesliga kehrt und sein Wissen damit auch wieder im deutschen Fußball einbringt." 

Köpke verlässt erst einmal das Nationalteam

Für den damit verbundenen vorübergehenden Abgang des DFB-Torwarttrainers Köpke zeigte Löw Verständnis. "Dass ihn Andy gerade in der Startphase unterstützt, ist für uns alle selbstverständlich." Der Deutsche Fußball-Bund stellt Köpke bis Ende des Jahres für seinen Job bei den Berlinern frei. "Ich habe das Selbstvertrauen zu sagen, das traue ich mir zu. Ich habe große Lust drauf", sagte Klinsmann zu seiner neuen Aufgabe.

tkr/Jens Mende und Thomas Flehmer / DPA

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