HOME

CHAMPIONS-LEAGUE: »Das Glück liebt die, die alles geben«

Ein glücklicher Landesvater, begeisterte Fans, jubelnde Funktionäre: der Bayern-Sieg machte alle glücklich - nur die Kirche ist unzufrieden.

Nach dem spektakulären Gewinn der Champions League standen zehntausende FC Bayern Fans in der Nacht zum Donnerstag Kopf. Der Verkehr in der Landeshauptstadt kam teilweise zum Erliegen, die Innenstadt war im Endeffekt dicht. Eine Änderung gab es auch am Vatertag nicht: Die frischgekürten Champions League-Sieger wurden nach ihrem Heimflug am Donnerstagmittag von hunderten jubelnder Fans auf dem Münchener Flughafen begrüßt. Die Mannschaft hatte die Nacht zuvor in Mailand nach Worten von Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge »weitestgehend durchgemacht«. Torjäger Giovane Elber kündigte an, erstmal »drei bis vier Wochen lang« zu feiern. In einem Autokorso fuhr die siegreiche Mannschaft dann vom Flughafen direkt in die Münchener Innenstadt wo sie auf dem Marienplatz von rund 30.000 Fans ausgelassen gefeiert wurde.

Landesvater gratuliert

Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber freute sich:. In einem Brief an Präsident Franz Beckenbauer schrieb er: »Der unbändige Wille, der schon die deutsche Meisterschaft entschieden hat, setzte sich einmal mehr durch.« Und weiter: »Auch Glück haben wir gesehen bei den Bayern, das ist wahr. Aber das Glück ist wählerisch: Es liebt nur die, die alles geben.«

Hitzfeld geht in die Geschichte ein

Einer der Väter des Erfolges, Trainer Ottmar Hitzfeld, war nach dem Spiel am Ende seiner Kräfte: »Die letzten Wochen, das war Raubbau. Jetzt müsste man eigentlich für ein halbes Jahr in ein Sanatorium,« gestand der 52-jährige ein. Trotzdem hielt er bis um 04:00 Uhr morgens mit Ehefrau Beatrix auf der Siegesfeier durch. Immerhin hat er in seinem dritten Jahr beim FC Bayern geschafft, was vorher Trainergrößen wie Giovanni Trappatoni, Otto Rehagel, Erich Ribbeck und Jupp Heynckes vergeblich versucht hatten: zwei Mal Champions-League-Sieger werden - dies sogar mit zwei verschiedenen Mannschaften (1997 mit Borussia Dortmund)!

Jetzt steht er in München praktisch unter Denkmalschutz: »Ottmar ist ein Glückskind, und wir hoffen, dass er uns noch lange Glück beschert,« so Manager Uli Hoeneß. Und Kapitän Stefan Effenberg setzte noch eins drauf: »Für mich persönlich ist er der beste Trainer der Welt«.

Kirche läuft Sturm gegen »Fußball-Gott«

Nur die katholische Kirche hat in Bayern in Zusammenhang mit dem Fußball-Fieber übermütigen Spielern, Fans und Journalisten die gelbe Karte gezeigt. Das »Gerede vom Fußball-Gott« müsse beendet werden, befand der bayerische Sport-Prälat Karl-Heinz Summerer. Das Beschwören eines »Fußball-Gottes« verstößt nämlich gegen das erste Gebot, das Gotteslästerung verbietet. Seine Mahnung: »Man sollte den Ball auf dem grünen Rasen lassen und nicht in den Himmel heben«.

Die Bayern-Spieler in der EinzelkritikOliver Kahn:

Der Nationalkeeper war der gewohnt sichere Rückhalt. Spielte bei Valencias Kontern als »Libero« gut mit. Beim Handelfmeter chancenlos, später beim Elfmeterschießen mit drei Paraden der Held.

Samuel Kuffour

: Anfangs der große Unsicherheitsfaktor in der Hintermannschaft. Im Kopfballspiel gegen Carew chancenlos, vor dem 0:1 vom Norweger böse düpiert. Später aber erheblich verbessert.

Patrik Andersson:

Der Glückspilz vom Samstag war im Finale einer der Pechvögel. Verursachte den Elfmeter durch Handspiel. Biss auf die Zähne, hielt angeschlagen durch und patzte dann im Elfmeterschießen.

Thomas Linke:

Bester Mann in der Bayern-Mannschaft. War der einzige, der 1,95-m-Mann Carew auch im Kopfballspiel Paroli bieten konnte. Hatte zudem Gegenspieler Sanchez im Griff und traf per Elfmeter.

Willy Sagnol:

Im Defensivverhalten ordentlich, im Offensivspiel auf rechts wenig wirkungsvoll, da weitgehend auf sich allein gestellt. Vergab gute Chancen (41./45.), zur Pause taktisches Wechselopfer.

Owen Hargreaves:

Der Youngster spielte frech mit und bot eine ordentliche Leistung. Konnte aber den verletzten Jeremies und vor allem dessen Offensiv-Dynamik nicht ersetzen. Viele Abspielfehler.

Stefan Effenberg:

Dem Kapitän merkte man an, dass er wollte. Spielte sehr engagiert und entschlossen, bewies aber erst nach der Pause Spielmacher-Qualitäten. Übernahm zwei Mal bei Elfmetern Verantwortung.

Bixente Lizarazu:

Der Franzose war stark im Zusammenspiel auf links mit Salihamidzic. Initiierte manch guten Angriff, auch wenn nicht alle Flanken ankamen. Gut auch sein Defensivverhalten.

Mehmet Scholl:

Das war nicht sein Spiel. Unglücksrabe beim Elfmeter (7.), Pechvogel beim Freistoß (30.). Wollte danach zu viel, vor allem ein Tor. Zog zu sehr in die Mitte, aber ihm gelang nichts.

Giovane Elber:

War im Sturmzentrum zunächst ganz auf sich allein gestellt. Bekam kaum brauchbare Flanken. Blühte nach Hereinnahme Janckers etwas auf, war aber lange nicht so wirkungsvoll wie gewohnt.

Hasan Salihamidzic:

Der Bosnier war auffälligster Spieler vor der Pause. Ungemein dynamisch auf der linken Seite gegen den zu langsamen Angloma. Bewies seine Vielseitigkeit später im rechten Mittelfeld.

Carsten Jancker:

Kam nach der Pause für Sagnol und sorgte als zweite zentrale Spitze für mehr Schwung im Bayern-Angriff. War am zweiten Elfmeter entscheidend beteiligt.

Alexander Zickler:

Kam in der 100. Minute für Elber aufs Feld. Traf im Elfmeterschießen sicher.

Paulo Sergio:

Zwölf Minuten vor Ende der Verlängerung für Scholl eingewechselt. Leistete sich als erster Bayern-Elfmeterschütze einen kapitalen Fehlschuss.

Wissenscommunity