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Champions League Das Scheitern des Pep: Wie sich Guardiola gegen Liverpool endgültig selbst entzauberte

Pep Guardiola und Fernandinho auf dem Platz
Pep Guardiola (r), hier mit Fernandinho, ist mit Manchester City in der Champions League an Jürgen Klopp und dem FC Liverpool gescheitert.
© Tim Goode/PA Wire / DPA
Pep Guardiola ist mal wieder in einem entscheidenden Moment gescheitert. Auch im Champions-League-Rückspiel gegen Liverpool vercoachte er sich. Seine emotionale Eitelkeit ruiniert das Werk einer ganzen Saison.

Nach nur zwei Minuten ballte Pep Guardiola die Faust, blickte in die Menge, sein Blick war entschlossen. Es schien, als wollte er sagen: Da geht heute was. Seine Mannschaft war furios gestartet, hatte schnell eine 1:0-Führung erzielt. Das Wunder war möglich. Doch 90 Minuten später muss auch Pep sagen: war möglich. Nicht: ist eingetreten. Manchester City ist trotz einer überragenden Saison im Viertelfinale der Champions League gescheitert. Pep Guardiola ist nach einer abermals überragend gecoachten Saison gescheitert. Und so bitter es für ihn ist: Es ist kein Zufall mehr, er beging gegen Liverpool mal wieder einen Fehler. Es war ein entscheidender Fehler, der einem uneitlen Trainer nicht passiert.

Eigentlich, könnte man meinen, hat Guardiola vom Start weg alles richtig gemacht. Es war nicht die Aufstellung zu Spielbeginn, die für das Scheitern sorgte. Denn sein Team legte eine beeindruckende erste Halbzeit hin, dominierte Liverpool nach Belieben und ja: hätte auch höher führen können, besser: müssen. Aber zum einen ging City fahrlässig mit Chancen um, zum anderen traf der Schiedsrichter eine folgenschwere Fehlentscheidung. Leroy Sané erzielte das 2:0 kurz vor der Pause. Doch Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz erkannte eine Abseitsposition. Dass der Ball vom Liverpooler Milner kam, und es somit gar kein Abseits gewesen sein konnte, übersah er.

Guardiola wird zum Spiegelbild seines Kontrahenten 

Pep Guardiola war (zurecht) außer sich. Trotz aller vermeintlicher Benachteiligung war das die entscheidende Szene, die offenbarte, wie nervös Pep Guardiola nach all seinen Misserfolgen in entscheidenden Champions-League-Spielen geworden ist. Und wie leichtfertig er das Spiel seiner Mannschaft dafür hergibt. 

Guardiola reklamierte auf dem Weg in die Pause und er wurde auf die Tribüne verwiesen. Nun betonte Guardiola nach Spielschluss, er habe nur gesagt, dass es ein reguläres Tor gewesen sei, er sei also unschuldig und sowieso: Der Schiedsrichter habe das überinterpretiert. Doch genau in dieser Szene und in der Wortwahl nach Spielschluss zeigt sich, dass sich Guardiola mittlerweile selbst entzaubert. Er wird immer mehr zu jemandem, den er lange für seinen Stil eine Mannschaft zu führen, missachtete. Guardiola dreht sich so sehr um sich selbst, dass er wirkt wie sein langjähriger Kontrahent bei Real und nun ManUnited: José Mourinho. 

Dass Guardiola überhaupt Emotionen zeigte und den Schiedsrichter anging, geschenkt. Dass er auf die Tribüne musste, geschenkt. Doch Guardiola ließ sich übermannen von seiner eitlen Wut und der Verschwörungstheorie gegen ihn. Das verstellte ihm den Blick auf die Situation. Sein Team führte, es war immer noch alles möglich, wie in der zweiten Minute, als Pep so begeistert die Faust reckte. Nur leider ließ Pep Guardiola ab dem Moment seine Fußballkompetenz vermissen, denn was ein wirklich großartiger Trainer mit Spielgespür getan hätte, wäre: ruhig bleiben und die Mannschaft umstellen.

Klopp zeigte, dass er gelernt hatte

City war unfassbar offensiv ins Spiel gegangen, mit Dreierkette und De Bruyne und Fernandinho vor der Abwehr. Wie die erste Halbzeit zeigte: die richtige Aufstellung. Doch zur Pause hätte ein Jupp Heynckes oder ein Ottmar Hitzfeld sicher anders gehandelt. Sie hätten umgestellt. Sie hätten gesehen, dass es riskant wäre, so offensiv weiter zu spielen – vor allem bei der guten Ausgangssituation mit einem 1:0. Sie hätten zunächst die Defensive gestärkt, weil es in solch einem Spiel nun mal wichtig ist, zu Null zu spielen. 45 Minuten blieben ja noch. Ein Tor in der 80. Minute und Liverpool wäre wie Barcelona im Parrallelspiel nervös geworden. In einer Verlängerung hätte City vor heimischem Publikum alle Trümpfe in der Hand gehabt. 

Doch Guardiola feuerte seine Emotionen gegen den Schiedsrichter, schickte seine Spieler erneut mit voller Power und voller Offensive aufs Feld – und bekam die Quittung, mit der jeder Fußballfan hätte rechnen können: Liverpools Offensive ist viel zu gut, um sie 90 Minuten auszuschalten, um sie einfach so zu überrollen, und ein Trainer von Guardiolas Klasse hätte eigentlich wissen müssen, dass nach 45 Minuten so ganz ohne Torschuss wohl bald einer kommen müsste. Aber Guardiola beließ sein Team mit drei Abwehrspielern gegen drei Angreifer. Er stellte nicht um. Er verlor sich in eitler Wut und seinem Frust. Er änderte nichts am Spiel und nahm seinem Team so zumindest die Chance, es doch noch zu schaffen. Klopp auf der anderen Seite, zeigte, dass er gelernt hatte. Klopp stellte im Mittelfeld leicht um, Liverpool bekam City besser in den Griff – und schon bald kam der Konter zum 1:1, der de facto das Spiel beendete. 

Guardiola hat sich selbst seine Fallhöhe als Übertrainer aufgebaut. Er führt seine Teams regelmäßig zur Perfektion. Allein das ist mehr, als die meisten – auch Weltklasse-Trainer – schaffen. Doch er muss nun lernen, mit seinem Misserfolgen umzugehen – und sich nicht auf sich selbst und die vermeintlich bösen Mächte (Schiedsrichter) zu konzentrieren – sondern in den entscheidenden Spielen die einfachen Dinge als Trainer richtig zu machen. Ansonsten verstellt ihm seine Eitelkeit seine Karriere bei allen Clubs außerhalb von Barcelona.

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