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München verpatzt Rückrundenstart: Gladbach ist das bessere Bayern

Fehlstart für die Bayern: Zum Auftakt der Rückrunde verlor der Titelaspirant bei furiosen Gladbachern mit 1:3 und blieb vieles schuldig. Matchwinner für die Borussia war Marco Reus - ausgerechnet.

Von Klaus Bellstedt

Joachim Löw saß dick eingepackt oben auf der Tribüne im Borussia-Park. Das Auftaktspiel zur Rückrunde in der Fußball-Bundesliga zwischen Mönchengladbach und Herbstmeister Bayern München ließ sich der Bundestrainer natürlich nicht entgehen. Es waren gerade mal elf Minuten gespielt, als Löw den dunklen Schal über seine Nase zog. Es ist nur eine Vermutung, dass das nicht an den Temperaturen lag - sondern an einer unfassbaren Aktion seines Torhüters in der Nationalmannschaft.

Löws Adjutant im DFB-Team, Manager Oliver Bierhoff, fand in der Halbzeitpause dieser rasanten Partie kaum Worte für das, was Neuer da fabriziert hatte: "Ich versteh nicht ganz, was er da vor hatte", sagte der ehemalige Stürmer. Nun ja. Eigentlich war der Fall klar: Neuer wollte (mal wieder) zeigen, was für ein toller Fußballer er ist. Er ist es wohl doch nicht. Anstatt die Kugel einfach nur wegzudreschen, passte er ohne Not direkt in die Füße von Marco Reus. Der bedankte sich nach dieser Slapstick-Nummer des zweitbesten Torhüters der Welt mit einem technisch ganz feinen Schuss aus über 30 Metern ins leere Tor. Später leistete der 22-Jährige mit einem Weltklasse-Pass noch die Vorarbeit zum 3:0. Ausgerechnet Marco Reus.

Reus nicht mehr bei der Sache?

Die Bekanntgabe seines Wechsels zu Borussia Dortmund im nächsten Sommer war der Aufreger der Winterpause. Eines der größten Talente des deutschen Fußballs hatte sich gegen die Bayern und für den mit Macht nach vorne drängenden BVB entschieden. Das war eine Ohrfeige für den deutschen Rekordmeister. Noch Mitte der Woche hatte Karl-Heinz Rummenigge in Richtung Reus gestichelt, was nur beweist: Das Thema lässt sie nicht los. Und Besserung scheint nicht in Sicht - nach diesen nächsten fußballerischen Ohrfeigen.

Was war das schon wieder für eine schlimme Kaffeesatzleserei der sogenannten Fußballexperten in dieser Republik: Mönchengladbach würde nach der Winterpause einbrechen, Reus wäre nicht mehr bei der Sache, Trainer Lucien Favre so gut wie weg. Es wurde geunkt und für die Region am Niederrhein der Weltuntergang prognostiziert. Die Wahrheit ist: Gladbach hat bei diesem furiosen 3:1-Sieg nahtlos an die glänzende Hinserie angeknüpft, an deren Ende ein sensationeller vierter Platz stand.

Robben wurde zugeparkt

Lucien Favre hatte seinem Team eine meisterliche Taktik verpasst. Die Borussia - wie immer - perfekt organisiert, schnürte mit einer doppelten Viererkette dem Gegner die Luft zum Atmen ab - und ließ so kaum Chancen zu. Im Spiel nach vorne schaltete das Offensiv-Trio Reus - Hanke - Herrmann immer wieder wunderbar um und wirkte stets gefährlich. Bezeichnend für die Gladbacher Leistung an diesem Abend: Die beiden weiteren Treffer durch Patrick Herrmann (41./71.) fielen jeweils aus dem Spiel heraus.

Und Bayern? Spielte genauso, wie man es eben nicht gegen einen gut organisierten Gegner tun darf: Zu langsam ließ man den Ball laufen, zu wenig rochierten sie. Aber Arjen Robben ist doch normalerweise immer für ein, zwei Geniestreiche pro Spiel gut. Denkste! Der Niederländer wurde auf der rechten Seite zugeparkt, erdrückt von der Kompaktheit der Hausherren; so gelang es nie, die Defensive des Gegners auseinanderzureißen. Die Bayern, sie waren an diesem Abend vor allem auch taktisch unterlegen. Daran änderte natürlich auch Bastian Schweinsteigers Ehrentreffer aus der 76. Minute nichts mehr.

Bayern muss sich steigern

"Wir waren nicht schlechter als die Borussia, wir haben nur zu viele Fehler gemacht." Philipp Lahms Analyse hinterher war nur im zweiten Teil richtig. Wie ein Titelaspirant sind die Münchener bei der 1:3-Niederlage jedenfalls nicht aufgetreten. Eher schon Mönchengladbach. Die Borussia hat jetzt erstmals seit 16 Jahren zweimal binnen einer Saison gegen den Rivalen aus dem Süden gewonnen. Das bedeutet für den Moment Rang zwei. Bayern bleibt Tabellenführer, verliert aber an Boden und muss sich dringend steigern. Im EM-Jahr wird das auch Joachim Löw erwarten.

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