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Champions League: Barca schlägt Leverkusen: Schlange frisst Kaninchen

Leverkusen steht vor dem Aus in der Champions League. Beim 1:3 gegen Barcelona agierte Bayer zu mutlos. Das Bittere: Barca spielte keinen Vollgasfußball – und doch war der Sieg nie in Gefahr.

Von Klaus Bellstedt

Lukas Podolski hatte endlich mal wieder Spaß auf der Tribüne. Der Nationalspieler, ein glühender Anhänger des FC Barcelona, war für den Champions-League-Abend in Leverkusen mal eben über den Rhein gedüst. Den Auftritt der besten Fußballmannschaft der Welt wollte sich der Kölner nicht entgehen lassen. Und so saß Poldi nach gut einer halben Stunde dieser einseitigen Partie hoch oben unter dem Dach der BayArena und lachte sich ins Fäustchen. Barca hatte bis zu diesem Zeitpunkt zwar nicht brilliert, aber die Art und Weise, wie das Team von Meister-Trainer Pep Guardiola auftrat, war für ihn als Fußballästheten doch beeindruckend.

Der amtierende Königsklassen-Champion hatte gegen Bayer Leverkusen im Durchschnitt sage und schreibe 75 Prozent Ballbesitz - und das in einem Europapokal-Auswärtsspiel. Angeführt von Lionel Messi spulte Barca in der Hälfte von Bayer Endlosserien von Kurzpässen ab. Kein anderer Club auf der Welt hat diese ganz bestimmte Vorstellung vom Spiel, die auf raumfüllendem Ballbesitz basiert. Die Tore finden fast immer ihre Entstehung im Zentrum. Dort wird unter ständigen Positionswechseln der Ball zirkuliert - bis die finale Steilattacke erfolgt. Der Führungstreffer, den Messi per Außenristpass (!) auf Alexis Sanchez einleitete und den der Chilene schließlich zum 1:0 (41.) vollendete, dient dafür als ideales Fallbeispiel.

Bayer nach dem Wechsel verbessert

Barca spielte an diesem Abend sicher keinen Vollgasfußball. Der Auftritt war eher kühl und berechnend mit Spielzügen wie vom Reißbrett. Wer weiß, was passiert wäre, wenn sich Leverkusen in diesem Match nicht so wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten hätte. Denn das tat Bayer - bis auf wenige Ausnahmen. Robin Dutt hatte seiner Mannschaft ein derart eng ansitzendes Defensivkorsett verpasst, dass einem vor allem in der ersten Hälfte beim Hinsehen die Augen schmerzten. Leverkusen betonierte sich in der eigenen Hälfte ein. Gegen Barcelona ist diese Spielidee ja gar nicht falsch. Sie reicht eben nur nicht aus. Will man gegen diese Mannschaft bestehen, dann muss blitzschnell über die Flügel gekontert werden, man muss Standards erzwingen und versuchen, Messi aus dem Spiel zu nehmen. All das gelang Bayer Leverkusen viel zu selten.

Im zweiten Abschnitt gaben die Hausherren diese fatale Einigeltaktik vorübergehend auf. Plötzlich trauten sie sich auch etwas zu und waren insgesamt viel präsenter. Aber auch das ist der FC Barcelona: Gelingt dem Gegner nach eigener defensiver Nachlässigkeit doch mal ein Törchen, so wie das von Bayers Kadlec aus der 52. Minute, dann sind die Katalanen jederzeit in der Lage, schnell wieder die Kombinationsmaschine anzuwerfen und zurückzuschlagen. Alexis Sanchez’ zweiter Treffer (55.) nach wunderbarem Zuspiel von Cesc Fabregas muss sich für Leverkusen wie eine Ohrfeige angefühlt haben.

Dutt beeindruckt

Bis auf einen gefährlichen Schuss von Gonzalo Castro, den Barca-Keeper Valdes gerade noch an den Pfosten lenken konnte und einen unplatzierten Flugkopfball des eingewechselten Stefan Kießling kam dann auch nichts mehr von Bayer. Stattdessen trat zwei Minuten vor dem Ende noch mal Leo Messi in Erscheinung. Seine unnachahmlichen Tempodribblings, seine verdeckten Zuspiele, so, wie er den Ball abschirmt: Das alles kennt man von ihm. Nach dem letztlich lockeren 3:1-Erfolg von Barcelona bei Bayer Leverkusen weiß nun jeder, dass der geniale Argentinier auch schnöde Abstaubertore erzielen kann.

Es war der Schlusspunkt einer einseitigen Partie, in der Leverkusen insgesamt viel zu mutlos agierte. Die Spielweise war exakt so, wie es die Aufstellung von Robin Dutt vermuten ließ. Bayers Trainer war hinterher nicht mal enttäuscht. Der Coach war vielmehr beeindruckt ob der Stärke des FC Barcelona: "Man muss eine enorme Laufarbeit leisten, um gegen diese Weltklasse-Mannschaft überhaupt ein Mal an den Ball zu kommen - unfassbar eigentlich", so ein staunender Dutt.

Kadlec, ein Gewinner

Das Erreichen des Champions-League-Viertelfinales ist für Leverkusen nach diesem Hinspielergebnis nun in weite Ferne gerückt. Aber dass Bayer aus den beiden Duellen gegen Barca nicht als Gewinner gehen würde, war eigentlich schon seit der Auslosung klar. Obwohl: Einen Gewinner gab es doch auf Seiten der Werkself: Michal Kadlec - aber nicht weil ihm Leverkusens einziger Treffer gelang, sondern weil er das Trikot von Lionel Messi mit nach Hause nehmen durfte. Es heißt, Lukas Podolski habe davon schon mehrere im Schrank.

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