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Hamburger SV in der Relegation: Durchmogeln gilt nicht!

Der HSV zeigt gegen Schalke, dass die Mannschaft starke Nerven besitzt und mit Willen alle fußballerischen Schwächen wettmachen kann. In der Relegation könnte das dennoch nicht reichen.

Von Felix Haas, Hamburg

Man hätte natürlich auch die Zeichen des Fußballgottes richtig deuten und sich entspannt zurücklehnen können, vielleicht hätte man auch noch schnell bei einem Wettanbieter darauf setzen können, dass der HSV nicht direkt aus der Bundesliga absteigt. Aber nein, die Skepsis war wohl bei allen Hamburgern stärker als das Symbol des Himmels: Am Morgen des Spieltags hatte es in der Hansestadt ohne Pause durchgenieselt, zwei Stunden vor Spielschluss stoppte der Regen – und dann, mit Anpfiff, strahlte die Sonne über dem Volkspark. Petrus hatte also ein Zeichen gesendet.

Und so musste es dann ja fast so kommen, dass Heiko Westermann, Lewis Holtby und Co. nach Spielschluss zwar nicht vollends glücklich, aber doch erleichtert in die Katakomben des Volksparkstadions trotteten und lauthals "Wir leben noch" riefen. Der HSV muss wie im vergangenen Jahr in die Relegation. Viele sehen das schon als Geschenk an nach dieser mal wieder vollkommen verkorksten Saison – die Reaktion der Fans nach dem hart umkämpften 2:0-Sieg gegen Schalke ließ daran keinen Zweifel.

Bedingungslose Unterstützung der Fans

Die Anhänger durchlebten einen Nachmittag voller Aufs und Abs, und als auch dem letzten Fan am Ende klar war, dass Freiburg in Hannover verloren hatte, dass die Spiele auf allen anderen Plätzen beendet waren, dass der HSV auf der Abschlusstabelle Rang 16 einnehmen würde, da schallte ein kollektiver Schrei durchs Stadion, ähnlich laut wie beim Führungstor von Ivica Olic. "Die Unterstützung der Fans war der Gipfel", sagte HSV-Trainer Bruno Labbadia dann auch auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Die Leute haben uns getragen. Allein deshalb hat sich all der Aufwand gelohnt."

In der Tat hatten die Fans alles gegeben. Vor dem Spiel war da zwar noch die Nervosität. Die "Unabsteigbar"-Schals an den Buden vor dem Stadion waren ein Ladenhüter. "Das ist ein Risiko-Investment", spottete ein Anhänger. Doch spätestens als die Mannschaft im Bus vor dem Stadion vorfuhr, ignorierten die Fans all die Unzufriedenheit und wechselten in den Modus "bedingungslose Unterstützung", sie empfingen den Bus, bildeten ein Spalier und feuerten die Spieler an. "Das hat uns gepusht", sagte Torhüter René Adler, gab allerdings auch zu: "doch es hat uns natürlich auch nochmal den Druck vor Augen geführt."

Hamburg ist erprobt im Abstiegskampf

Dass die Hamburger mit dem Druck mittlerweile ganz gut umgehen können, bewiesen sie gegen erschreckend schwache Schalker. Der HSV trat selbstbewusst auf, zeigte unbedingten Willen und machte so die fehlende technische und spielerische Klasse wett. Die Hamburger hatten in der ersten Halbzeit schon die klare Chance zur Führung, nutzten dann zwei Standardsituationen eiskalt aus und interpretierten die Leistung anschließend als starkes Signal vor dem kommenden K.o.-Duell.

"Wir sind jetzt erprobt im Abstiegskampf", sagte Abwehrchef Heiko Westermann und feixte mit den Journalisten: "Falls ihr es nicht merkt, wir sind deutlich sicherer geworden und spielen besser.". Auch Labbadia freute sich: "Wir haben das sehr, sehr gut gemacht, und jetzt haben wir es wieder selbst in der Hand."

Nun wartet erneut die Relegation. Damit kennen sie sich aus, in Hamburg. Im vergangenen Jahr hielt der HSV nach zwei Unentschieden und dem erzielten Auswärtstor trotz schwacher Leistungen gegen Fürth die Klasse. In diesem Jahr werden solche Auftritte kaum reichen, das scheint auch den Verantwortlichen klar zu sein. Egal ob Kaiserslautern, Darmstadt oder Karlsruhe - "die haben alle ihre Qualität und spielen einen guten Fußball", sagte Sportchef Peter Knäbel. Tatsächlich dürften alle drei Kandidaten auf den Relegations-Platz mehr spielerische Klasse mitbringen als Fürth im vergangenen Jahr.

"Jetzt schlagen wir jeden"

Der HSV sieht sich dennoch gewappnet. Immerhin hat das Team unter Bruno Labbadia im Saisonendspurt noch zehn Punkte geholt. Allein das schien vor Wochen undenkbar. Nun schießen die Hamburger sogar wieder regelmäßig Tore, auch weil sie im Trainingslager im legendären Malente jede Menge Standardsituationen geübt haben. Und so glaubt Heiko Westermann: "Keiner der Zweitligisten will gerade gerne gegen uns spielen."

Torhüter René Adler ging sogar noch einen Schritt weiter. Für ihn scheint die Relegation fast nur noch Formsache zu sein. Er sagte: "Im vergangenen Jahr war die Situation eine ganz andere. Wir hatten kein Selbstvertrauen, gingen mit Niederlagen in die Spiele gegen Fürth. Jetzt haben wir gezeigt, dass wir überzeugen können, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Wir kommen mit einem Mega-Drive". Er fügte sogar noch lachend hinzu: "Jetzt schlagen wir jeden." Mal sehen, ob am Montag in acht Tagen in Hamburg immer noch die Sonne scheint.

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